Entdecken Sie die Geschichte von Steve McQueens Mustang aus „Bullitt“ und erfahren Sie, was mit diesem legendären Auto passiert ist.

Heute geht es in Teil 6 der Reihe: „berühmte, aber tragische Auto Geschichten“ um Steve McQueen’s Ford Mustang (Bullitt), was ist aus ihm geworden?

Eine längere Kurzgeschichte über ein Auto, das nie „weg“ war, sondern nur nicht gesehen werden wollte

Bei all den schlechten Nachrichten, die uns aktuell beschäftigen, kümmere ich mich heute um Teil 6 unserer berühmte und tragische Auto Geschichten Saga. Und ich schreibe es so, wie ich es fühle: Einer meiner absoluten Lieblingswagen bekommt heute die große drumtisch-Bühne.

Und ja, diesmal ist es auch eine tragische Geschichte, obwohl niemand in diesem Kapitel stirbt. Tragisch ist hier allerdings etwas anderes. Tragisch ist, dass ein Stück Kulturgeschichte jahrzehntelang in einer ganz normalen Garage stand, während draußen die Welt so tat, als wäre es verschollen. Außerdem auch, wie schnell Legenden entstehen, wenn man in eine Wolke namens „Verbleib unbekannt“ nur lange genug schweben lässt.

Wir reden über den echten Bullitt Mustang. Nicht über eine Replica, nicht über das Tribute Modell, nicht über die millionste Reenactment-Szene auf YouTube. Sondern über den Mustang, den McQueen im Film fahren ließ, als er San Francisco zehn Minuten lang in ein rollendes Herzklopfen verwandelte.

Kapitel 1: Der Brief, der so kurz ist wie eine Ohrfeige

Steve McQueen war 1977 längst nicht mehr der neue heiße Mythos. Er war immer noch berühmt, ja, aber die Zeit war weitergezogen, Hollywood hatte neue Gesichter, neue Skandale, neue Poster für Teenagerzimmer. McQueen blieb trotzdem dieser Sonderfall: Ein Schauspieler, der nicht nur so tat, als würde er Autos lieben, sondern einer, der es wirklich tat. Ein Rennfahrer (Grüße gehen raus an James Dean und seinen Porsche 550 Spyder), ein echter Petrolhead. Einer, der Motoren nicht als Requisite betrachtete, sondern als Teil seines Lebens.

Und genau deshalb ist dieser Brief so gut. Kein Roman, keine Rechtfertigung und kein „Dear Sir, I hope this letter finds you well“. Sondern vier Sätze auf schwerem, cremefarbenem Papier, Solar Productions in der Ecke, Datum drauf: 14. Dezember 1977.

Sinngemäß beginnt er mit: Noch einmal bitte ich Sie, mir meinen 68er Mustang zurückzugeben.

Nicht „den Mustang“. Nicht „ein ähnliches Auto“. Meinen.

McQueen erklärt nicht groß, warum. Er sagt nur, dass er ihn unrestauriert behalten will. Dass das einfach etwas Persönliches sei. Dann kommt dieser letzte Satz, in dem die Geduld durchblitzt, die berühmte Menschen selten lange üben: Er würde sogar versuchen, einen anderen ähnlichen Mustang aufzutreiben, wenn das nicht zu viel Geld bedeutet. Sonst sollte man es lieber vergessen.

Der Besitzer findet das „Vergessen“ völlig in Ordnung.

Damit verschwindet der Bullitt Mustang aus der öffentlichen Welt. Nicht in Flammen, nicht in einem Tresor, nicht im Bermuda-Dreieck. Sondern in etwas viel Unromantischerem, in der Privatsphäre.


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Kapitel 2: Warum dieser Film-Mustang überhaupt „dieser“ Mustang ist

Die Verfolgungsjagd in Bullitt ist nicht nur berühmt, weil Autos springen und scheppern. Berühmt ist sie, weil sie echt wirkt. Weil man spürt, dass hier nicht nur so getan wird. Keine künstliche Musik oder Akustik, die Spannung erzeugen soll. Der Motor ist die Akustik und der Puls ist die Musik. Die Kamera klebt an Blech und Asphalt.

Wer sich mit Autos auskennt, merkt sofort, das ist nicht Hollywood-Magie, das ist echtes Fahren. Und genau das macht es so selten. Es ist zehn Minuten Film-Nirvana. McQueen wusste sehr schnell, dass er mit diesem Mustang etwas abgeliefert hatte, das ihm niemand mehr wegdiskutiert.

Für den Film wurden zwei Mustang Fastbacks in Highland Green eingesetzt, beide 1968er GT390, beide so umgebaut, dass sie härter wirken: Embleme weg, Rückfahrleuchten raus, Felgen drauf, Optik reduziert, Aggression erhöht. Der eine war das Stuntauto, das die groben Momente abbekam. Der andere war das „Hero Car“, das weniger kaputtgehen sollte, weil man es für Close-ups, wichtige Szenen und McQueen-Momente brauchte.

Irgendwo zwischen diesen beiden Autos beginnt der Mythos, weil niemand Jahrzehnte später mehr genau weiß, welches wie endete. Perfekte Bühne für Gerüchte.

Kapitel 3: Die Anzeige

1974 taucht in Road & Track eine Kleinanzeige auf. Auf Seite 121, unscheinbar, zwischen all den Dingen, die man damals so verkaufte, wenn man Platz brauchte und Geld wollte.

Da steht sinngemäß: 1968er „Bullett“ [sic] Mustang, von McQueen im Film gefahren, kann belegt werden, bestes Angebot. Vorwahl New Jersey.

Ein Mann aus Madison, New Jersey, sieht die Anzeige. Er wollte sowieso einen 68er Fastback. Er kauft das Auto für 6000 Dollar.

Und hier passiert die erste große Entzauberung: Der Mustang wird nicht sofort heilig gesprochen. Er wird benutzt und gefahren, er ist ein unbekanntes Teil des täglichen Straßenbilds. Er wird ein stinknormales Auto, weit weg von einem Denkmal.

Auf dem Weg zu seinem Käufer hatte der Wagen wohl bereits ein paar Besitzer, unter anderem einen Filmschnittmeister, was man später sogar an einem Warner Bros.-Parkaufkleber an der Windschutzscheibe ablesen konnte. Irgendwann dann landet er bei Frank Marranca, einem Polizeidetektiv, der den Mustang 1971 vom Studio kaufte. Mit dabei, ein Schreiben von Ford, das bestätigt, dass der Mustang mit der Fahrgestellnummer 8R02S125559 von Solar Productions für den Film erworben wurde.

Diese Nummer ist später der Nagel im Brett, an dem alles hängt.

Marranca verkauft irgendwann, weil die Familie Platz braucht. Der nächste Besitzer ist Bob Kiernan. Und Bob verliebt sich in den Wagen. So richtig, nicht wie ein Sammler, eher wie jemand, der eine neue coole Karre findet. Als ihn McQueen dann 1977 bittet, das Auto zurückzubekommen, sagt Bob also einfach nein.
Nicht aus Bosheit oder aus Geldgier, sondern weil der Mustang längst sein Auto ist. Das kennen sicherlich viele von uns.

Und dann kommt irgendwie der schönste, weil menschlichste Teil. Bob bekommt einen Firmenwagen, also fährt seine Frau den Mustang zur Arbeit, zu ihrem Lehrerjob, also ganz normal. Sie sagte damals einmal sinngemäß: Der Bullitt trinkt gern Benzin.

Dieser Satz ist für mich pures Gold. Weil er zeigt, wie real dieses Auto war. Es war nicht „Filmgeschichte“. Es war „das Auto, mit dem ich morgens losfahre und oft tanke“.

Kapitel 4: 1980, Kupplung tot und dann wird aus fünf Jahren schnell ein halbes Leben

1980 gibt die Kupplung auf. Der Mustang hat etwa 65.000 Meilen runter und er wird in eine Garage gestellt. Das klingt wie „kurz abstellen“, jetzt reden wir aber über Jahrzehnte.

Die Familie zieht um. 1984 geht es nach Cincinnati, 1994 nach Florida. Der Mustang bleibt zwischenzeitlich bei einem Freund in Kentucky. Später zieht die Familie nach Nashville. Bob entdeckt Pferde, kauft eine Farm, nennt sie Wicklow Hill. Der Mustang kehrt zurück und steht in einer Doppelgarage, angeschlossen an ein eher bescheidenes Ranchhaus am Hang.

Dort steht er, und steht, und steht.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist er irgendwann einfach weg.

Kapitel 5: 1990 taucht er kurz auf, dann wird es still

1990 gibt es einen Artikel in Mustang Illustrated, der sinngemäß klarstellt: Ja, das echte Auto existiert, ja, es gibt sogar eine Kopie von McQueens Brief, aber der Besitzer will anonym bleiben und der Wagen stehe irgendwo an der Ostküste.

Und dann passiert das zweite große Entzauberungsding. Die Welt verliert wieder das Interesse. Nicht, weil es nicht spannend wäre, sondern weil Aufmerksamkeit immer weiterzieht. Das Auto verschwindet wieder und es bleibt nur dieses Gerücht, das immer wieder auftaucht, wenn jemand Auflage oder Leser braucht.

Kapitel 6: 2015, ein Chef, ein Gespräch, ein Satz, der alles verändert

Fast forward. Dezembernachmittag, kalt, grau. Sean Kiernan und sein Chef Casey Wallace sitzen in einem blauen Chevy Avalanche und fahren nach Hause. Wallace ist Verkäufer, redet gern, ist gut darin, Leute zum Reden zu bringen. Sean ist autobegeistert, aber eher still.

Wallace fragt nach Seans Autos. Sean zählt auf, was bei ihm rumsteht. Irgendwann erwähnt er einen heruntergekommenen 68er GT390 Mustang in Grün.

Wallace sagt beiläufig: Klingt nach dem Bullitt Mustang.

Bei Sean klappt innerlich etwas um. Nicht, weil Wallace etwas Verbotenes sagt, sondern weil er plötzlich merkt, wie dünn die Wand zwischen Familiengeheimnis und öffentlichem Mythos ist. Ein Satz im falschen Ohr und die Garage wird zum Pilgerort.

Was Wallace nicht weiß: Er hat gerade in die richtige Richtung gezeigt und die Büchse der Pandora geöffnet.

Wallace schreibt tatsächlich selbst an einem Filmprojekt mit einem Regisseurfreund, Ken Horstmann. Im Script geht es um Jungs, die ein in einer Scheune gefundenes Auto jagen. Dieses Auto ist, natürlich, der Bullitt Mustang. Wallace kennt die Gerüchte, den 1990 Artikel, die Spekulationen über Kentucky und Tennessee. Wallace erzählt Sean praktisch dessen eigene Lebensgeschichte, ohne es zu wissen.

Und Sean sitzt da und denkt: Ich habe es vermasselt.

Irgendwann sagt Sean: Ich habe ihn. Ich habe Steve McQueens Bullitt Mustang.

Stille. Dann dieses „flippt aus“-Gefühl und es ploppt die nächste Frage auf: Was jetzt?

Kapitel 7: Das Auto liegt in Einzelteilen

Der Mustang ist zu diesem Zeitpunkt nicht mal in einem Stück. Er liegt teilweise zerlegt da, weil Sean und sein Vater irgendwann beschlossen hatten, ihn wieder auf die Straße zu bringen. Sie wollten ihn nicht restaurieren, nicht neu erfinden oder nicht glänzend machen. Nur fahrbar und die Geschichte nicht verändern.

Dann kam das Leben dazwischen. Parkinson Diagnose beim Vater, Familie, Kinder und Scheidung. Farm, keine Zeit und andere Prioritäten. Der Mustang wird nicht verkauft, aber er wird auch nicht fertig.

Als Bob 2014 stirbt, sitzt Sean vor dem Teilehaufen und hat Angst. Nicht vor dem Auto sondern der Verantwortung.

Was, wenn ich es vermassle? Das ist der Punkt, den man in solchen Geschichten oft vergisst. Leibhaftige Geschichte ist nicht immer nur romantisch, Geschichte erzeugt auch zuweilen Druck.

Kapitel 8: Echtheit, bestätigt durch Spuren, die keiner fälscht

Nun, sie brauchen also jemanden, der unabhängig bestätigt, das Ding ist echt.

Kevin Marti kommt, nicht der Typ, der sich von einer Story blenden lässt. Er liest Autos wie ein Forensiker.

Er schaut sich das VIN-Schild an. Passt. Er schaut sich die Film-Modifikationen an, die man im normalen Leben nie so machen würde:

  • Drei Stahlrohre unter den Schwellern, für Kamerahalterungen
  • Löcher und Kabelwege im Kofferraum, weil die Kameras Strom brauchten
  • Klebebandreste, Markierungen auf dem Drehzahlmesser für Schaltpunkte und Drehzahlgrenze
  • Details, die nicht aussehen wie „Restauriert“, sondern wie „damals schnell gemacht“

Marti sagt sinngemäß: 98 Prozent Originalsubstanz. Ein unglaubliches Artefakt.

Damit ist klar: Das ist er, der echte Bullitt.

Kapitel 9: 2017 taucht der zweite Bullitt auf und macht alles noch absurder

Als ob das Schicksal Humor hätte, taucht 2017 der andere Bullitt Mustang auf, das Stuntauto. In Mexiko, auf einem Schrottplatz, in erbärmlichem Zustand, cremeweiß lackiert, beinahe zu einer Eleanor-Replika umgeplant, bis jemand merkt: Das hier ist ein S-Code-Fastback. Zu wertvoll und ganz sicher zu speziell.

Wieder ruft man Marti. Wieder prüft er VINs. Ergebnis: Das ist das Stuntfahrzeug mit der Nummer 125558.

Plötzlich gibt es nicht nur einen „wiedergefundenen Bullitt“. Es gibt zwei. Der eine als gelebtes Familienauto, der andere als Schrottplatz-Rückkehrer. Zwei Arten von Tragik.

Kapitel 10: Detroit 2018, Bühne, Scheinwerfer, Patina statt Glanz

Ford bereitet 2018 eine neue Bullitt Sonderedition vor, und was wäre besseres Marketing als das echte Original daneben?

Sean will eigentlich, dass der Mustang Teil des Mustang-Erbes wird. Nicht als Ware, sondern als Geschichte. Es geht auch darum, Bobs Wunsch zu erfüllen, irgendwann Ford einzubinden.

Das Auto wird dokumentiert, HVA wird involviert, es gibt Pläne, die Unterlagen bei der Library of Congress zu sichern. Und alles läuft unter Geheimhaltung, weil jede Indiskretion die Enthüllung kaputt machen würde.

Dann kommt der Tag und der Mustang rollt auf die Bühne. Nicht geschniegelt oder restauriert, sondern so, wie er ist. Dellen, Alter, abblätternder Lack. Als hätte er die Apokalypse überlebt. Genau deshalb ist der Eindruck auch so gnadenlos, deswegen trifft er die Anwesenden wiklich hart.

Weil er echt ist, weil er nicht geschniegelt wurde um „schön“ zu sein. Sondern weil er genau das zeigt, was Filmgeschichte in Wahrheit ist: Arbeit, Spuren, Gebrauch und Verbrauch ohne Rücksicht auf Verluste.

Kapitel 11: 3,74 Millionen Dollar und das nächste Verschwinden

Später wird der Wagen für 3,74 Millionen Dollar verkauft. Rekord für ein amerikanisches Filmauto und ehrlich gesagt, es überrascht niemanden.

Dann passiert leider das, was bei solchen Autos fast immer passiert: Der neue Besitzer bleibt im Schatten. Man weiß, dass das Auto existiert. Man weiß nur nicht, wo. Das Verschwinden ist diesmal nicht mysteriös, sondern schlicht privat.

Irgendwie schließt sich damit der Kreis. Der Bullitt Mustang ist wieder dort, wo er immer war: außerhalb des Lärms, unter einer Art mentalen Plane.

Schluss

Diese Geschichte ist ein bisschen wie der Film selbst: kein Pathos, keine Musik, nur Motor.

Steve McQueen wollte seinen Mustang zurück und bekam ihn nicht. Eine Familie sagte nein und meinte damit nicht Trotz, sondern Liebe. Das Auto wurde Alltag, dann Projekt, dann Verantwortung. Am Ende wurde es wieder öffentlich, weil ein Zufallsgespräch die richtige Tür geöffnet hat.

Und jetzt die Frage, die ich euch zum Schluss hinlege:
Wenn so ein Auto 38 Jahre lang einfach in einer Garage stehen kann, ohne dass es die Welt wirklich merkt, wie viele andere Kulturstücke liegen dann gerade irgendwo still und warten darauf, dass jemand zufällig die richtige Frage stellt?

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1. Teil: Wo ist das original „Bonnie und Clyde-Auto“?

2. Teil: Die seltsame Geschichte von JFKs recyceltem Todesauto

3. Teil: Was wurde aus Sennas Auto?

4. Teil: James Deans „Little Bastard“: Was passierte mit dem Porsche 550 Spyder?!

5. Teil: Lady Diana und der verschwundene Mercedes oder eine Tragödie, ein W140 und ein Wrack, das sich bis heute der Öffentlichkeit entzieht

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