Guten Morgen ihr Lieben, heute ist Teil 4 unserer berühmten, aber eben auch tragischen Auto Geschichten dran. Und ja, ich weiß, man kann bei James Dean herrlich lange darüber diskutieren, ob er ein fahrender Schauspieler war oder ein Schauspieler war, der Rennstreckenluft statt Premierenluft bevorzugt hat.*
Nur machen wir das heute nicht.
Heute bleiben wir konsequent am Blech, am Aluminium, an Teilenummern, an Erzählungen, die sich festkrallen wie ein Aufkleber auf warmem Lack. Heute geht es nur um den Porsche. Um den 550 Spyder. Um „Little Bastard“. Und um das, was nach dem Unfall aus diesem Auto wurde, beziehungsweise aus dem, was davon übrig blieb.
Heute: James Deans „Little Bastard“: Was passierte mit dem Porsche 550 Spyder?!
Warum ausgerechnet dieser Porsche zur Legende wurde
Es gibt Autos, die sind berühmt, weil sie Siege eingefahren haben. Und es gibt Autos, die sind berühmt, weil sie in einer einzigen Sekunde alles verloren haben, außer dem Mythos.
Der Porsche 550 Spyder war schon an sich ein ungewöhnliches Biest. Leicht, kompromisslos, gebaut für Menschen, die lieber Kurven lesen als Zeitungen. James Dean passte da rein wie eine Zigarette in ein Schwarzweißfoto. Dazu kam dieser Name, „Little Bastard“, der nicht klingt wie ein Kosename, sondern wie eine Warnleuchte.
Genau an dieser Mischung entzündet sich bis heute alles: Ikone plus Renntechnik plus früher Tod plus ein Wrack, das später auf Tour ging. Das ist der Stoff, aus dem Legenden ihre Geschichten stricken.
Der 30. September 1955: Der Moment, der alles einfriert
James Dean verunglückte am 30. September 1955 in Kalifornien, an der Kreuzung Route 46 und Route 41 bei Cholame. Sein silberner Porsche 550 Spyder kollidierte fast frontal mit einem Ford Tudor, gefahren von Donald Turnupseed.
Dean überlebte den Aufprall nicht. Sein Beifahrer, der Porsche Mechaniker Rolf Wütherich, wurde schwer verletzt. Der Fahrer des Ford kam vergleichsweise glimpflich davon.
Und wer sich Fotos vom Unfallort ansieht, versteht sofort, warum später so viele Geschichten entstehen konnten. Der Spyder war nicht einfach beschädigt. Er war nahezu unkenntlich deformiert. Das Auto sah aus wie ein Stück Papier, das jemand wütend zerknüllt hat.

Was nach dem Unfall passierte: Aus einem Wrack wird ein Teile Puzzle
Nach dem Unfall begann das zweite Leben des „Little Bastard“. Nur eben nicht als ganzes Auto, sondern als Sammlung von Resten, Teilen, Blechen, Erzählfragmenten.
Die Wrackreste gingen zunächst an einen Schrotthändler. Später erwarb Dr. William Eschrich den Wagen und nutzte den Motor in einem eigenen Rennwagen. Außerdem verkaufte er weitere Teile und auch Karosseriebleche an andere aus der Szene. Das ist wichtig, weil hier aus einer einzigen Tragödie viele kleine technische Ableger wurden. Und jeder Ableger war eine Einladung für neue Geschichten.
Belegt ist auch, dass Teile aus dem Motor in einem Rennwagen von Dr. McHenry landeten, und dass McHenry bei einem Rennen tödlich verunglückte. Eschrich selbst hatte ebenfalls einen Unfall und wurde verletzt. Das sind die Folgeereignisse, die historisch am ehesten greifbar sind, ohne dass man dafür die Geisterabteilung öffnen muss.
George Barris: Der Mann, der aus Metall eine Bühne machte
Dann kommt George Barris ins Bild, der berühmte Customizer, und damit ändert sich der Ton. Denn Barris war nicht nur Schrauber. Er war auch Erzähler, Vermarkter, Dramaturg.
Er kaufte später das verbliebene Chassis, richtete den verformten Rahmen grob her und ergänzte Blecharbeiten, um das Ganze als Schaustück präsentieren zu können. Das Auto wurde als „James Dean’s Last Sports Car“ gezeigt, oft in Verbindung mit Sicherheitsaktionen und Ausstellungen.
Auf dem Papier sollte es warnen. In der Realität zog es Menschen an, weil es der Gegenstand war, der das Idol nicht nur begleitet hatte, sondern es verschlungen hatte. Und ganz ehrlich: Genau das war der magnetische Kern. Nicht die Pädagogik, sondern der Schauer.

1959: Ein Brand, der das Feuer nur im Mythos größer machte
1959 kam es zu einem Brand in einer Garage oder Lagerhalle, in der der Spyder beziehungsweise Karosseriereste eingelagert waren. Der Brand ist dokumentiert, und der Schaden am Auto soll gering gewesen sein.
Für nüchterne Menschen ist das eine Randnotiz. Für Legenden ist es ein Buffet. Denn jedes Feuer, das nicht alles vernichtet, wirkt im Nachhinein wie ein Fingerzeig. Als hätte das Wrack „überlebt“.
Das Verschwinden: Der perfekte Schluss ohne Ende
Irgendwann, Ende der 1950er Jahre beziehungsweise um 1960, verliert sich die Spur des Schaustücks. Es war auf Ausstellungen unterwegs, es wanderte von Ort zu Ort, und dann verschwand es. Spurlos, zumindest in dem Sinne, dass der aktuelle Verbleib des ursprünglichen Wracks bis heute als unbekannt gilt.
Und damit passiert das, was immer passiert: Wenn Fakten aufhören, fangen Legenden an, sich selbst zu erzählen.
Warum der „Fluch“ so gut funktioniert, auch ohne Magie
Ich schreibe euch das nicht, um irgendwem den Spaß zu nehmen. Ich schreibe euch das, weil dieser Mechanismus faszinierend ist.
Ein tragischer Promi Tod erzeugt ein Echo. Ein seltenes Auto erzeugt ein Echo. Ein zerstörtes Wrack erzeugt ein Echo. Und wenn dann ein begabter Selbstdarsteller Geschichten streut, dann entsteht daraus ein Mythos, der sich selbst finanziert.
Viele der spektakulären Fluch Episoden tauchen erst später auf, werden immer wieder nacherzählt, werden „runder“, werden dramatischer und landen am Ende in Videos, Büchern, Artikeln, die mehr Gänsehaut verkaufen wollen als Quellenarbeit bieten.
Das heißt nicht, dass alles gelogen ist. Es heißt nur: Man muss trennen und sortieren wie in einer Werkstatt, sauber, mit beschrifteten Kisten.
Klar erzählt zum Schluss: Belegbares vs. Legenden: Was passierte mit dem Porsche 550 Spyder?!
Belegbare Eckpunkte
- James Dean verunglückte am 30. September 1955 mit seinem silbernen Porsche 550 Spyder „Little Bastard“ nahe Cholame in Kalifornien bei einer Kollision mit einem Ford Tudor.
- Dean starb kurz nach dem Unfall, sein Beifahrer Rolf Wütherich wurde schwer verletzt, der Fahrer des Ford nur leicht.
- Das Fahrzeug war beim Aufprall extrem stark zerstört, zeitgenössische Fotos zeigen einen nahezu entstellten Spyder.
- Die Reste des Autos wurden zunächst über den Schrott und dann über Dr. William Eschrich weiterverwertet, inklusive Motor Nutzung in einem Rennwagen sowie Verkauf weiterer Teile und Bleche.
- George Barris erwarb später das verbliebene Chassis, arbeitete es grob auf und ergänzte Blech, um ein Schaustück für Sicherheitsaktionen und Ausstellungen zu präsentieren.
- Im Zusammenhang mit weitergegebenen Teilen sind mindestens zwei Folgeunfälle besonders belastbar dokumentiert: Dr. McHenry starb bei einem Rennen, Eschrich erlitt bei einem anderen Unfall Verletzungen.
- 1959 gab es einen Brand an einem Lagerort des Fahrzeugs beziehungsweise der Reste, der Schaden am Auto soll begrenzt gewesen sein.
- Das Schaustück beziehungsweise der verbliebene Wagen wanderte über mehrere Stationen und verschwand später, der tatsächliche Verbleib des ursprünglichen Wracks bleibt ungeklärt.
Verbreitete Legenden und Theorien
- Der „Fluch des Little Bastard“ sammelt zahlreiche angebliche Unfälle und Todesfälle um Besitzer, Teilekäufer oder Aussteller, vieles davon ist historisch nicht sauber belegbar und wirkt wie nachträgliche Dramatisierung.
- Die oft wiederholte Reifen Geschichte, nach der verkaufte Reifen gleichzeitig platzten, ist schlecht dokumentiert und wird von vielen Recherchen eher skeptisch bewertet.
- Erzählungen über ein „selbstbewegendes“ Auto, das von Podesten rollt und Zuschauer verletzt, tauchen häufig erst in späteren Darstellungen auf und wirken ausgeschmückt.
- Viele Zusatzepisoden lassen sich auf Barris’ PR Erzählungen und wechselnde Versionen zurückführen, inklusive spektakulärer Details, die schwer zu verifizieren sind.
- Esoterische Deutungen mit „Energieabdruck“ oder „Geist“ gehören in den Bereich Spekulation ohne belastbare Hinweise.
- Beim Verbleib kursieren Varianten von „Privatgarage“ bis „heimlich verschrottet“ oder „Show Wrack statt Original“, nur fehlen harte Beweise. Darum bleibt der Status: ungeklärt.
*James Dean ist als Rennfahrer und als Filmstar erstaunlich „kurz, aber strahlend“ unterwegs gewesen: Im engeren Sinn sind drei Rennwochenenden 1955 sauber dokumentiert und als große Kinolegende steht er im Kern auf drei Hauptrollen in drei Spielfilmen.
Rennkarriere: Wie viele Rennen waren es wirklich?
Belegt sind im Wesentlichen drei Rennmeetings im Frühjahr 1955, alle noch im Porsche 356 Speedster:
- Palm Springs Road Races (26.–27. März 1955): Start im Novizenfeld und im Hauptrennen. Im Novizenrennen gewann er, im Hauptrennen wurde er Zweiter gesamt.
- Bakersfield, Minter Field (30. April–1. Mai 1955): Start in der Klasse bis 1,5 Liter. Quellen nennen einen Klassensieg beziehungsweise eine sehr gute Platzierung. Das Wochenende gilt als sein zweites eindeutig belegtes Rennmeeting.
- Santa Barbara Road Races (28.–29. Mai 1955): Start am 29. Mai. Er arbeitete sich von weiter hinten (oft wird Startplatz 18 genannt) bis in die Spitzengruppe vor, dann kam der Ausfall durch Motorschaden (Kolben). Es war sein letztes Rennen, bevor er auf den 550 Spyder wechselte.
Unterm Strich heißt das: drei dokumentierte Rennveranstaltungen (Palm Springs, Bakersfield, Santa Barbara). In populären Texten wird daraus manchmal „drei Rennen“ gemacht, manchmal „drei Meetings“. Inhaltlich bleibt es aber dieselbe kurze, aktive Rennphase im Frühjahr 1955. Den Porsche 550 Spyder setzte er nicht mehr im Wettbewerb ein, weil er vor dem geplanten Renneinsatz verunglückte.
Filmkarriere: Wie viele Filme waren es?
Wenn man nach den großen Kinorollen fragt, lautet die klassische, auch inhaltlich faire Antwort: drei Spielfilme, drei prägende Rollen.
- „East of Eden“ (1955): als Cal Trask
- „Rebel Without a Cause“ / „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ (1955): als Jim Stark
- „Giant“ / „Giganten“ (1956, posthum veröffentlicht): als Jett Rink
Natürlich taucht Dean darüber hinaus in kleineren Filmrollen und vielen TV Produktionen auf, etwa in frühen Kinoauftritten und Fernsehformaten. Zählt man alles mit, kommt man über „drei“ hinaus. Als Star und als Leinwandmythos steht seine Karriere aber genau auf diesen drei großen Kinofilmen.
Link zum Text: James Deans „Little Bastard“: Was passierte mit dem Porsche 550 Spyder?!
Weitere Geschichten:
Teil 1: Wo ist das original „Bonnie und Clyde-Auto“?
Teil 2: Die seltsame Geschichte von JFKs recyceltem Todesauto
Teil 3: Was wurde aus Sennas Auto?

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