Kurzstrecke: Auswirkungen auf Verbrenner und Elektro

Manchmal sind es die kleinen Wege, die die großen Probleme machen. Zumindest, wenn es ums Auto geht. Kurzstrecke zur Arbeit, zum Bäcker oder schnell zum Supermarkt: klingt harmlos, ist aber technisch ganz schön anspruchsvoll. Und zwar ganz unterschiedlich, je nachdem, womit ihr unterwegs seid, mit Verbrenner, Hybrid oder Elektroauto.

Warum Verbrenner auf der Kurzstrecke leiden

Bei Benzinern und Dieseln ist die Sache klar: Auf den ersten Kilometern läuft der Motor kalt. Das Öl ist zäh, die Reibung hoch, der Verbrauch steigt und viele Bauteile wie Katalysator oder Partikelfilter erreichen nie ihre optimale Betriebstemperatur. Das bedeutet das mehr Verschleiß, höheren Spritverbrauch und stärkere Belastung für Starterbatterie und Abgasanlage. Mit anderen Worten: Wer seinen Verbrenner nur auf Minirouten bewegt, gönnt ihm nie die Gelegenheit, „richtig durchzuatmen“.

E-Autos: Keine Kaltstarts, aber kalte Akkus

Bei Elektroautos gibt es zwar keinen klassischen Kaltstart, dafür aber andere Herausforderungen. Und die zeigen sich vor allem im Winter. Der ADAC hat in umfangreichen Tests untersucht, wie sich Kälte, kurze Strecken und Standzeiten auf den Energieverbrauch auswirken. Ergebnis: Im Durchschnitt verbrauchten die getesteten Stromer auf kurzen Pendelstrecken bei minus sieben Grad rund 70 Prozent mehr Energie als bei sommerlichen Temperaturen.

Der Grund liegt auf der Hand: Innenraum, Scheiben und Sitze müssen elektrisch beheizt werden. Gleichzeitig fühlt sich auch der Akku erst bei etwa 20 bis 40 Grad richtig wohl. Bis er auf Temperatur kommt, zieht er jede Menge Strom. Und das jedes Mal aufs Neue, wenn das Auto nach einer Pause wieder ausgekühlt ist.

Modelle wie der VW ID.5 oder der Renault Kangoo E-Tech verdoppelten in den ADAC-Tests ihren Energiebedarf, während kleinere Fahrzeuge wie der Dacia Spring oder der BYD Atto 3 etwas glimpflicher davonkamen. Durchschnittlich verloren E-Autos bei Frost rund 40 Prozent Reichweite, je nach Heizstrategie des Herstellers.


Öl Shop
Motorenöl günstig bei eVI Lubricants

Langstrecke hilft beim Sparen

Interessanterweise relativiert sich das Problem, sobald die Strecke länger wird. Auf Fahrten um die 100 Kilometer, getestet bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, stieg der Verbrauch bei den meisten E-Autos nur um 20 bis 30 Prozent. Das liegt daran, dass die einmal aufgeheizte Batterie und der warme Innenraum dann nur noch wenig Energie zum Halten der Temperatur brauchen.

Und die Hybriden?

Plug-in-Hybride, die im E-Modus betrieben werden, verhalten sich im Winter ähnlich wie reine Stromer: Solange die Batterie kalt ist, brauchen sie deutlich mehr Energie. Sobald sich aber der Verbrenner dazuschaltet, wandert Abwärme ins Heizsystem, ein kleiner Vorteil, den reine Elektroautos nicht haben. Bei regelmäßigem Laden sind Hybride im Stadtverkehr also relativ unproblematisch, solange man sie wirklich elektrisch fährt.

Was die Bordbatterie damit zu tun hat

Spannend: Selbst im Elektroauto gibt’s eine kleine 12-Volt-Batterie, die das Bordnetz versorgt. Und die mag Kurzstrecken genauso wenig wie beim Verbrenner. Wenn ihr viele kleine Fahrten macht und das Auto häufig steht, kann auch diese Batterie irgendwann schlappmachen.

Wintermythen und echte Tipps

Dass man im Elektroauto im Stau erfriert, ist übrigens Unsinn. Der ADAC hat’s ausprobiert: Ein Renault Zoe hielt bei zweistelligen Minusgraden zwölf Stunden lang eine angenehme Innenraumtemperatur, bevor 70 Prozent des Akkus verbraucht waren. Selbst kleine E-Autos schaffen also locker eine Nacht im Stau, Heizung inklusive.

Trotzdem gibt’s ein paar Dinge, die ihr im Winter beachten solltet:

  • Vorheizen, solange ihr am Strom hängt. Dann kommt die Energie aus der Steckdose statt aus dem Akku.
  • Garage nutzen. Jede Nacht bei jeden Grad weniger Kälte, spart morgens spürbar Reichweite.
  • Umluft einschalten. Der Innenraum wird schneller warm.
  • Sitz- und Lenkradheizung statt Luftheizung. Das spart Strom.
  • Eco-Modus aktivieren. Er senkt Verbrauch und schont Reifen und Nerven.
  • Kurze Wege bündeln. Lieber einmal länger fahren als fünfmal kalt starten.
  • Vorsicht bei glatter Straße. Kälte kann auch die Rekuperation (Energierückgewinnung) einschränken, also sanft bremsen.

Und was lernen wir daraus?

Kurzstrecken bleiben für alle Antriebsarten eine Herausforderung, nur auf unterschiedliche Weise. Während Verbrenner technisch leiden, sind E-Autos schlicht ineffizienter. Der eine verschleißt schneller, der andere verbraucht mehr Energie. Trotzdem schneidet das Elektroauto im Jahresvergleich besser ab: weniger Verschleiß, weniger Wartung und wenn ihr zu Hause laden könnt, sind die Mehrkosten durch Kälte überschaubar.

Am Ende gilt: Wer weiß, wie sein Auto tickt, spart Nerven, Geld und Energie. Und vielleicht ist das tägliche Vorheizen am Kabel das neue Warmfahren von gestern.


Quellenhinweis:

Die Verbrauchs- und Reichweitendaten stammen aus Messreihen des ADAC und des Green NCAP-Programms.

Weitere Infos:

Benzin oder Strom? Ein ehrlicher Vergleich!

Müssen moderne Motoren wirklich nicht mehr warmlaufen?

Fahren im Winter – Vorbereitungen für eine sichere Fahrt.

Auto warmlaufen lassen im Winter: Was wirklich sinnvoll ist.

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert