Teil 2: Bewertung Autohersteller oder wenn Umsatz nicht reicht. Mein Portfolio für Autohersteller.

Gestern habe ich euch ja ganz bewusst mit einer Frage, und eventuell mit dieser kleinen Unruhe im Kopf, zurückgelassen.
Wenn man sich Market Cap, Umsatz, Gewinn und Margen nebeneinanderlegt, fühlt sich das manchmal an, als würden vier verschiedene Leute gleichzeitig die Wahrheit erzählen.
Geht wahrscheinlich vielen so. Deswegen habe ich euch gefragt, was ihr als wichtigste/-n Faktor/-en zur Bewertung eines Automobilkonzerns ausmacht, beziehungsweise nach welchen Kriterien ihr ein Portfolio aufbauen würdet, wenn ihr euch wirklich entscheiden müsstet.
Weil das aber sonst ein bisschen so wäre, als würde ich euch in die Debatte schicken und mich selbst elegant hinter dem Beifahrersitz verstecken, wollte ich die Frage in Teil 2: „Mein Portfolio für Autohersteller“, auch für mich (und euch) beantworten.

Nicht als Anlageberatung, sondern als mein Denkmodell. Also als eine Art Gewichtung, die zeigt, welche Kennzahlen ich für tragfähig halte, wo ich bewusst Risiken streue, und wo bei mir eben nicht nur die maximierte Möglichkeit einer Rendite entscheidet, sondern auch der Kompass.

Denn genau da wird es ja interessant:

In der Autoindustrie stehen wir gleichzeitig mit einem Fuß in der klassischen Welt der Stückzahlen, Plattformen, Fixkosten und Lieferketten. Mit dem anderen in einer neuen Welt aus Software, Services, Daten und Zukunftserzählungen.
Wer nur auf eine Kennzahl schaut, sieht immer nur einen Ausschnitt. Wer so tut, als sei “Bewertung” rein mathematisch, übersieht, dass Investieren am Ende immer auch eine Wette auf Verhalten, Strategie und Glaubwürdigkeit ist.

Also, um die Frage von gestern nicht nur an euch auszulagern: Hier ist meine persönliche Gewichtung.

Ich würde das ziemlich unspektakulär lösen, nämlich so, wie man ein Auto sinnvoll abstimmt: nicht nur nach Topspeed, sondern so, dass es sinnvoll und zuverlässig über das ganze Rennen hinweg fährt.
Das ist dann eher Portfolio als Fanclub.

Wenn ich rein nach Logik gehen würde, würde ich diversifizieren und mir drei Achsen für mein Anlagemobil bauen:

  1. 50 % in den Hersteller mit dem höchsten Gewinn pro Auto.
    Das ist für mich die sauberste Kennzahl, weil sie zwei Dinge gleichzeitig testet: Preissetzungsmacht und Kostenkontrolle. Also die Frage, wer nicht nur verkauft, sondern wer dabei auch pro Einheit wirklich Wertschöpfung übrig behält. In einer Industrie mit gigantischen Fixkosten, hoher Kapitalbindung und teuren Transformationen (Batterie, Plattformen, Software, Werke) ist “Gewinn pro Auto” fast schon wie (m)ein Härtetest für das Geschäftsmodell.
  2. 25 % in den Hersteller mit den meisten verkauften Autos.
    Skalierung ist in der Autoindustrie kein leeres Buzzword. Plattformen amortisieren sich über Stückzahlen, Einkaufsmacht entsteht über Volumen, und wenn es mal ungemütlich wird, überlebt oft der, der breit genug aufgestellt ist. Volumen heißt nicht automatisch Rendite, aber es heißt Stabilität, Marktpräsenz, Ersatzteilgeschäft, Werkstattnetz, Flotten und schlicht: eine industrielle Basis, die nicht von einem Trend abhängt.
  3. 25 % in den am höchsten bewerteten Hersteller.
    Nicht weil ich blind hinterherlaufe, sondern weil “Bewertung” oft eine Mischung aus Zukunftsphantasie und realer Erwartung an neue Erlösmodelle ist. Software, Services, wiederkehrende Einnahmen, Daten, Energie, Plattformlogik. Das muss man nicht lieben, aber man sollte es als Signal ernst nehmen, weil der Markt damit die Spielregeln von morgen beschreibt, ob wir das nun romantisch finden oder nicht.

Und jetzt kommt der Teil, der mich von meinem eigenen Excel Sheet wieder runterholt:

Ich investiere nicht in alles, was rational “Sinn” ergibt.

Ich habe da einen moralischen Kompass. Der ist manchmal etwas lästig, aber ich behalte ihn trotzdem, er ist ein guter Ratgeber.

Heißt konkret, in meinem Portfolio für Autohersteller fällt Tesla für mich raus. Nicht, weil ich die technische Leistung nicht sehe oder weil ich die Bewertungslogik nicht verstehe, sondern weil ich persönlich bestimmte Dinge nicht mitfinanzieren will. Das ist am Ende eine Werteentscheidung. Genauso, wie ich auch nicht in Rheinmetall investiere, obwohl man sich die Argumente dafür sehr leicht bauen könnte. Manche Renditen sind mir zu teuer, ihr versteht was ich meine!

Wenn ich das also ehrlich zusammenfasse, dann bleibt als praktisch umsetzbare Antwort:

Ich splitte mein Geld zwischen dem Hersteller mit den meisten verkauften Autos und dem mit dem höchsten Gewinn pro Auto.
Das ist für mich die Kombination aus Skala und Qualität der Wertschöpfung. Also Fundament plus Ertragskraft. Keine Wette auf nur eine Story oder Person, sondern zwei unterschiedliche Stabilitätsanker, die sich in der Realität oft besser ergänzen als jede einzelne “Wunderaktie”.

Und ja: Das ist wahrscheinlich weniger sexy als ein All in auf die eine große Zukunftserzählung. Aber dafür schlafe ich besser. Und am Ende ist auch das (m)eine Kennzahl.

Link zum Text: Teil 2: Bewertung Autohersteller oder wenn Umsatz nicht reicht. Mein Portfolio für Autohersteller.

Weitere Infos:

Teil 1: Bewertung Autohersteller oder wenn Umsatz nicht reicht: Warum die Börse Autohersteller so unterschiedlich bewertet(Öffnet in einem neuen Browser Tab)

Autohersteller, von denen ihr vielleicht nicht wusstet, dass sie auch Rennen fuhren

Kosten Leasing-Rückgabe

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