"Herbie the Love Bug" oder auch "Ein toller Käfer"

Was wurde eigentlich aus Herbie und warum trifft mich das so?
Es gibt Autos, die sind einfach nur Fahrzeuge. Sie fahren, sie bremsen, sie stehen herum und wenn man sie nach zehn Jahren austauscht, hält sich die Trauer meist im Rahmen.

Und dann gibt es den VW Käfer.

Der Käfer war nie einfach nur Auto. Er war für viele Menschen Familienmitglied, Zeitzeuge, Wundertüte, rollendes Wohnzimmer und Charakterdarsteller in einem. In meiner Familie hatte der Käfer seinen festen Platz. Nicht als poliertes Sammlerstück unter einer Decke aus Nostalgie, sondern als echtes Auto in einer echten Geschichte. Vielleicht trifft mich deshalb alles, was mit diesem Wagen zu tun hat, immer ein kleines bisschen tiefer als es vernünftig wäre.

Und dann ist da natürlich noch Herbie.

Wenn der VW Käfer ohnehin schon zu den wenigen Autos gehört, die Menschen ins Herz schließen, dann war Herbie die charmanteste Eskalationsstufe davon. Kein anderer Filmwagen hat so überzeugend gezeigt, dass ein Auto durchaus einen eigenen Kopf haben kann. Herbie war frech, liebenswert, stur, mutig und manchmal auch ein bisschen durchgeknallt. Kurz gesagt: ein Käfer, wie ihn sich Fans wahrscheinlich heimlich immer gewünscht haben.

Deshalb passte die Frage für mich perfekt: Was wurde eigentlich aus Herbie?
Und noch wichtiger: Was hat das mit uns Käfer-Fans zu tun?

Wie Herbie überhaupt zur Legende wurde

1968 kam The Love Bug ins Kino. In Deutschland wurde daraus später ganz schlicht und sehr treffend Ein toller Käfer. Die Geschichte basierte auf einer wahren Begebenheit, also für mich als Kind zumindest, in Wahrheit auf dem Buch Car, Boy, Girl von Gordon Buford. Vor der Kamera standen Dean Jones, Michele Lee und Buddy Hackett. Die eigentliche Sensation hatte aber vier Räder, einen Rundrücken und deutlich mehr Persönlichkeit als so mancher menschliche Nebendarsteller.

Herbie war kein gewöhnlicher Filmwagen. Er dachte mit und widersprach. Er rettete Situationen, sabotierte Gegner, schmollte, jubelte und fuhr, als hätte er seine ganz eigene Meinung zum Leben. Gerade das machte ihn so groß. Man sah nicht bloß einem Käfer beim Fahren zu, man sah einer Figur zu.

Der Erfolg war entsprechend groß. Auf den ersten Film folgten weitere Kapitel: Herbie Rides Again, Herbie Goes to Monte Carlo, Herbie Goes Bananas und viele Jahre später Herbie: Fully Loaded. Herbie wurde damit endgültig mehr als ein Filmauto, er wurde Popkultur mit Kotflügeln.

Eine besonders schöne, zugleich traurige Randnotiz gehört ebenfalls dazu: Der erste Herbie-Film war der letzte Realfilm, dessen Produktion Walt Disney selbst noch freigegeben hatte. Die fertige Fassung sah er allerdings nie, weil er bereits 1966 starb. Auch das verleiht der Geschichte heute diesen leicht melancholischen Glanz, der erstaunlich gut zu einem Auto passt, das später Millionen Menschen emotional abgeholt hat.

Warum Herbie so gut funktioniert hat

Herbie war nicht deshalb besonders, weil er hübsch aussah. Wobei das natürlich half. Er war besonders, weil er sich benahm, als wäre er nicht gebaut, sondern geboren worden. Er hatte einen eigenen Willen, und zwar nicht so geschniegelt digital wie heutige Assistenzsysteme, sondern herrlich analog und eigensinnig.

Er liebte den Rennsport, er trickste Gegner aus und hatte Manöver, die bis heute zu seinem Mythos gehören. Der berühmte Herbie Shake, also dieses Schütteln des Aufbaus, um lästige Verfolger loszuwerden. Oder der Herbie Hop, bei dem die Vorderachse fast spielerisch über Hindernisse sprang. Das war natürlich Kinozauber. Aber es war genau die Art von Kinozauber, die einem Auto etwas gab, was die meisten Modelle heute mit sämtlichen Sensoren der Welt nicht hinbekommen: Seele.

Der Käfer hinter der Filmfigur

Filmisch war Herbie ein Volkswagen Käfer Modell 117 Deluxe Sunroof Sedan von 1963, mit der legendären Startnummer 53 und den roten, weißen und blauen Rennstreifen. Genau diese Kombination hat sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt.

Interessant ist, warum Produzent Bill Walsh die Streifen und die Nummer 53 auswählte. Die Zahl war eine Verbeugung vor Baseballspieler Don Drysdale von den Los Angeles Dodgers. Solche Details machen Filmgeschichte oft schöner, weil sie zeigen, dass Legenden manchmal aus merkwürdig kleinen Entscheidungen entstehen.

Für die Umbauten war George Barris verantwortlich, also genau jener Custom-Car-Spezialist, der auch beim Batmobil der 1960er seine Finger im Spiel hatte. Bei Herbie blieb Barris überraschend zurückhaltend. Wobei zurückhaltend natürlich relativ ist, wenn man aus einem Käfer den charmantesten Filmstar seiner Zeit baut. Die Streifen liefen sogar über das Stoffdach, was den Look endgültig unverwechselbar machte.

Technisch wurde der Wagen ebenfalls angepasst. Ursprünglich war er in L87 Perlweiß vorgesehen und trug eine weiße Innenausstattung. Für die Dreharbeiten lackierte man ihn allerdings anders, damit er im Studio nicht zu stark spiegelte. Außerdem bekam er versteckte Bedienelemente, Lautsprecher, Rauchgeneratoren und allerlei Tricks, mit denen er scheinbar eigenständig agieren konnte.

Fast schon komisch ist eine andere Fußnote: Im Film wird das Wort Volkswagen gar nicht verwendet. Die Kennzeichnungen wurden entfernt und das Auto wurde stattdessen als Douglas Special, kleines Auto oder Kleinwagen bezeichnet. Man könnte sagen: Der Name durfte fehlen, die Ikone nicht.

Wie viele Herbys es wirklich gab

Wie bei fast jedem Filmauto gab es auch bei Herbie nicht nur ein einziges Exemplar. Für Nahaufnahmen, Stunts und Spezialeffekte braucht eine Produktion mehrere Fahrzeuge. Über die genaue Zahl streiten sich die Quellen allerdings bis heute leidenschaftlich.

Manche sprechen von elf Käfern, andere von über zwanzig. Disney selbst nennt 21 Fahrzeuge, die für die Dreharbeiten genutzt wurden. Es war also nicht ein Herbie, sondern ein ganzer kleiner Käfer-Kosmos. Doch einer davon ist für die eigentliche Schicksalsfrage besonders spannend.

Was wurde aus dem originalen Herbie?

Wenn heute vom originalen Herbie gesprochen wird, dann geht es oft um Herbie Nummer 10. In Sammlerkreisen kennt man ihn auch als Stunt Bug oder Junk Bug. Und genau dieses Auto ist deshalb so faszinierend, weil es nicht nur ein Überlebender ist, sondern einer der wichtigsten.

Herbie Nummer 10 gilt als ältestes noch erhaltenes originales Herbie-Filmauto. Zugleich gehört er zu den wenigen Exemplaren, von denen man heute sicher weiß, dass sie noch existieren. Je nach Quelle sind das nur drei oder fünf Fahrzeuge. Allein das macht ihn bereits zu einer kleinen Sensation auf Rädern.

Noch spannender wird es, wenn man sieht, welche Rolle er im Film hatte. Dieses Auto war nicht der geschniegelt aufpolierte Star für ruhige Einstellungen. Es war das Stuntauto. Also der Wagen, der leiden, springen, einstecken und trotzdem weitermachen musste. Deshalb wurde er mit Überrollkäfig, Unterfahrschutz und verstärkten Stoßdämpfern ausgerüstet. Herbie Nummer 10 war der Käfer für die harte Arbeit. Wenn irgendwo ein Filmwagen wirklich etwas erzählen könnte, dann vermutlich dieser.

Und jetzt kommt die Nachricht, die man als Fan sehr gern liest: Dieser Herbie fährt noch immer.

Ein 57er im Gewand eines 63ers

Besonders charmant ist, dass Herbie Nummer 10 ursprünglich gar kein 1963er Käfer war. Tatsächlich handelte es sich um ein Modelljahr 1957 in Horizon Blue, mit festem Dach und dem typischen kleinen ovalen Heckfenster.

Für den Film wurde er optisch umgebaut. Das Dach wurde zu einem Stoffverdeck verändert, und das kleine Heckfenster wich einer größeren Lösung, damit der Wagen dem vertrauten Herbie-Look des späteren 63er Käfers näherkam. Auch das berühmte Kennzeichen OFP 857 bekam er verpasst. Um diese Zeichen ranken sich bis heute verschiedene Deutungen. Eine der bekanntesten lautet, dass sie für eine frühe Produktionsreferenz aus dem August 1957 stehen könnten. Ob jedes Detail daran historisch wasserdicht ist, sei dahingestellt. Bei Herbie gehört ein kleines bisschen Legendennebel fast schon zur Serienausstattung.

Vom Filmhelden zum Schrottkäfer und zurück

Nach dem Ende seiner großen Herbie-Momente tauchte genau dieser Wagen in Herbie Rides Again noch einmal auf, allerdings nicht als strahlender Titelheld, sondern als stark ramponierter Schrott-Käfer. Das ist schon fast ein eigenes kleines Drama. Eben noch Publikumsliebling, kurz darauf halb verwahrloste Requisite.

Danach wurde es still um ihn. Der Wagen stand über Jahre auf dem Disney-Gelände herum, später ging er gemeinsam mit anderen Filmautos auf Tour und landete irgendwann im Swigart Car Museum in Pennsylvania. Anschließend kaufte ihn der bekannte Käfer-Sammler Tory Alonzo, der in der Szene praktisch als der Herbie-Historiker gehandelt wird.

2016 wechselte Herbie Nummer 10 erneut den Besitzer. Clayton Capps aus Texas kaufte das Auto für 85.000 Dollar. Für ein echtes originales Disney-Filmauto wirkt das fast überraschend bodenständig, wenn man bedenkt, dass andere Herbie-Originale deutlich teurer gehandelt wurden. Seitdem nimmt Capps den Wagen gelegentlich zu Ausstellungen mit. Herbie lebt also nicht vergessen in irgendeinem dunklen Lagerraum, er wird bewegt, gezeigt und erinnert. Für ein Filmauto ist das beinahe ein Happy End.

Und warum ist das für Käfer-Fans mehr als nur Filmgeschichte?

Weil Herbie nie bloß Kulisse war. Herbie war die vielleicht schönste Liebeserklärung an den VW Käfer, die das Kino je produziert hat. Er hat aus einem ohnehin schon besonderen Auto eine Figur gemacht, die Millionen Menschen mochten. Nicht, weil sie perfekt war. Sondern weil sie Charakter hatte.

Genau deshalb tut es bis heute weh, wie Volkswagen mit diesem Erbe umgegangen ist.

Denn ich gebe es offen zu: Ich hatte wirklich gehofft, dass irgendwann ein elektrischer Käfer kommt. Nicht als bloße Retroübung für eine IAA-Halle mit schlechten Häppchen, sondern als ernst gemeintes Auto. Ein moderner Käfer mit Elektroantrieb, mit Charme, mit Haltung, mit Hinterradantrieb vielleicht sogar und mit jener Leichtigkeit, die den alten Käfer immer größer wirken ließ als seine Maße.

Die Idee war ja nicht absurd. Zeitweise klang es in Wolfsburg durchaus so, als könne ein elektrischer Beetle irgendwann Realität werden. Es gab Signale, es gab Fantasie, es gab eine Plattformwelt, auf der so etwas technisch denkbar gewesen wäre. Vor allem aber gab es etwas, das in der Autoindustrie sonst oft fehlt: eine bereits vorhandene emotionale Fallhöhe. Der Käfer musste nicht erst zur Ikone gemacht werden, er war ja längst eine.

Spätestens nach dem Abschied des damaligen Vorstands Herbert Diess, wirkte diese Hoffnung dann allerdings immer mehr wie eine Geschichte, die sehr höflich angehört und anschließend sehr sachlich begraben wurde.

Und genau das ist die eigentliche Tragik.

Warum ein elektrischer Käfer mehr gewesen wäre als Nostalgie

Ein elektrischer Käfer hätte nicht nur Fans glücklich gemacht. Er hätte einer Marke ein Gesicht gegeben, die sich in der Elektroära oft erstaunlich schwer damit tut, mehr als Technik und Plattformen zu vermitteln. Der Käfer hätte Brücken schlagen können. Zwischen Alt und Neu. Zwischen Erinnerung und Zukunft. Zwischen Menschen, die Geschichte lieben und Menschen, die ein modernes Elektroauto fahren wollen, ohne dabei emotional in einem Bürocontainer zu sitzen.

Denn emotionale Autos sind keine Nebensache. Sie sind Leuchttürme und sorgen dafür, dass eine Marke nicht nur Produkte verkauft, sondern Bilder, Haltung und Begehrlichkeit. Ein Käfer hätte vielleicht nicht die höchste Stückzahl gebracht. Aber er hätte etwas viel Wertvolleres erzeugt: Liebe zur Marke.

Nur leider sind Konzerne in solchen Fragen oft bemerkenswert talentiert darin, Herz gegen Tabellenkalkulation zu tauschen.

Was von Herbie bleibt

Also, was wurde aus Herbie?

Einer der wichtigsten originalen Film-Käfer existiert noch. Er fährt noch. Er hat Stunts, Umbauten, Abstelljahre, Museumsstationen und Besitzerwechsel überlebt. Das ist die gute Nachricht.

Die andere Nachricht ist bittersüßer. Herbie lebt als Ikone weiter, aber die Idee, seinen Geist in die Zukunft zu übersetzen, blieb unvollendet. Ausgerechnet der Wagen, der wie kaum ein anderer für Charme, Eigenwillen und automobile Seele steht, bekam nie die elektrische Neuinterpretation, die so naheliegend gewesen wäre.

Vielleicht ist genau das die wahre tragische Geschichte hinter Herbie.

Nicht, dass er verschwunden wäre.
Sondern dass er noch da ist, wir aber nie den Mut hatten, ihm wirklich eine Zukunft zu bauen.

Und so bleibt Herbie bis heute das, was große Filmikonen immer sind: Erinnerung, Sehnsucht und ein leiser Beweis dafür, dass Autos manchmal eben doch mehr sein können als bloß Mobilität.

Weitere Geschichten:

1. Teil: Wo ist das original „Bonnie und Clyde-Auto“?

2. Teil: Die seltsame Geschichte von JFKs recyceltem Todesauto

3. Teil: Was wurde aus Sennas Auto?

4. Teil: James Deans „Little Bastard“: Was passierte mit dem Porsche 550 Spyder?!

5. Teil: Lady Diana und der verschwundene Mercedes oder eine Tragödie, ein W140 und ein Wrack, das sich bis heute der Öffentlichkeit entzieht

6. Teil: Steve McQueens Mustang aus „Bullitt“

7. Teil: Paul Walker’s Fast and Furious Nissan Skyline

Weitere Infos:

Käfer-Broschüren gibt es bei carlexandria.com

VW-Öl bei eVI Lubricants oder im Shop für Motoröle

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