Was dein Tesla über dich weiß (und was du dagegen tun kannst)

Vorwort für Leihfahrer, Kauf-Überleger und „Ist mir egal“-Menschen
Dieser Artikel ist vor allem für alle, die mal einen Tesla leihen oder gerade überlegen, einen zu kaufen. Denn dann ist es hilfreich zu wissen, welche Daten so ein Auto nebenbei einsammelt, während du einfach nur von A nach B willst.
Wenn du schon einen Tesla besitzt: Du solltest das Thema kennen und bewusst damit umgehen. Und wenn du sagst „Datenschutz? Ach, komm…“ dann ist das auch eine Entscheidung. Dann bitte einmal entspannt weiterklicken ….!
Heute also „Was dein Tesla über dich weiß“:


Tesla-Broschüren und Kataloge. Bei carlexandria.com
Tesla-Broschüren und Kataloge. Bei carlexandria.com

1) Kurz gesagt: Ein Tesla ist ein rollender Sensor-Hub

Ein Tesla sammelt und verarbeitet sehr viele Informationen, weil er damit:

  • Funktionen am Laufen hält (App, Updates, Navigation),
  • Fehler diagnostiziert (Service, Remote-Diagnose),
  • Sicherheitsfunktionen bewertet,
  • und Fahrerassistenzsysteme verbessert (Flottendaten, Trainingsdaten).

Das ist nicht „böse Magie“, sondern Systemlogik: Ohne Daten kein „smarter“ Tesla. Nur: Smart heißt eben auch wissend.


2) Welche Daten typischerweise anfallen

Was dein Tesla über dich weiß, Fahrzeug- und Fahrdaten

Dazu gehören u. a. Dinge wie:

  • Geschwindigkeit, Kilometerstand, Status von Fahrzeugkomponenten
  • Lenk-, Brems- und Beschleunigungsereignisse
  • Autopilot/Assistenz-Engagements und sicherheitsrelevante Ereignisse
  • Software-Versionen, Konnektivität, Lade- und Batterie-Informationen

Übersetzung: Das Auto kann sehr gut erklären, wie du gefahren bist und oft auch, wann es dabei kritisch wurde.

Standortdaten

Tesla nutzt Standortdaten für Karten, Navigation und bestimmte Komfortfunktionen. Tesla beschreibt in der eigenen Datenschutzerklärung, dass Standortdaten in vielen Fällen im Fahrzeug verarbeitet werden oder so aufbereitet werden, dass sie nicht direkt mit Identität/Account verknüpft sind. Gleichzeitig gibt es Ausnahmen, etwa bei Sicherheitsereignissen, wo Standortdaten für Hilfe/Analyse relevant sein können.

Übersetzung: Navigation braucht Standort und „Unfall/Notfall“ braucht ihn erst recht.

Was dein Tesla über dich weiß, Kamera- und Umgebungsdaten (außen)

Außenkameras sind essenziell für Assistenzsysteme und Dashcam/Sentry. Wichtig dabei:

  • Sentry-/Dashcam-Clips werden (laut Tesla) auf deinem USB-Speicher gesichert und nicht automatisch an Tesla übertragen.
  • Für bestimmte Sicherheits- oder Diagnosefälle kann es dennoch Datenerhebungen geben (z. B. kurze Unfallclips).

Und ja: Es gab Berichte, dass interne Nutzung solcher Aufnahmen in der Vergangenheit problematisch gehandhabt wurde (dazu gleich mehr).

Innenraumkamera

In vielen Modellen sitzt eine Innenraumkamera (oberhalb des Rückspiegels). Laut Tesla:

  • verlassen die Bilder/Videos standardmäßig nicht das Fahrzeug,
  • und werden nur in bestimmten Fällen geteilt, wenn du entsprechende Freigaben erteilst oder sicherheitskritische Ereignisse eine Rolle spielen.

Übersetzung: Innenkamera ist nicht automatisch „Livestream nach Kalifornien“, aber sie ist eben da.

Was dein Tesla über dich weiß, App- und Account-Nutzungsdaten

Alles, was du per App steuerst, hinterlässt Spuren:

  • Entriegeln, Vorheizen, Standort anzeigen, Laden steuern
  • Kontodaten, verknüpfte Geräte/Schlüssel, ggf. Drittanbieter-Apps via API

Übersetzung: Fernbedienung und -wartung ohne Verbindung geht nicht und Verbindung ohne Daten… wird schwierig.


3) Wofür Tesla die Daten nutzt (offiziell)

Tesla nennt u. a.:

  • Fahrzeugbetrieb & Wartung (Fehler finden, Updates ausrollen)
  • Sicherheitsanalyse (Unfall-/Airbag-/Notbrems-Ereignisse)
  • Produktverbesserung (Assistenzsysteme, Karten/Verkehr, Feature-Qualität)
  • Support & Service (Fernanalyse, Reparaturabwicklung)

Außerdem steht in der Datenschutzerklärung auch ganz nüchtern, dass Daten in bestimmten Fällen an Behörden herausgegeben werden können, wenn es rechtlich erforderlich ist (oder bei Notfällen/Schutz von Rechten/Sicherheit).


4) Wo landen die Daten: EU, Niederlande, und trotzdem „weltweit“

Für Europa ist in Teslas Datenschutzhinweisen relevant:

  • Verantwortliche Stelle für EWR/UK/Schweiz ist Tesla International B.V. (Niederlande).
  • Internationale Transfers werden über Standardvertragsklauseln (SCC) abgesichert.

Übersetzung: DSGVO ist im Spiel. Aber „weltweit verarbeitet“ kann trotzdem Teil des Spiels sein, nur eben mit juristischen Sicherheitsgurten.


5) Die heikle Frage: „Kann Tesla mich abhören?“

Die ehrliche, saubere Antwort besteht aus zwei Schichten:

Schicht A: Was Tesla selbst sagt

In Teslas Datenschutzerklärung steht sinngemäß:

  • Bei Sprachbefehlen verarbeitet Tesla die Transkription (also den Text),
  • Audioaufnahmen der Sprachbefehle werden laut Tesla dafür nicht gespeichert/erfasst.

Das ist wichtig, weil es genau die „immer lauschende“ Horrorvorstellung entschärft, zumindest für Voice Commands.

Schicht B: Was technisch möglich wäre vs. was praktisch passiert

Ein Tesla hat Mikrofone (Telefonie, Sprachsteuerung, teils Geräuscherkennung je nach Funktionspaket). Hardware kann grundsätzlich Audio erfassen, sonst gäbe es keine Sprachbefehle.
Ob Tesla dich „abhört“, hängt dann nicht von der Existenz eines Mikrofons ab, sondern von:

  • Softwarelogik (wann ist Mikro aktiv),
  • Einstellungen/Opt-ins,
  • Produktvariante/Funktionen,
  • und extrem wichtig: Sicherheitslage (kein System ist immun gegen Missbrauch oder Hacks).

Für bestimmte Tesla-Dienste (z. B. spezielle Rideshare-/Servicekontexte) beschreibt Tesla explizit, dass Mikrofon-/Sound-Funktionen standardmäßig aus sind und nur in bestimmten Situationen aktiv werden (z. B. Support/Notfall), teils mit sichtbaren Indicators.

Evi-Übersetzung:
„Kann“ im Sinne von „Mikro existiert“: ja.
„Tut Tesla das dauerhaft heimlich“ im Sinne der eigenen Policy: so wird es nicht beschrieben.
Und trotzdem gilt: Wer sensibel ist, behandelt das Thema wie ein offenes Fenster im Erdgeschoss. Man lebt damit. Oder man schließt es.


6) Was du konkret einstellen kannst (ohne gleich den Tesla zu „ent-Tesla-n“)

A) In den Fahrzeugeinstellungen: Data Sharing bewusst steuern

Im Tesla-Menü gibt es Datenteilungs-Optionen (je nach Modell/Softwarestand leicht anders benannt), typischerweise unter Software > Data Sharing.
Dort kannst du u. a. steuern, ob gewisse Analytik-/Segmentdaten oder Kamera-Analytics geteilt werden.

Wichtig: Tesla weist selbst darauf hin, dass das Abschalten bestimmter Datenflüsse Funktionen einschränken kann (z. B. Live-Verkehr, intelligentes Routing, manche „smarten“ Features).

B) Innenraumkamera-Analytics

Wenn du Innenraumkamera-Analytics nicht teilen möchtest: deaktivieren bzw. nicht aktivieren. Tesla beschreibt, dass Daten standardmäßig im Fahrzeug bleiben, bis du aktiv zustimmst bzw. spezielle Ereignisse vorliegen.

C) Sentry Mode mit Hirn nutzen

Sentry ist praktisch, aber es kann eben auch Umgebungsdaten aufnehmen. Wenn du in sensiblen Umgebungen parkst (privater Hof, Firmengelände, Nachbarschaft mit kurzer Lunte): bewusst entscheiden, ob Sentry wirklich an sein muss.

D) Drittanbieter-Apps: API-Zugriffe sind echte Datentore

Viele Leute verbinden Apps für Auswertung, Ladeplanung, Fleet-Features. Tesla bietet dafür offizielle Mechanismen und beschreibt auch, dass du Zugriffe verwalten und widerrufen kannst.

Übersetzung: Drittanbieter-Apps sind oft super. Aber sie sind eben zusätzliche Hände am Datentisch.


7) Mini-Leitfaden für Leihwagen und Probefahrt

Wenn du einen Tesla nur geliehen hast (Miete, Carsharing, Probefahrt), dann willst du hinterher nicht „digital im Handschuhfach liegen bleiben“.

Vor der Fahrt:

  • Nutze wenn möglich ein Gast-/Temporärprofil.
  • Synchronisiere keine Kontakte/Kalender, wenn du es nicht brauchst.
  • Logins (Streaming etc.) nur, wenn du sie danach auch wirklich wieder entfernst.

Nach der Fahrt:

  • Bluetooth-Geräte/Telefon entfernen.
  • Navigationsziele, Favoriten, „Zuhause/Arbeit“ löschen, wenn gesetzt.
  • Streaming-Accounts abmelden.
  • Wenn du Zugriff hast: Factory Reset ist die saubere Lösung (bei Kauf/Verkauf sowieso Standard, bei Leihwagen nur, wenn erlaubt).

8) Realitätscheck: „Aber das machen doch alle Autohersteller…“

Ja. Moderne Fahrzeuge sammeln Daten. Tesla ist nur besonders sichtbar, weil:

  • das Auto sehr softwarezentriert ist,
  • viele Features datengetrieben sind,
  • und Tesla in der Vergangenheit mediale Datenschutz-Storys eingesammelt hat, die hängen bleiben.

Ist das alles gut oder schlecht, ist das nett oder böse, ist das überhaupt zu erwähnen? Alles Fragen die man für sich selbst beantworten muss. Fakt ist, du und deine Daten sind eine Währung und bares Geld. Jede/r sollte grundsätzlich mit ihnen nicht zu verschwenderisch umgehen.

Link zum Text: Was dein Tesla über dich weiß

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