Schaltgetriebe sparsamer? Manuell vs. Automatik Schaltkonsole

Sind Schaltgetriebe wirklich sparsamer? Ich habe für euch recherchiert:
Ihr kennt diese Stammtischmomente sicher. Irgendjemand behauptet mit ernster Miene, dass ein Schaltgetriebe grundsätzlich sparsamer sei und dass Automatikfahrerinnen und Automatikfahrer im Grunde freiwillig Geld verbrennen.
Klingt nach einem klassischen Mythos, der sich hartnäckig hält. Aber stimmt das heute überhaupt noch?
Ich wollte es genauer wissen und habe mir für euch die Technik, die Messwerte und die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt angeschaut. Und ich sag es gleich. Die Wahrheit ist etwas komplexer als das gute alte Schwarz oder Weiß.

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Warum der Mythos überhaupt entstand

Früher war die Sache tatsächlich recht eindeutig. Ein manuelles Getriebe hatte fünf oder sechs Gänge, während viele Automatikgetriebe nur drei oder vier boten. Weniger Gänge bedeuteten höhere Drehzahlen und damit höheren Verbrauch.
Außerdem arbeiteten ältere Automatikgetriebe häufig mit einem Drehmomentwandler, der bei vielen Modellen permanent leicht rutschte. Dadurch ging Energie verloren und der Motor musste mehr leisten, um die gleiche Geschwindigkeit zu halten.

Wenn ihr damals die Wahl zwischen einer klassischen Dreigangautomatik und einem knackigen Schaltgetriebe hattet, war das manuelle Modell fast immer sparsamer. Dass sich dieser Eindruck tief eingeprägt hat, überrascht mich nicht.
Trotzdem sollte man bei allem Respekt vor der guten alten Zeit heute etwas umdenken.

Was moderne Automatikgetriebe besser machen

Während Schaltgetriebe sich in den letzten Jahrzehnten kaum weiterentwickelt haben, hat sich die Welt der Automatikgetriebe komplett verändert.
Viele aktuelle Modelle setzen auf automatisierte Kupplungen, Doppelkupplungsgetriebe oder stufenlose CVTs.
Diese Systeme können schneller, präziser und effizienter schalten, als selbst ein geübter Mensch es je könnte.

Ein Doppelkupplungsgetriebe beispielsweise hat zwei Kupplungen, die sich je nach Gang vor- und zurück bewegen.
Dadurch gehen Gangwechsel fast ohne Zugkraftunterbrechung über die Bühne und die Drehzahl bleibt viel häufiger im optimalen Bereich.
CVTs wiederum arbeiten nicht mit festen Gängen, sondern passen die Übersetzung ständig an. Das sorgt für einen sehr ruhigen Motorlauf und einen bemerkenswert niedrigen Verbrauch.

Gerade in Europa, wo Hersteller wie Volkswagen, Renault, BMW, Toyota und Hyundai diese Getriebetechnologien intensiv einsetzen, hat die Automatik mittlerweile einen enormen Effizienzvorsprung. Genau deshalb findet man bei vielen neuen Modellen überhaupt kein Schaltgetriebe mehr.

Was die Untersuchungen zeigen

Alle ausgewerteten Beispiele haben eines gemeinsam. Der Verbrauchsunterschied zwischen Schalt- und Automatikfahrzeugen ist heute oft so gering, dass er kaum noch eine Rolle spielt. Bei einigen Modellen ist das Schaltgetriebe minimal sparsamer. Bei anderen hingegen liegt die Automatik vorne.

Ein Beispiel.
Beim Hyundai i30 mit Benzinmotor unterscheiden sich Schalt- und Automatikversion nur um 0,1 Liter. Beim Dieselmodell sind es 0,2 Liter. Beim Subaru WRX verbraucht die Automatik sogar weniger. Beim Toyota 86 ist die Automatik ebenfalls sparsamer. Beim Jeep Wrangler liegt die Automatik wieder knapp vorne. Und beim Ford Ranger trinkt das Automatikmodell etwas mehr.

Kurz gesagt. Der Unterschied hängt heute fast vollständig davon ab, welche Art von Automatik verbaut ist. Ein moderner Doppelkuppler oder ein gutes CVT schlägt ein Schaltgetriebe oft mühelos. Ein klassischer Drehmomentwandler kann je nach Modell etwas mehr verbrauchen.

Der Mythos, dass Schalter grundsätzlich sparsamer seien, lässt sich damit eigentlich nicht mehr halten.

Warum Schaltgetriebe trotzdem noch Menschen überzeugen

Natürlich gibt es nach wie vor Gründe, ein Schaltgetriebe zu mögen. Es fühlt sich direkter an, es vermittelt Kontrolle und es macht vielen Menschen einfach Spaß.
Außerdem kann ein Schaltgetriebe beim Kauf günstiger sein, wobei das in Europa längst nicht mehr für alle Modelle gilt. Immer mehr Hersteller bieten ihre Schaltversionen nur in höheren Ausstattungslinien an oder lassen sie komplett fallen.
Besonders sportliche Hersteller setzen inzwischen fast ausschließlich auf Automatik oder Doppelkupplung.

Klar, auch beim Thema Reparaturen kann ein Schaltgetriebe Vorteile haben. Weniger Technik bedeutet manchmal geringere Kosten, wenn etwas kaputtgeht. Trotzdem sollte man berücksichtigen, dass moderne Automatikgetriebe mittlerweile langlebiger und robuster sind als früher.

Was in der Praxis wirklich zählt

Nicht nur das Getriebe entscheidet über den Verbrauch, sondern das Zusammenspiel aus Motor, Getriebeabstimmung, Fahrzeuggröße, Aerodynamik und Fahrstil.
Ein kleiner Benziner mit CVT braucht auf der Autobahn weniger als ein großer SUV mit manueller Schaltung.
Jemand, der beim Schalter ständig zu spät hochschaltet, kann mühelos doppelt so viel verbrauchen wie die Automatik.

Wenn ihr also ein modernes Auto fahrt, spielt die Frage Schalter oder Automatik beim Verbrauch nur noch eine Nebenrolle. Viel wichtiger ist, ob das Auto insgesamt gut zu eurer Strecke und eurem Fahrverhalten passt.

Wie es in Zukunft weitergeht

Auch wenn Schaltgetriebe heute noch existieren, verschwinden sie langsam aus den Neuwagenlisten. Fast alle Elektrofahrzeuge haben überhaupt kein klassisches Schaltetriebe mehr. Viele Hersteller entfernen die Schaltoption inzwischen komplett aus ihren Modellangeboten.

Selbst kleinste Fahrzeuge werden in Europa zunehmend mit Automatik angeboten, weil sie sowohl im Stadtverkehr als auch auf langen Strecken effizienter und komfortabler sind.

Man kann also sagen. Der Mythos ist mittlerweile falsch, er stammt aus einer Zeit, deren Technik längst überholt ist.

Weitere Informationen:

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