Bevor wir losrechnen: Ob sich die Ersparnis für dich „lohnt“, musst du selbst entscheiden. Für manche sind 40 bis 70 Euro im Jahr ein nettes Abendessen. Für andere ist es „okay, aber dafür räume ich doch nicht aus“. Dieser Text ist deshalb keine Moralpredigt, sondern eine kleine Aufklärung: Was ist der messbare Unterschied, wenn du mit leerem Auto fährst statt dauerhaft voll beladen?
Spoiler: Es ist nicht der große Lotto-Moment. Aber es ist auch nicht „egal“. Vor allem dann nicht, wenn du viel in der Stadt unterwegs bist oder dein Auto immer als rollenden Lagerraum nutzt. Viel Spaß bei der heutigen Aufklärung zu allen Mythen in: „Auto leer, fahren, sparen?!“

Warum Gewicht überhaupt Geld kostet
Mehr Gewicht bedeutet: Der Antrieb muss mehr Masse bewegen. Das merkt man besonders bei allem, was nicht „gleichmäßig dahinrollen“ ist:
- Anfahren: jedes Mal mehr Energie, weil mehr Masse beschleunigt werden muss
- Stop-and-go: viele Anfahrvorgänge, viele kleine „Extra-Rechnungen“
- Steigungen: zusätzliche Kilos sind da wie ein unsichtbarer Rucksack
- Autobahn konstant: da dominiert eher der Luftwiderstand, Gewicht ist weniger der Hauptspieler
Heißt: Wenn du viel Stadt fährst, kann Ballast teurer sein als bei jemandem, der fast nur konstant auf der Autobahn gleitet.
Was „100 Kilo im Kofferraum“ im Alltag wirklich sind
100 kg klingen nach Umzug. Sind es im Alltag aber oft nicht. Das ist schnell erreicht:
- eine Getränkekiste oder zwei
- Werkzeugkiste
- Campingkram, der „eigentlich irgendwann mal“ gebraucht wird
- Klappstuhl, Sporttasche, Kiste mit „Zeug“
- plus Kleinkram, der sich über Monate ansammelt
Und genau das ist der Klassiker: Dauerbeladung. Praktisch, bis man merkt, dass man sie bei jedem Kilometer mitbezahlt.
Der Verbrauchseffekt: kleine Zahl, dauerhafte Wirkung
Wir nehmen eine realistische Faustformel für 100 kg Zusatzgewicht:
- Benziner: ungefähr +0,2 bis +0,3 Liter pro 100 km
- E-Auto: ungefähr +0,5 bis +1,0 kWh pro 100 km
Damit rechnen wir bewusst nicht mit dem Extrem, sondern mit einem mittleren, plausiblen Wert:
- Benziner: +0,25 Liter/100 km
- E-Auto: +0,8 kWh/100 km
Rechenbeispiel: leer vs. „dauerpraktisch voll“
Wir stellen uns zwei typische Autos vor, jeweils ohne unnötige Ladung:
- Benziner: 6,5 Liter/100 km
- E-Auto: 18 kWh/100 km
Im „vollen“ Szenario liegen dauerhaft 100 kg im Auto.
Benziner: was passiert?
- Verbrauch ohne Ballast: 6,5 l/100 km
- Verbrauch mit Ballast: 6,75 l/100 km
E-Auto: was passiert?
- Verbrauch ohne Ballast: 18,0 kWh/100 km
- Verbrauch mit Ballast: 18,8 kWh/100 km
Bis hier wirkt das wie „naja“. Jetzt kommt der Teil, der sich übers Jahr zusammenläppert.
Auto leer, fahren, sparen?! Oder, was das in Euro pro Jahr bedeutet
Wir rechnen mit typischen Annahmen (einfach, nachvollziehbar, nicht perfekt für jeden):
- Benzinpreis: 1,80 €/Liter
- Strompreis zuhause: 0,35 €/kWh
- Jahresfahrleistung: 15.000 km
Benziner: Mehrkosten durch 100 kg Dauerladung
- Kosten ohne Ballast: 6,5 l × 1,80 € = 11,70 € pro 100 km
- Kosten mit Ballast: 6,75 l × 1,80 € = 12,15 € pro 100 km
- Differenz: 0,45 € pro 100 km
Bei 15.000 km sind das 150 × 100 km:
0,45 € × 150 = 67,50 € pro Jahr
E-Auto: Mehrkosten durch 100 kg Dauerladung
- Kosten ohne Ballast: 18,0 kWh × 0,35 € = 6,30 € pro 100 km
- Kosten mit Ballast: 18,8 kWh × 0,35 € = 6,58 € pro 100 km
- Differenz: 0,28 € pro 100 km
Bei 15.000 km:
0,28 € × 150 = 42,00 € pro Jahr
Und wenn du mehr fährst oder mehr schleppst?
Das ist der Punkt, an dem es schnell „echter“ wird.
- 25.000 km/Jahr:
- Benziner: 0,45 € × 250 = 112,50 € pro Jahr
- E-Auto: 0,28 € × 250 = 70,00 € pro Jahr
Und wenn du nicht 100 kg, sondern 150–200 kg spazieren fährst (ja, passiert öfter als man glaubt), wächst die Summe entsprechend mit.
Der Bonus, den man nicht so sauber ausrechnen kann
Mehr Gewicht heißt nicht nur mehr Energiebedarf. Es kann auch bedeuten:
- mehr Reifenverschleiß
- mehr Bremsenarbeit (vor allem im Stadtverkehr)
- mehr Belastung fürs Fahrwerk
- beim Verbrenner: je nach Nutzung auch etwas mehr Stress für Antrieb und Kupplung
Das ist schwer in „Euro pro 100 km“ zu pressen, aber als Tendenz logisch: mehr Masse = mehr Arbeit.
Praktische Tipps: so räumst du ohne Drama auf
Damit du nicht plötzlich minimalistisch lebst, nur weil du 40 Euro sparen willst:
- Trenne „Notfall“ von „vielleicht irgendwann“
Im Auto bleiben: Warndreieck, Verbandskasten, Warnweste, ggf. Starthilfe, kleiner Eiskratzer.
Alles andere: raus, wenn es nicht regelmäßig gebraucht wird. - Kofferraum ist kein Keller
Wenn du etwas seit drei Monaten nicht benutzt hast, ist es wahrscheinlich kein „ständig nötig“-Gegenstand. - Mach einen festen „Auto-Reset“
Zum Beispiel einmal im Monat: 5 Minuten, Kofferraum leerziehen, nur das Nötige zurück. - Wenn du was transportierst: bewusst, nicht dauerhaft
Getränke und Werkzeug sind okay. Dauerhaft spazieren fahren ist das, was kostet.
Fazit „Auto leer, fahren, sparen?!“: kleine Zahl, ehrliche Mathematik
Mit einem dauerhaft beladenen Auto bezahlst du bei jedem Kilometer einen kleinen Aufpreis. Für viele sind das im Jahr rund 40 bis 70 Euro bei etwa 100 kg Zusatzgewicht und 15.000 km Fahrleistung. Ob das viel oder wenig ist, entscheidest du selbst.
Aber die Rechnung ist klar:
Ballast raus = Verbrauch runter.
Und manchmal ist das Schönste am Sparen nicht die Summe, sondern das Gefühl, dass das Auto wieder „leicht“ fährt statt wie ein rollender Abstellraum.
Weiter Infos:
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