Vielleicht habt ihr es ja schon mitbekommen, erstaunlich viele allerdings eben nicht. Und genau das hat mich dazu gebracht, das Ganze einmal aufzuschreiben. Denn während wir noch darüber diskutieren, ob Autos künftig von selbst fahren oder selbständig meckern, wenn man die Spur verlässt, passiert gerade etwas, das viel leiser, aber ziemlich grundlegend ist:
Unsere Autos werden zu Werbeflächen. Innen und nicht außen und schneller, als die meisten ahnen. Heute, Zwangswerbung im Auto:
Wenn das Auto plötzlich redet
Es fing harmlos an. Ein paar Hinweise hier, ein paar „Empfehlungen“ dort. „Da vorne gäbe es übrigens Kaffee im Angebot.“ Oder: „Kaufland hätte da eine schöne Ladesäule für dich, falls du Durst hast, äh, ich meine, falls dein Akku Durst hat.“
Was früher ein Radiospot war, wandert heute direkt ins Cockpit. Und einige Hersteller sind da deutlich kreativer, als uns lieb sein kann.
Zwangswerbung im Auto, Stellantis macht den Anfang und zwar so richtig laut
Jeep-, Fiat- und Opel-Fahrer in den USA haben es als Erste gemerkt:
Bei jedem Stopp poppt eine Bildschirmfüllende Werbung auf. Nicht klein, nicht subtil, sondern so groß wie das Navi selbst.
Angeboten werden gerne Garantieverlängerungen oder andere Zusatzpakete. Und das Beste: Die Anzeigen verschwinden nicht von allein.
Man muss sie schließen. Manuell. Immer wieder.
Dass Fahrer jetzt schon überlegen, ihr Auto zu hacken, um einen Werbeblocker zu installieren? Tja… Wer hätte gedacht, dass „Fahrzeug jailbreaken“ mal ein normaler Suchbegriff wird?

Volkswagen: „Das ist keine Werbung, das sind Empfehlungen.“ Aha.
VW geht etwas eleganter vor.
Offiziell handelt es sich nicht um Werbung, sondern um „Live-Empfehlungen“. Und die tauchen auch nur auf, wenn man vorher der Datennutzung zugestimmt hat. Und wenn man unter 3 km/h fährt. Und wenn man… naja.
Klingt alles sauber strukturiert, bis man realisiert:
Der Bildschirm schlägt dir gerade einen Kaffee bei Netto vor.
Oder eine Ladesäule hinterm Supermarkt. Oder sonst irgendeinen „Point of Interest“, den man vielleicht gar nicht so interessant findet.
Tesla macht’s cineastisch: Werbung als „Stimmungserlebnis“
Tesla setzt weniger auf Pop-ups und mehr auf Entertainment.
In den USA kam ein Update, das das ganze Auto in das Design des neuen „Tron“-Films taucht, inklusive dunkler Karte, leuchtendem Motorradsymbol und verändertem Blinker-Sound.
Man kann es ausstellen. Eigentlich.
Nicht alle schaffen es.
Und genau hier beginnt die Diskussion:
Wenn aus einer Kooperation plötzlich eine Art Dauerhintergrund wird, wo hört Style auf und wo fängt Werbung an?
Ford denkt noch weiter, vielleicht zu weit
Ford hat Patente eingereicht, die Werbeideen aus Sci-Fi-Filmen fast harmlos aussehen lassen.
Werbetafeln am Straßenrand scannen und passende Werbung im Auto anzeigen?
Gespräche im Innenraum analysieren, um relevante Angebote vorzuschlagen?
Audio-Hinweise über die Lautsprecher?
Das klingt nicht mehr nach „Empfehlung“.
Das klingt nach einem Wohnzimmer, in dem Alexa und Google sich streiten, wer dich zuerst nerven darf.
Zum Glück sagt Ford selbst, dass Patente noch lange kein Produktversprechen sind.
Aber die Richtung ist klar: Autos werden zunehmend als Werbefläche gedacht.
Warum das alles passiert: Autohersteller suchen neue Einnahmequellen
Autos werden teurer, Software wird wichtiger und die Unternehmen merken, dass man mit Daten, Services und Abo-Modellen wesentlich mehr verdienen kann als mit einem einmaligen Verkauf.
Beispiele gibt es genug:
Sitzheizung gegen Monatsgebühr, gesperrte Funktionen hinter Paywalls, extra Kosten für schnellere Ladeleistung…
Und jetzt eben auch Werbung.
Das Cockpit wird langsam zur Litfaßsäule.
Neue Aspekte, die bisher kaum jemand auf dem Schirm hat
Hier kommen ein paar Punkte, über die noch wenig gesprochen wird, die aber absehbar werden:
1. Werbung im Auto wird hyperpersonalisiert
Wenn dein Auto weiß, wo du wohnst, wo du arbeitest, wie oft du tankst und was du sonst immer wählst, weiß es bald auch, welche Produkte dir angezeigt werden.
2. Dabei könnte ein Stopp an der Ampel zum Werbe-Moment werden
Drei Sekunden stillstehen, drei Sekunden Werbefenster.
Hersteller lieben sowas.
3. Versicherungen könnten aufspringen
„Du fährst vorsichtig, möchtest du ein besseres Angebot?“
Oder: „Siehst du da vorne den Baumarkt? Heute 10 Prozent auf Schneeketten.“
4. Der Wiederverkaufswert könnte sich verändern
Autos ohne Werbung könnten teurer werden.
Autos mit Zwangs-Werbung günstiger.
So wie Smartphones mit Rabatten, die man nur bekommt, wenn man dafür Werbung akzeptiert.
5. Und am Ende wird das Auto zum Software-Abo auf Rädern
Werbefrei? Gegen Aufpreis.
Premium-Navi? Gegen Aufpreis.
Keine Kaffeewerbung mehr? Gegen Aufpreis.
Und irgendwann vielleicht:
Stille, 9,99 Euro pro Monat.
Zwangswerbung im Auto, was bleibt am Ende?
Ein Auto, das dir zuhört, aber nicht dir gehört
Wir kaufen Autos für viel Geld, pflegen sie, pflegen sie manchmal zu viel und trotzdem fühlen wir uns plötzlich wie Gäste im eigenen Fahrzeug.
Und genau das ist der Punkt:
Werbung im Auto zeigt uns, wie sehr sich der Besitzgrad verschiebt.
Je digitaler das Cockpit, desto weniger Kontrolle hat der Fahrer und desto mehr Möglichkeiten haben Hersteller, daraus Kapital zu schlagen.
Zwangswerbung im Auto, Fazit: Der letzte private Raum? Wird langsam vermietet.
Die Hersteller testen nur.
Sie experimentieren.
Sie tasten sich vor.
Aber wenn wir nicht aufpassen, ist das Auto bald nicht mehr unser stiller Rückzugsort.
Sondern ein Bildschirm, der uns alles verkauft, außer Ruhe.
Und deshalb, Leute, habe ich das alles für euch zusammengeschrieben:
Damit niemand sagen kann, er hätte nicht gewusst, dass die Zukunft gerade mitten im Cockpit stattfindet.
Weitere Infos:
Hersteller meines Elektrofahrzeugs insolvent, was geht?(Öffnet in einem neuen Browser Tab)
So wählt ihr die beste Kfz-Versicherung für eure Bedürfnisse

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