Moin, Kilometerzähler-Fans, ein neues Thema im Blog: Pro Kopf Kilometer: Auto vs. Bahn vs. Flugzeug in Europa, wer fährt und fliegt wie viel?
Heute schauen wir, wie viel wir Europäer:innen pro Kopf tatsächlich fahren, einmal mit dem Auto, einmal auf der Schiene (Bahn, Straßenbahn, U-Bahn) und die Flugzeuge werden am Ende auch nicht vergessen. Und ja: Zahlen sind trocken. Aber zwischen Luxemburgs Bleifuß und Österreichs Schienensprint steckt eine ganze Menge Geschichte, von Infrastruktur bis Gewohnheit, von Politik bis Alltag.
Pro Kopf Kilometer, was hier gezählt wird (und was nicht)
- Schiene: Jahreskilometer pro Person mit Bahn/Tram/U-Bahn. Bus ist hier nicht drin.
- Auto: Jahreskilometer pro Person mit Pkw.
- Zeitbezug: Schiene/Auto pro Kopf 2022, weil das die jüngsten EU-weiten, vergleichbaren Pro-Kopf-Daten sind. Ergänzend: Deutschland-Trends 2024 (Fahrleistung, Neuzulassungen). Verkehrstote 2023.

Schiene pro Kopf Kilometer: Österreich fährt allen davon (außer der Schweiz)
- Österreich: 2.160 km pro Kopf (EU-Champion).
- Dahinter: Frankreich 1.750, Schweden 1.440, Tschechien 1.350, Deutschland 1.280.
- EU-Schnitt: 1.060 km.
- Schweiz (Europa gesamt, nicht EU): 2.310 km.
- Weniger Schienenkilometer u. a.: Italien 890, Spanien 730, Griechenland 240, Litauen 140.
Zum Einordnen im Alltag:
- Österreichs 2.160 km/Jahr sind grob 5,9 km/Tag (2.160 ÷ 365 ≈ 5,9).
- Der EU-Schnitt (1.060 km) liegt bei rund 2,9 km/Tag.
- Deutschland (1.280 km) kommt auf ca. 3,5 km/Tag.
Lesart: Wo Netze dicht sind und Takte passen, sitzt man häufiger im Zug. Überraschung: keine.
Politik + Angebot = Nutzung.
Auto, pro Kopf Kilometer: von Malta bis Luxemburg, einmal alles dabei
- Wenigste Autokilometer: Malta 5.120 km pro Kopf.
- EU-Schnitt: 9.180 km.
- Österreich: 7.770 km (unter EU-Schnitt).
- Deutschland: 10.200 km (darüber).
- Meiste Autokilometer: Luxemburg 12.290 km.
Alltagsperspektive (pro Tag):
- Malta: ~14,0 km/Tag (5.120 ÷ 365).
- EU-Schnitt: ~25,2 km/Tag (9.180 ÷ 365).
- Österreich: ~21,3 km/Tag (7.770 ÷ 365).
- Deutschland: knapp 28,0 km/Tag (10.200 ÷ 365).
- Luxemburg: ~33,7 km/Tag (12.290 ÷ 365).
Lesart: Wo Wege kurz sind oder Alternativen gut funktionieren (Rad, Nahverkehr), sinken die Autokilometer. Wo Pendelachsen, Zersiedelung und Kaufkraft zusammenspielen, steigen sie.
Deutschland im Zoom: 2024 wieder mehr pro Kopf Kilometer im Auto
- Gesamtfahrleistung Pkw (DE, 2024): ~594 Mrd. km, +3 Mrd. vs. 2023, erster Anstieg seit 2018.
- Ø-Fahrleistung pro Auto (DE, 2024): 12.309 km (−11 km ggü. 2023), mehr Kilometer insgesamt, aber verteilt auf mehr Fahrzeuge.
- Antriebe, Fahrleistung (DE, 2024):
- Benziner: ~283 Mrd. km, Ø 9.555 km/Auto.
- Diesel: ~230 Mrd. km, Ø 16.984 km/Auto.
- Andere (E/Hybrid/Gas): Rest, separat nicht ausgewiesen.
- Kraftstofftrend (DE, 2024): Benzinauslieferungen +2,1 %, Diesel −3,3 %.
Lesart: Der Bestand wächst, Diesel bleibt Vielfahrer-Tool (lange Distanzen), E wächst über Neuzulassungen, in der Jahresfahrleistung aber noch nicht dominierend.
Neuzulassungen 2024: Antriebe im Vergleich
- Deutschland 2024: ~2,8 Mio. Neuzulassungen; 86 % Verbrenner (≈ 62 % Benzin, 24 % Diesel), 14 % Elektro.
- EU-Vergleich E-Anteil 2024: Dänemark 51 % (Top EU), Norwegen 88 % (Europa-Spitze außerhalb EU).
- Bestandsalter (DE, 2024): 15,0 % der Pkw < 2 Jahre (Luxemburg 20,2 %).
Lesart: Deutschland liegt beim E-Anteil nur Mittelfeld. Frische Flotte ja, aber der Antriebswechsel bleibt ein Marathon, Infrastruktur, Preise, Gewohnheiten.
Sicherheit: Wo wir stehen
- Verkehrstote EU 2023: ~20.400 (Deutschland: >2.800).
- Ziel der EU: Halbierung bis 2030, Vision Zero bis 2050.
Lesart: Mehr Kilometer, mehr Autos, aber bitte weniger Tote. Technik hilft, doch Tempo, Abstand und Infrastruktur entscheiden mit.
Kleine Landkarte der Extreme
- Schiene hoch: Schweiz 2.310, Österreich 2.160 km/Kopf/Jahr.
- Schiene niedrig: Griechenland 240, Litauen 140.
- Auto hoch: Luxemburg 12.290, Frankreich 11.930, Litauen 11.710.
- Auto niedrig: Malta 5.120, Slowakei 5.220.
Straße vs. Schiene
Deutschland bringt es aktuell (Stand 2025) auf rund 13.223 Kilometer Autobahn und etwa 38.836 Kilometer in Betrieb befindliches Schienennetz. Damit liegt die Bundesrepublik, was die Autobahnen betrifft, europaweit hinter Spanien auf Rang zwei und weltweit auf Platz vier. Beim Schienennetz hingegen führt Deutschland Europaweit die Rangliste an, während Frankreich, die Ukraine, Polen und Italien auf den nächsten Plätzen folgen.
Schauen wir über die Grenzen hinaus, dann spannt sich in Europa insgesamt ein Autobahnnetz von ungefähr 90.000 bis 100.000 Kilometern, während das gesamte europäische Schienennetz, also inklusive Nicht-EU-Staaten, rund 234.000 Kilometer erreicht. Innerhalb der EU beläuft sich das Schienennetz (2023) auf etwa 200.947 Kilometer. Diese Größenordnungen zeigen, wie dicht die Verkehrsadern bereits geknüpft sind und wie stark sich Straßen- und Schieneninfrastruktur gegenseitig ergänzen; sie verdeutlichen außerdem, dass Kapazitäten zwar vorhanden sind, Ausbau und Modernisierung jedoch kontinuierlich nachziehen müssen, damit Netzlücken nicht zur Bremse werden.
Da Infrastruktur nun einmal lebt, können die Zahlen je nach Baufortschritt, Stilllegungen und Modernisierungen leicht schwanken. Insgesamt lässt sich dennoch festhalten: Deutschland ist auf der Straße sehr groß und auf der Schiene noch größer, während Europa als Ganzes sowohl breite Autobahnkorridore als auch weit verzweigte Gleisnetze bereithält, beides zusammen sorgt dafür, dass Waren und Menschen zügig ankommen, solange Planung, Instandhaltung und Investitionen Schritt halten.
Und jetzt die unbequeme Wahrheit
Wer Schiene attraktiv macht, bekommt Nutzung. Wer Wege verlängert und Alternativen verkompliziert, kriegt Autokilometer. Österreich zeigt, wie beides geht: relativ viele Bahnkilometer und vergleichsweise wenige Autokilometer. Deutschland fährt derweil viel Auto und ein bisschen mehr Bahn, aber hängt beim E-Anteil und beim täglichen Modalsplit weiter zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Dann lass uns einfach fliegen….. pro Kopf Kilometer Flugverkehr
Europa sitzt wieder öfter im Flieger, und zwar in beachtlichem Umfang. Pro Jahr kommen die Passagiere inzwischen auf rund 1,6 Billionen Passagierkilometer (RPK), also auf die Summe aller zurückgelegten Kilometer je beförderter Person. Weil ein RPK schlicht „1 Fahrgast × 1 Kilometer“ bedeutet, wird schnell klar, wie groß das Volumen ist: 100 Menschen auf einem 1.000-Kilometer-Flug entsprechen bereits 100.000 RPK. Gleichzeitig wachsen die Distanzen je Flug weiter; die durchschnittliche Strecke liegt aktuell bei etwa 1.157 Kilometern. Das passt ins Bild, denn viele kurze Strecken werden entweder auf die Bahn verlagert oder strenger reguliert, während mittel- und langstreckige Verbindungen zulegen.
Nach der Delle der Pandemie nähert sich der Luftverkehr zudem weiter dem alten Niveau: Im ersten Halbjahr 2025 wurden bereits über 95 % der Passagierkilometer von 2019 erreicht. Damit ist die Erholung weit fortgeschritten und sie verteilt sich, wenig überraschend, entlang der großen Drehkreuze. Großbritannien führt dank London-Heathrow und vieler Interkontinentalflüge mit rund 230 Mrd. RPK, Deutschland folgt mit etwa 180 Mrd., dahinter Frankreich mit ca. 150 Mrd., Spanien mit rund 110 Mrd. und Italien mit etwa 90 Mrd.. Die Niederlande kommen, getragen von Amsterdam-Schiphol, auf ungefähr 70 Mrd. RPK. Kleinere Märkte wie die Schweiz oder Österreich bewegen sich, je nach Jahr und Hub-Anbindung, im Bereich von grob 20 bis 70 Mrd. RPK.
In Summe zeigt sich also: Weil die Menschen wieder weiter und häufiger fliegen, steigt die Gesamtleistung, und weil kurze Hüpfer seltener werden, wächst die Durchschnittsdistanz. Allerdings bleiben die Umweltwirkungen und die politischen Debatten um Kurzstrecken, SAF-Quoten und Bahnalternativen sehr präsent und sie werden, parallel zur weiteren Erholung, maßgeblich bestimmen, wie sich diese Kurven in den nächsten Jahren weiterentwickeln.

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