Teil 9 der prominenten Auto Geschichten: Der DeLorean, die Zeitmaschine und die Firma, die fast zu verrückt für die Wirklichkeit war

Seit ein paar Wochen steht in Hamburg auf der Reeperbahn ein Auto auf der Bühne, das sofort zwei Dinge auslöst. Erstens: Applaus. Zweitens: dieselbe Frage, die offenbar nie alt wird. Was wurde eigentlich aus dem Original DeLorean aus Zurück in die Zukunft™?

Genau das hat mich heute in Richtung DeLorean gezogen. Genauer gesagt zu diesem seltsamen Edelstahlkeil mit Flügeltüren, der es geschafft hat, gleichzeitig Filmikone, Designmythos und Mahnmal einer spektakulär entgleisten Firmengeschichte zu sein. Denn der DeLorean aus Zurück in die Zukunft ist nicht nur eines der berühmtesten Autos der Filmgeschichte. Er hängt auch an einer echten Firma, an echtem Größenwahn, an echtem politischem Chaos und an einem Gründer, dessen Lebenslauf selbst in Hollywood völlig unglaubwürdig wirken würde.

Und als ob das alles nicht reichen würde, gastiert in Hamburg nun auch noch ein fast originalgetreuer Bühnen-DeLorean samt Licht, Rauch und musikalischer Zeitreise. Ein kleiner Abstecher an die Reeperbahn ist also Pflicht. Aber davor klären wir die wichtigere Frage: Was wurde aus dem echten Auto und wie konnte aus einer so wilden Firma überhaupt diese Legende entstehen?

In Hamburg fährt der Mythos jetzt Musical

Seit März läuft in Hamburg das Musical Zurück in die Zukunft. Dort spielt nicht einfach irgendeine Requisite mit, sondern ein DeLorean-Nachbau, der für die Bühne eigens entwickelt wurde und nach allem, was man hört, seinen Auftritt mit der Selbstverständlichkeit eines eitlen Filmstars absolviert. Das Ding blinkt, raucht, dreht sich, qualmt und bringt schon beim Auftauchen Szenenapplaus ein. Nicht schlecht für ein Auto, das technisch gesehen in seiner Serienform nie gerade als Überflieger galt.

Der Bühnenwagen in Hamburg ist etwa zehn Prozent kleiner als das Filmvorbild, bringt aber trotzdem rund 1,5 Tonnen auf die Waage. Vor jeder Vorstellung braucht er eine gute Stunde Vorbereitung. Batterie, Pyrotechnik, Trockeneis, CO₂, alles will geschniegelt, geprüft und rechtzeitig gezündet sein. Auf die Bühne kam das Exemplar über Umwege aus New York, wo es bereits am Broadway im Einsatz war. Per Lkw zum Hafen, per Container über den Atlantik, anschließend wieder Werkstatttermine in Europa. Man hat also nicht einfach eine Kiste aus dem Lager gezogen, sondern einen kleinen Kulttransport betrieben.

Auch die Details sind mit Liebe zum Nerdtum gemacht. Fluxkompensator, Zeitanzeige, die typischen Leuchtelemente und natürlich jener Gesamteindruck, bei dem sofort klar ist: Hier steht nicht nur ein Auto, hier steht ein Popkultur-Altar mit Rädern. Weltweit gibt es nur wenige dieser Bühnenfahrzeuge. Einer davon steht nun in Hamburg. Und genau dieser Umstand führt fast automatisch zurück zur eigentlichen Geschichte.

Denn wenn sogar Musicalhäuser ihren DeLorean hüten wie einen Schatz, dann lohnt sich ein Blick auf das Original erst recht.

Der DeLorean war schon als echtes Auto ein Sonderfall

Bevor der Wagen zur Zeitmaschine wurde, war er ein ganz reales Produkt einer sehr realen Firma. Und diese Firma war von Anfang an alles andere als gewöhnlich.

Gegründet wurde die DeLorean Motor Company von John Z. DeLorean, einem ehemaligen Spitzenmanager von General Motors. Dort galt er als einer der Stars des Konzerns. Er hatte bei Pontiac und Chevrolet Karriere gemacht, war ehrgeizig, medienwirksam, selbstbewusst und in jeder Hinsicht das Gegenteil eines stillen Vertreters. Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre wirkte er wie jemand, der bei GM noch sehr weit nach oben kommen könnte. Dann tat er etwas, das in großen Konzernen ungefähr so gern gesehen wird wie ein Grillabend in der Lackiererei. Er ging.

DeLorean wollte sein eigenes Auto bauen. Nicht irgendein Auto, sondern etwas Neues, etwas Besonderes, etwas „Zukunftiges“. Das war die offizielle Version. Die inoffizielle lautete vermutlich, er wollte nicht länger im System Karriere machen, sondern selbst das System sein.

Die Firma entstand Mitte der 1970er Jahre, zunächst eher als beratungsnahe Konstruktion, dann mit technologischem Ehrgeiz und schließlich mit dem Ziel, einen Sportwagen zu bauen, der anders sein sollte als alles, was sonst auf dem Markt herumfuhr. Edelstahlkarosserie, markante Linien, Flügeltüren, Sicherheitsanspruch, futuristisches Auftreten. Das Auto sollte modern aussehen, robust sein und den Eindruck vermitteln, als käme es bereits aus einer Zukunft, in der andere Hersteller noch gar nicht angekommen waren.

Das Problem war nur: So ein Traum braucht sehr viel Geld. Und sehr viele Leute, die bereit sind, dir dieses Geld zu geben, obwohl sie nicht sicher sein können, dass am Ende mehr herauskommt als ein extrem glänzender Albtraum.

John Z. DeLorean war kein gewöhnlicher Gründer

Wer verstehen will, warum die DeLorean-Geschichte so eskaliert ist, muss bei ihrem Gründer bleiben. John Z. DeLorean war kein Ingenieur mit schüchternem Blick auf sich und seine Zukunft. Er war ein glänzender Selbstdarsteller, ein Marketingtalent, ein Netzwerker, ein Aufsteiger und zugleich jemand, der die eigene Legende mindestens so wichtig nahm wie die betriebswirtschaftliche Wirklichkeit.

Das muss nicht automatisch schlecht sein. Viele visionäre Gründer haben eine leicht überhitzte Beziehung zu sich selbst. Nur braucht es irgendwann einen Zeitpunkt, an dem Charisma nachhaltig auf die Realität trifft. Und genau da begann bei DeLorean der Film zu kippen.

Er scharte Investoren um sich, gewann Händler, lockte politische Partner und schaffte es am Ende sogar, staatliche Unterstützung in gewaltigem Umfang nach Nordirland zu ziehen. Das Werk entstand in der Nähe von Belfast, finanziert mit Hilfen, Zuschüssen und politischer Hoffnung. Die britische Regierung wollte Arbeitsplätze, Stabilität und ein Signal in eine Region senden, die zu jener Zeit alles andere als ruhig und rosig war. Nordirland war damals kein neutraler Industriestandort mit hübschem Werkszaun und nettem Kantinenessen. Es war ein politisch aufgeladener Krisenraum, geprägt von den Konflikten, von Spannungen, Gewalt und Terror.

Mitten hinein setzte man also eine neue Sportwagenfabrik. Man muss sich das einmal vorstellen: Während anderswo Hersteller über Modellpflege und Sitzpolster nachdenken, plant hier jemand in einem hochsensiblen politischen Umfeld ein Edelstahl-Coupé mit Flügeltüren als Symbol für Aufbruch und Fortschritt. Schon das klingt weniger nach nüchterner Industriepolitik als nach einem Drehbuch mit zu viel Koffein.

Das Auto sah nach Zukunft aus, die Umsetzung war aber schwieriger als gedacht

Designseitig hatte der Wagen durchaus Wucht. Giorgetto Giugiaro war an der Gestaltung beteiligt und das sieht man dem DMC-12 bis heute an. Diese kantige, flache Silhouette, der rohe Edelstahl, die Flügeltüren, das alles wirkte, als wäre der Wagen für Menschen gebaut worden, die beim Parken gesehen werden wollten.

Doch zwischen auffälligem Design und funktionierendem Serienauto liegt eine Welt, und diese Welt war bei DeLorean recht holprig gepflastert. Aus dem ursprünglich angedachten technischen Konzept wurde im Verlauf der Entwicklung etwas deutlich komplizierteres. Lotus war schließlich stark in die technische Überarbeitung eingebunden, weil das Projekt in seinem frühen Zustand wohl ungefähr so serienreif war wie ein Entwurf auf einer Serviette.

Am Ende bekam der DMC-12 einen 2,8-Liter-V6 aus dem berühmten PRV-Verbund von Peugeot, Renault und Volvo. Klingt europäisch, war aber nicht der Motor, den man mit dem Äußeren eines keilförmigen Sportwagens automatisch verbindet. Der Wagen leistete rund 130 PS, was damals schon keine Sensation war. Das Ergebnis war ein Auto, das aussah wie ein Angriff auf die Zukunft, aber eher beschleunigte wie ein Auto aus der Vergangenheit.

Das machte ihn nicht schlecht. Aber es machte ihn anfällig für Enttäuschungen. Wer einen radikalen Auftritt verkauft, muss irgendwann auch auf der Straße liefern. Und genau da wurde der DeLorean zu einem Auto, das mehr versprach, als es halten konnte.

Die Firma geriet ins Schlingern, bevor der Mythos überhaupt entstehen konnte

1981 liefen die ersten Fahrzeuge vom Band. Zunächst war das Interesse groß. Klar, ein neues Auto, ein exzentrischer Gründer, eine ungewöhnliche Fabrik, spektakuläre Optik. Das klang nach Schlagzeilen und Geld. Nur traf dieses Auto auf einen Markt, der alles andere als freundlich war. Die USA rutschten in eine Rezession, die Nachfrage kühlte ab, und plötzlich standen da zu viele Fahrzeuge für zu wenige Käufer.

Statt die Lage vorsichtig zu entschärfen, geriet die Firma immer stärker in finanzielle Bedrängnis. Hohe Kosten, unverkaufte Bestände, wachsende Zinslasten, unsichere Kapitalströme, politische Spannungen und intern eine Organisation, die längst nicht so stabil wirkte, wie sie es für eine junge Marke hätte sein müssen. Die britische Regierung verlor das Vertrauen, Buchhalter schauten genauer hin, die Verwaltung wurde härter, Entlassungen kamen und die Rettung des Unternehmens wurde immer unwahrscheinlicher.

Dann wurde es endgültig wild.

Kokain, Ermittlungen, verschwundenes Geld und eine Geschichte, bei der man zwischendurch an Satire glaubt

John Z. DeLorean geriet Anfang der 1980er Jahre in einen jener Skandale, bei denen ein normaler Mensch vermutlich sofort den Raum verlassen würde, weil alles zu absurd klingt. Im Herbst 1982 wurde er im Zusammenhang mit einem Kokain-Deal verhaftet. Die Bilder davon gingen um die Welt, die Geschichte explodierte und die ohnehin taumelnde Firma war praktisch erledigt.

Später wurde DeLorean in diesem Verfahren freigesprochen, weil seine Verteidigung erfolgreich auf Verleitung zur Straftat setzte. Juristisch kam er also aus dieser Nummer heraus. Öffentlich war der Schaden trotzdem gigantisch. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, gab es parallel weitere Ermittlungen rund um fehlende Millionenbeträge, verschachtelte Firmenkonstruktionen, Zahlungsflüsse, die nicht sauber aufgingen, sowie die Frage, wo eigentlich das Geld geblieben war, das in Entwicklung und Unternehmen hätte landen sollen.

Dann taucht in dieser Geschichte auch noch Colin Chapman von Lotus auf, beziehungsweise sein Umfeld, dazu Konstruktionen rund um General Product Development, Panama, die Schweiz, Investitionen, Steuerfragen und alles, was man in einem Automobilkapitel eigentlich ungern mitlesen möchte, wenn man gerade nur wissen wollte, warum ein Edelstahlauto so schick aussieht.

Das Fazit ist tragisch und zugleich faszinierend: Die DeLorean Motor Company war nicht einfach ein gescheitertes Start-up mit einem hübschen Produkt. Sie war ein industrielles Drama aus Größenwahn, Politik, Finanzakrobatik, Grenzerfahrung und einem Gründer, der gleichzeitig Visionär, Verkäufer und eine übergroße Hauptfigur war.

Und dann kam Hollywood und machte ausgerechnet dieses Auto unsterblich

Jetzt wird die Sache fast schon poetisch. Denn als die Firma praktisch schon tot war, trat das Auto seine zweite Karriere an. Und die war größer als alles, was John Z. DeLorean mit realen Verkaufszahlen jemals geschafft hätte.

Für Zurück in die Zukunft suchten die Macher ein Fahrzeug, das nach Wissenschaft, Risiko, Gegenkultur und Abenteuer aussieht. Bob Gale sagte später sinngemäß, der Wagen habe etwas Gefährliches, etwas Schönes, etwas Unangepasstes gehabt. Außerdem liebte man die Flügeltüren. Verständlich. Ein Wissenschaftler, der in einen Ford Mustang steigt, ist einfach nicht dasselbe. Doc Brown brauchte ein Auto, das aussah, als sei es schon vor dem ersten Blitzschlag ein wenig falsch in dieser Welt geparkt.

Der DeLorean war dafür perfekt.

Die Film-Zeitmaschine wurde nicht einfach nur dekoriert, sondern zu einer Art mechanischem Frankenstein aus Kabeln, Schläuchen, pseudo-wissenschaftlichen Bauteilen und erkennbarer Garagenlogik umgebaut. Genau das machte ihren Charme aus. Sie sah nicht aus wie ein klinisch perfektes Zukunftsfahrzeug, sondern wie ein irrer Traum auf Rädern. Ein Vehikel, das ein Genie mit zu wenig Schlaf, zu vielen Ideen und einem sehr persönlichen Verhältnis zu Stromleitungen zusammengesetzt haben könnte.

Für den Film wurden mehrere Fahrzeuge eingesetzt. Es gab ein A-Car für die schönen Einstellungen, ein B-Car für Stunts und ein C-Car für Innenaufnahmen. Manche wurden im Verlauf der Filme verändert, beschädigt, ausgeschlachtet oder zerstört. Und damit kommen wir zur Ausgangsfrage zurück.

Was wurde aus dem Originalauto?

Von den ursprünglichen Filmfahrzeugen ist heute vor allem das sogenannte A-Car der große Überlebende. Das ist das Hero-Car, also das zentrale Original aus dem ersten Film, das in den klassischen Außen- und Nahaufnahmen zu sehen war. Es gilt als das wichtigste erhaltene Original der DeLorean-Zeitmaschine.

Dieses Auto hatte allerdings nicht automatisch ein Museumsschicksal mit Samthandschuhen und gedämpftem Licht. Es stand lange in den Universal Studios Hollywood, war Wind und Wetter ausgesetzt und geriet mit der Zeit in einen Zustand, bei dem selbst gute Erinnerungen irgendwann nicht mehr ausreichen. Der Wagen verfiel. Man hatte ihn nicht gerade wie ein Kronjuwel behandelt.

Erst als Bob Gale den Zustand sah, kam Bewegung in die Sache. Eine Restaurierung wurde angestoßen, unterstützt von Leuten, die nicht nur Fans waren, sondern mit einer fast religiösen Hingabe an dieses Auto herangingen. Das Ergebnis ist heute im Petersen Automotive Museum in Los Angeles zu sehen, wo das Original als Leihgabe ausgestellt ist.

Das ist also die gute Nachricht: Das zentrale Filmoriginal existiert noch. Es wurde gerettet. Es wurde restauriert. Und man kann es tatsächlich noch besichtigen.

Die weniger fröhliche Nachricht lautet: Die anderen ursprünglichen Wagen hatten deutlich härtere Schicksale. Das B-Car wurde am Ende von Zurück in die Zukunft III von einem Zug zerstört. Das C-Car wurde im Verlauf der Produktionen zerlegt und nur teilweise weiterverwendet. Einzelne Teile tauchten später in Nachbauten oder Ausstellungen wieder auf, aber als vollständige Ursprungsautos sind sie Geschichte.

Gerade das macht das A-Car heute so wichtig. Es ist nicht bloß ein Filmauto. Es ist das letzte wirklich große Original einer Ikone, die sonst längst in Requisitenstaub, Ersatzteilen und Mythos zerfallen wäre.

Der DeLorean selbst war im Film fast besser als in echt

Ironischerweise wurde das Auto ausgerechnet durch einen Film unsterblich, in dem seine berühmteste technische Leistung rein fiktiv war. Im echten Leben war der DMC-12 nie ein Tempowunder. Im Film musste er auf 88 mph komme. Schon das war im Alltag kein leichtes Unterfangen. Der echte Tacho reichte ursprünglich gar nicht weit genug für den dramatischen Effekt, also wurde für die Aufnahmen nachgeholfen.

Dass der Wagen später dennoch zu einem der berühmtesten Autos der Welt wurde, lag eben nicht an objektiver Überlegenheit. Nicht an Beschleunigung, nicht an Fahrdynamik, nicht an makelloser Qualität. Sondern an etwas, das Autohersteller bis heute gern in PowerPoint-Folien pressen und dabei regelmäßig zerstören: Charakter.

Der DeLorean war schon als Serienauto ein Außenseiter. Im Film wurde daraus eine Legende. Und genau deshalb trägt er bis heute einen Reiz in sich, den viele perfekte, schnelle, effiziente Autos niemals erreichen.

Und was wurde aus der Firma?

Die ursprüngliche DeLorean Motor Company war nach dem Zusammenbruch Geschichte. Das Werk in Nordirland wurde geschlossen, die Träume waren verbrannt, die Schulden blieben, John Z. DeLorean kämpfte sich durch Prozesse, zivilrechtliche Folgen und spätere finanzielle Probleme. Er starb 2005. Die große industrielle Revolution, die er sich erträumt hatte, blieb aus.

Was blieb, war der Name.

Später entstanden Nachfolge- und Rechtekonstruktionen, die den DeLorean-Namen in unterschiedlicher Form weiterführten. Es gab Aktivitäten rund um Ersatzteile, Restaurierung und die Betreuung bestehender Fahrzeuge. Immer wieder tauchten auch Pläne für ein Comeback auf. Zuletzt sogar mit elektrischem Anstrich und Zukunftsversprechen, wie es sich für unsere Zeit gehört. Nur muss man beim Namen DeLorean inzwischen immer dazusagen: Das ist nicht die ursprüngliche Firma in ihrer alten Form, sondern eher ein Nachleben, ein Markengeist, ein Versuch, aus dem Mythos wieder Produkt und Profit zu machen.

Das kann funktionieren. Es kann aber auch schnell wirken wie ein sehr teurer Versuch, einen Filmblitz in eine Pressemitteilung zu pressen.

Warum der DeLorean bis heute funktioniert

Vielleicht gerade deshalb. Weil seine Geschichte nicht sauber ist. Weil dieses Auto nicht nur schön und berühmt ist, sondern mit echtem Wahnsinn verkabelt wurde. Weil dahinter keine makellose Firmensaga steht, sondern ein Absturz mit politischer Schieflage, viel Geld, viel Eitelkeit und einem Gründer, der irgendwo zwischen Genie, Selbstdarsteller und tragischer Figur hängen blieb.

Und weil dann auch noch Hollywood kam und sagte: Ausgerechnet dieses Auto nehmen wir. Nicht den naheliegenden, nicht den rationalen, nicht den technisch besten Kandidaten. Sondern den Außenseiter mit Flügeltüren und Edelstahlhaut. Das war ein Volltreffer.

Heute lebt der Mythos auf mehreren Ebenen weiter. Im Petersen Museum in Los Angeles als restauriertes Original. In Garagen und Sammlungen jener Menschen, die aus normalen DMC-12 liebevoll gebaute Zeitmaschinen machen. In Auktionen, auf Messen, in Dokumentationen und jetzt eben auch auf einer Musicalbühne in Hamburg, wo ein aufwendig gebauter Nachbau vor Publikum driftet, qualmt und für Szenenapplaus sorgt.

Man kann das belächeln. Man kann aber auch anerkennen, dass nur wenige Autos eine derart seltsame Karriere hingelegt haben. Erst wirtschaftlich scheitern, dann filmisch unsterblich werden, danach als Original fast verwittern und schließlich als restaurierte Legende sowie als Bühnenstar weiterleben. Das schaffen nicht viele.

Was am Ende bleibt

Wenn man heute fragt, was aus dem Auto geworden ist, lautet die Antwort also: Das wichtigste Original lebt noch. Es steht restauriert im Petersen Automotive Museum und ist eines der wertvollsten Filmfahrzeuge seiner Art.

Wenn man fragt, was aus der Firma geworden ist, wird es komplizierter. Die ursprüngliche DeLorean Motor Company ging spektakulär unter, noch bevor ihr Produkt wirklich Fuß fassen konnte. Was heute vom Namen übrig ist, ist eher Mythos mit geschäftlicher Fortsetzung als eine echte Rückkehr jener alten Welt.

Und wenn man fragt, warum uns das alles noch interessiert, dann vielleicht deshalb, weil der DeLorean so wunderbar unvernünftig ist. Er ist kein Auto, das man allein mit Datenblättern erklärt. Er ist eine Geschichte aus Edelstahl, Größenwahn, Kino, Absturz und Wiederauferstehung.

Oder anders gesagt: Manche Autos fahren einfach nur. Und manche landen erst auf der Straße, dann im Gerichtssaal, dann im Filmhimmel und schließlich als 450.000-Euro-Zeitmaschine im Musical auf der Reeperbahn.

Der DeLorean gehört ziemlich eindeutig zur zweiten Sorte.

Link zum Artikel: Teil 9 der prominenten Auto Geschichten: Der DeLorean, die Zeitmaschine und die Firma, die fast zu verrückt für die Wirklichkeit war

Weitere Infos:

DeLorean Broschüren und Kataloge

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1. Teil: Wo ist das original „Bonnie und Clyde-Auto“?

2. Teil: Die seltsame Geschichte von JFKs recyceltem Todesauto

3. Teil: Was wurde aus Sennas Auto?

4. Teil: James Deans „Little Bastard“: Was passierte mit dem Porsche 550 Spyder?!

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