Wie viel Sprit und Energie verbrauchen meine Reifen und Felgen?

Wie „Rad-Rezepte“ Verbrauch und Reichweite messbar verändern: Reifen und Felgen sind beim Auto das, was Schuhe beim Menschen sind. Du kommst auch mit den falschen ans Ziel. Aber du zahlst unterwegs. Manchmal mit Komfort, oft mit Energie.
Wichtig ist dabei eine saubere Einordnung: Reifen „verschwenden“ Energie nicht, weil sie böse sind, sondern weil sie Energie in Wärme verwandeln. Das passiert vor allem über den Rollwiderstand. Dazu kommen Luftwiderstand am Rad und rotierende Masse. Breite, Größe und Felge wirken dabei selten allein. Sie wirken als Paket.
Und ja: Man kann das rechnen. Nicht auf die letzte Nachkommastelle für jedes Modell. Aber mit belastbaren Größenordnungen und nachvollziehbaren Beispielen.
Heute bei „Wie viel Sprit und Energie verbrauchen meine Reifen und Felgen?“


1) Wo die Energie am Rad verschwindet

Rollwiderstand

Der Rollwiderstand ist der größte Hebel am Reifen. Je nach Fahrzeug und Fahrsituation kann er grob im Bereich von rund 20% der Energie am Rad liegen. Genau deshalb ist die Reifenwahl nicht nur „Grip vs. Optik“, sondern auch „Kilometer vs. Kosten“.

Aero am Rad

Räder sind aerodynamisch heikel. Die drehende Geometrie wühlt Luft auf. Offene Designs können bei höherem Tempo mehr „Rad-Drag“ erzeugen. Geschlossene oder aerodynamisch optimierte Felgen können dagegen helfen, vor allem auf der Autobahn.

Rotierende Masse

Schwerere Räder kosten beim Beschleunigen mehr Energie. Im Stadtverkehr sieht man das eher. Bei konstantem Tempo wird der Effekt kleiner. Aber er ist immer da.


2) Der messbarste Reifen-Faktor: EU-Label für Rollwiderstand

Seit der Umstellung der EU-Kennzeichnung werden bei der Kraftstoffeffizienz (Rollwiderstand) im Alltag typischerweise Klassen A bis E genutzt.

Viele Hersteller erklären es sehr pragmatisch: Zwischen den Klassen liegt häufig etwa eine Größenordnung von rund 0,1 l/100 km pro Stufe (als Daumenwert).
Und als „auf Strecke“ liest man häufig: A bis E entspricht grob rund 7,5% Verbrauchsdifferenz (fahrzeugabhängig, aber als Orientierung gut).

Rechenbeispiel: A vs. E als klare Hausnummer

Damit es greifbar wird, rechne ich mit zwei Basisautos:

Basis 1 (Verbrenner): 6,6 l/100 km

  • 7,5% davon sind: 6,6 × 0,075 = 0,495 l/100 km (also rund 0,5 l/100 km)
  • Bei 1,80 €/l sind das: 0,495 × 1,80 = 0,89 € pro 100 km
  • Bei 15.000 km/Jahr: 150 × 0,89 € = 133,50 € pro Jahr

Basis 2 (BEV): 16 kWh/100 km

  • 7,5% davon sind: 16 × 0,075 = 1,2 kWh/100 km
  • Bei 0,35 €/kWh sind das: 1,2 × 0,35 = 0,42 € pro 100 km
  • Bei 15.000 km/Jahr: 150 × 0,42 € = 63,00 € pro Jahr

Das ist der Grund, warum ich bei „Energieverschwendung durch Reifen“ fast immer zuerst sage: Label und Reifenmodell schlagen Dimension. Oft deutlich.


3) Reifenbreite: mehr Grip, oft auch mehr Verbrauch

Breiter heißt meistens: mehr Aufstandsfläche, oft mehr Walkarbeit, häufig auch mehr Stirnfläche am Reifen. Der ADAC beschreibt den Grundkonflikt klar: Breite Reifen bieten tendenziell mehr Haftung, aber auch mehr Verbrauch.

Was man fachlich sauber sagen kann, ohne ins Fantasieland zu rutschen:

  • Breite wirkt meist in „ein paar Prozent“, nicht in „Weltuntergang“.
  • Der Effekt hängt stark vom Reifenmodell, dem Luftdruck und dem Fahrprofil ab.
  • Im Autobahnbetrieb kommt zusätzlich Aerodynamik ins Spiel, während im Stadtverkehr häufiger das „Beschleunigen von mehr rotierender Masse“ auffällt.

Als praxisnahe Orientierung (nicht als Gesetz): Ein Sprung von etwa 195 mm auf 225 mm kann in der Realität je nach Reifen und Fahrzeug spürbar sein, bewegt sich aber häufig eher im Bereich einiger Zehntel (Liter oder kWh pro 100 km) und nicht im Bereich „Plus 2 Liter“. Der größte Hebel bleibt: welcher Reifen und welche Effizienzklasse, nicht nur „wie breit“.


4) Felgengröße: der 10%-Klassiker, weil sie nie allein kommt

Felgengröße ist selten nur „ein Zoll mehr“. In der Praxis bedeutet sie fast immer:

  • breiterer Reifen
  • niedrigerer Querschnitt (steifere Flanke, andere Walkarbeit)
  • oft mehr Gewicht
  • oft ungünstigere Aerodynamik (oder bewusst bessere, wenn Aero-Felgen)

Ein sehr anschaulicher Realitätsanker ist ein Test, der beim Upsizing von 15 Zoll auf 19 Zoll einen rund 10% schlechteren Verbrauch gemessen hat.

Rechenübersetzung dieser 10% (damit es nicht abstrakt bleibt)

Verbrenner 6,6 l/100 km: +10% = +0,66 l/100 km

  • bei 15.000 km/Jahr: +99 Liter
  • bei 1,80 €/l: +178,20 € pro Jahr

BEV 16 kWh/100 km: +10% = +1,6 kWh/100 km

  • bei 15.000 km/Jahr: +240 kWh
  • bei 0,35 €/kWh: +84,00 € pro Jahr

Wichtig: Das ist ein Upsizing-Paket-Effekt. Nicht „jede größere Felge = exakt 10%“. Aber es zeigt, wie teuer „größer“ werden kann, wenn Breite, Reifenbauart und Gewicht mitwachsen.


5) Felgendesign: offen sieht schnell aus, Aero fährt oft weiter

Bei höherem Tempo wird der Luftwiderstand wichtiger. Und Räder spielen da mit. Deshalb gibt es Aero-Kappen und Aero-Felgen.

Ein konkreter, gut greifbarer Praxiswert: Aero-Abdeckungen können bei Autobahntempo den Verbrauch in der Größenordnung von ein paar Prozent senken; in einem Test wurden etwa rund 3% bei hohem Tempo genannt.

Was 3% im Alltag bedeuten (Beispiel)

BEV mit 20 kWh/100 km:

  • 3% davon = 0,6 kWh/100 km
  • bei 0,35 €/kWh: 0,21 € pro 100 km
  • bei 15.000 km/Jahr: 31,50 € pro Jahr

Das ist kein „ich-finanziere-damit-den-Urlaub“.
Aber es ist messbar. Und es kommt ohne Verzicht, wenn man Aero optisch akzeptiert.


6) Ein kombiniertes Praxisbeispiel: Wenn sich Effekte addieren

Nehmen wir ein Auto, das mit einem effizienten, eher schmalen Setup startet, und dann „sportlich“ umgebaut wird:

  • effizienter Reifen (bessere EU-Klasse) → niedrigere Verluste
  • schmalere Dimension → tendenziell weniger Roll- und Luftanteil
  • kleinere/leichtere/geschlossene Felge → weniger Aero- und Masseanteil

Dreht man das Paket um, addieren sich Effekte:
schlechtere Effizienzklasse + breiter + größer + offener kann schnell in einem Bereich landen, der im Alltag mehrere Prozent ausmacht und damit pro Jahr einen ehrlichen zweistelligen bis dreistelligen Eurobetrag erzeugen kann. Welche Zahl am Ende rauskommt, hängt aber zwingend vom konkreten Reifenmodell ab. Genau deshalb ist das EU-Label als Einstieg so wertvoll.


7) Was du tun kannst, ohne das Auto umzubauen

  1. Beim Reifen zuerst auf Effizienzklasse schauen (und erst dann auf Breite und Optik).
  2. Reifendruck sauber halten, weil zu wenig Druck Rollwiderstand hochzieht.
  3. Wenn du viel Autobahn fährst: Aero-Felgen/Aero-Kappen sind ein echter Hebel (klein, aber konstant).
  4. Wenn du upsize willst: rechne die Optik ehrlich gegen die Energie. Ein Paket kann spürbar kosten.

Wie viel Sprit und Energie verbrauchen meine Reifen und Felgen?Fazit

Wenn man „Energieverschwendung durch Reifen“ seriös betrachtet, landet man immer wieder bei derselben Reihenfolge:

  1. Reifenmodell / Rollwiderstand (EU-Label)
  2. Dimension (Breite/Querschnitt)
  3. Felgenpaket (Größe, Gewicht, Aero-Design)

Oder in meiner Sprache:
Der Reifen ist der Hauptdarsteller. Breite und Felge sind die Kostüme. Und die Rechnung zahlt am Ende immer die Batterie oder der Tank.

Link zum Text: Wie viel Sprit und Energie verbrauchen meine Reifen und Felgen?

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