Es gibt diesen Satz, der Henry Ford gern in den Mund gelegt wird: Der Motorsport habe fünf Minuten nach dem Bau des zweiten Autos begonnen. Ob er das wirklich gesagt hat, ist nebensächlich. Die Beobachtung stimmt trotzdem. Sobald zwei Autos existieren, entsteht automatisch ein Wettbewerb. Nicht aus Bosheit, sondern aus Neugier. Und manchmal auch aus reinem Trotz.
Spannend wird es bei Marken, die man eigentlich in einer ganz anderen Schublade einsortiert. Luxus, Vernunft, Billig, Alltag, Stil. Und dann stellt man fest: Die waren doch mal auf der Strecke. Nicht als Deko, sondern wirklich mit Helm, Nummernaufkleber und einem Team, das nach Rennsport riecht.
Autohersteller die auch Rennen fuhren: Hier kommen ein paar Hersteller, bei denen man das eher nicht auf dem Zettel hat.
Duesenberg: Erst Rennen, dann Luxus
Duesenberg klingt heute nach goldener Ära, langer Motorhaube und Preisen, bei denen einem kurz schwindlig wird. Diese Marke steht für das Amerika der Zwanziger und Dreißiger, als „Luxus“ noch hieß: größer, schwerer, technischer, teurer.
Was viele nicht wissen: Am Anfang stand nicht der fahrende Salon, sondern der Wettbewerb. Die Duesenberg Brüder kamen aus dem Motorsport, zuerst sogar aus dem Motorradbereich. Und als sie anfingen, Autos zu bauen, blieb dieser Ehrgeiz. 1921 gewann ein Duesenberg den Großen Preis von Frankreich. Das war nicht nur ein Sieg, sondern ein Statement: Amerika konnte Grand Prix, nicht nur Chrom und Komfort.
Proton: Vernunftmarke mit Rallye Ader
Proton wirkt auf den ersten Blick wie die Sorte Hersteller, die man mit „preiswert“ und „praktisch“ beschreibt. Also genau das Gegenteil von Motorsportromantik. Trotzdem war Proton über viele Jahre im Rennsport unterwegs, vor allem im Rallye Umfeld.
Das passt sogar besser, als man denkt, weil Rallye nicht nur PS ist. Rallye ist Stabilität, Traktion und ein Auto, das auch dann noch funktioniert, wenn die Straße längst aufgehört hat, Straße zu sein. Proton ist seit den späten Achtzigern dabei, und wer sich einmal durch die Historie wühlt, stolpert zwangsläufig über den Satria Neo in S2000 Ausführung. Klein, leicht, ernst gemeint. Kein Showcar, sondern ein Arbeitsgerät für Schotter und Zeitnahme.
Perodua: Unspektakulär im Alltag, ziemlich wach im Heimspiel
Perodua ist bei uns eher ein Name, den man vielleicht mal gelesen hat, ohne ihn sofort einordnen zu können. In Malaysia sieht das anders aus. Dort war die Marke über Jahre mit Rallye Projekten präsent, häufig mit eher kompakten Modellen, die man für den Motorsport umgebaut hat.
Das ist auch so ein typischer Effekt: Ein Auto muss nicht aufregend geboren werden, damit es aufregend leben und fahren kann. Man muss es nur entsprechend einsetzen. Im heimischen Umfeld, mit kurzen Wegen, viel Praxis und einem klaren Ziel, hat Perodua damit durchaus Erfolge eingefahren.
Pagani: Viel Rennoptik, wenig echtes Renngeschäft
Pagani hat dieses Image von „Hightech Skulptur“, und das ist auch nicht falsch. Nur führt genau das oft zu einem Missverständnis: Viele glauben, Pagani sei seit jeher fest im Motorsport verankert, weil Zonda R oder Huayra R schon wie Rennwagen wirken.
Der Haken ist: Viel davon sind Fahrzeuge für Trackdays und private Einsätze, aber nicht zwingend für echte Rennen gebaut, gemeldet und durchgeprügelt. Der Versuch, im klassischen Langstrecken Umfeld mitzuspielen, kam Anfang der 2000er. Ein Zonda in GT1 Spezifikation, ein mutiger Schritt, aber die Realität im Rennsport ist hart. Le Mans verzeiht keine Kinderkrankheiten. Und wenn Technik nicht standhält, dann ist der Einsatz schneller vorbei, als man „Startnummer“ sagen kann.
Das macht die Geschichte nicht peinlich, sondern ehrlich. Motorsport ist eben nicht nur Design, sondern Standfestigkeit, Logistik und brutal viel Erfahrung.
Autohersteller die auch Rennen fuhren: Lada, wenn Winter, Hinterradantrieb und Ehrgeiz zusammenkommen
Lada verbinden viele mit Pragmatismus. Robust, einfach, irgendwie unkaputtbar. Und genau aus so einem Umfeld entstehen manchmal die interessantesten Motorsport Geschichten. Denn wo es viel Fläche gibt, wo es lange kalt ist und wo ein heckgetriebenes Auto verfügbar ist, wird irgendwann ausprobiert, wie schnell man damit wirklich sein kann.
Genau so entstand eine sportliche Lada Rallye Variante auf Basis des 2105, bekannt als VFTS. Das Konzept war typisch Rallye: Gewicht runter, Leistung hoch, Technik so bauen, dass sie unter Stress funktioniert. Keine Hightech Sensation, aber ein ernsthaftes Gerät. Leicht, direkt, und deutlich stärker als das, was man von Straßen Ladas aus der Zeit erwarten würde.
Rolls Royce: Der Motor, der plötzlich rennen soll
Rolls Royce ist die Marke, bei der man automatisch an Ruhe denkt. An Laufruhe, an Samt, an „bitte keine Hektik“. Und trotzdem gibt es Projekte, die genau diesen Gegensatz spannend machen: Man nimmt einen Rolls Royce V8, der eigentlich für sanfte Kraftentfaltung gedacht ist, und baut ihn so um, dass er auf der Strecke nicht einschläft.
In der historischen Rennszene sieht man solche Umbauten immer wieder. Da wird aus „seidenweich“ plötzlich „standfest unter Dauerlast“. Mit Motorsport Schmierung, schärferer Abstimmung, anderen Komponenten. Das Ergebnis wirkt erst absurd und dann ziemlich logisch. Denn wenn ein Motor kräftig ist und stabil laufen kann, ist er plötzlich gar nicht mehr so weit weg vom Renngedanken. Er braucht nur die passende Umgebung.
Autohersteller die auch Rennen fuhren Fazit: Motorsport findet oft da statt, wo man ihn nicht erwartet
Man muss nicht wie Ferrari klingen um um im Rennsport anzukommen. Manchmal reicht ein Entwicklerteam, das neugierig genug ist und ein Moment, in dem jemand sagt: Wir probieren das jetzt.
Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf diese Marken. Nicht, weil sie „heimliche Rennsportgiganten“ waren, sondern weil ihre Geschichten zeigen, wie breit das Thema Motorsport wirklich ist. Von Grand Prix Siegen über Rallye Einsätze bis hin zu mutigen, kurzen Abenteuern auf den größten Bühnen der Welt.
Weitere Infos:
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