Moin liebe Gemeinde, heute geht es um Automuseen und private Autosammlungen. Also um Orte, an denen Menschen offensichtlich irgendwann entschieden haben: Eine Garage reicht nicht, zwei auch nicht, eigentlich braucht man ein eigenes Gebäude, einen Hangar oder gleich mehrere Museen, damit die eigene Leidenschaft nicht versehentlich mit einem normalen Hobby verwechselt wird.
Ich habe euch deshalb einen Überblick zusammengestellt, der nicht nur zum Angeben taugt, sondern auch als kleine persönliche Reiseliste funktioniert.
Denn sind wir ehrlich: Manche Menschen planen ihren Urlaub nach Strand, Hotel und Frühstücksbuffet. Andere schauen zuerst, ob in der Nähe ein altes Le Mans Auto, ein Bugatti Royale oder ein vergessener Prototyp steht. Beides ist natürlich völlig legitim. Das eine ist Erholung und das andere ist Bildung mit Benzingeruch.
Bevor wir zu den großen Automuseen kommen, fangen wir mit den privaten Sammlungen an. Denn dort wird es besonders interessant. Museen erzählen meistens sauber kuratierte Geschichte, private Sammlungen erzählen dagegen oft auch etwas über Charakter, Wahnsinn, Geld, Geschmack und manchmal über die Frage, ob irgendjemand im Umfeld jemals gesagt hat: „Vielleicht reicht es jetzt.“ Spoiler: Hat vermutlich niemand.
Inhalt
- Private Autosammlungen: Wenn Sammeln kein Hobby mehr ist
- Deutschland: Automuseen für ein verlängertes Wochenende
- Europa: Bugatti, Ferrari, Lamborghini und andere Pilgerorte
- USA: Hollywood, Muscle Cars und automobile Popkultur
- Kompakte Übersicht: Die wichtigsten Museen und Sammlungen auf einen Blick
- Meine persönliche To-do-Liste für Autofans
Private Autosammlungen: Wenn Sammeln kein Hobby mehr ist, sondern Infrastruktur
Private Autosammlungen sind ein eigenes Universum. Manche entstehen aus echter Liebe zur Technik, manche aus historischem Bewusstsein, manche aus Rennsportleidenschaft und manche vermutlich aus dem einfachen Gedanken: „Wenn ich es kaufen kann, kaufe ich es.“ In den vorliegenden Listen tauchen deshalb sehr unterschiedliche Sammler auf, vom Sultan von Brunei über Mark Pieloch und Ralph Lauren bis zu Jay Leno, Nick Mason, Ion Țiriac und Rodger Dudding. Gemeinsam haben sie eines: Es geht längst nicht mehr um ein paar schöne Autos fürs Wochenende, sondern um fahrbare Kulturgeschichte im XXL Format.
Der Sultan von Brunei ist dabei die Legende unter den Legenden. Seine Sammlung wird seit Jahren mit mehreren Tausend Fahrzeugen beschrieben, darunter eine kaum fassbare Zahl an Rolls-Royce, Ferrari, Bentley, Mercedes-Benz und Sonderanfertigungen. Besonders spannend ist daran weniger die reine Menge, sondern die Mischung aus Mythos und Geheimhaltung. Viele Fahrzeuge sind nie öffentlich zu sehen gewesen, einige existieren eher als Insidergeschichte, durchgesickertes Foto oder Autowelt-Folklore. Das ist natürlich schade für alle, die gerne einmal einen viertürigen Ferrari 456 GT oder maßgeschneiderte Einzelstücke aus der Nähe sehen würden. Aber gut, wer mehrere Hundert Rolls-Royce besitzt, hat vermutlich auch das Recht, nicht jeden Samstag Eintrittskarten zu verkaufen.
Ganz anders wirkt Mark Pieloch in Florida. Sein American Muscle Car Museum in Melbourne ist zwar ebenfalls privat, aber deutlich greifbarer. Die Anlage umfasst laut offizieller Darstellung 123.000 Quadratfuß und beherbergt inzwischen mehr als 475 Fahrzeuge, von klassischen amerikanischen Muscle Cars der 1950er bis 1970er Jahre bis zu moderner Hochleistungsware. Hier geht es weniger um höfische Exzesse und mehr um V8, Dragstrip, Corvette, Mustang, Camaro, Shelby, Yenko und diese sehr amerikanische Vorstellung, dass Hubraum durch nichts zu ersetzen ist, außer durch noch mehr Hubraum.
Ralph Lauren spielt wiederum in einer anderen Liga
Seine Sammlung ist nicht riesig, aber extrem fein. Hier geht es um Formen, Linien, Eleganz und Wert. Ein Bugatti Type 57SC Atlantic, ein Ferrari 250 GTO, ein McLaren F1 LM oder ein Mercedes-Benz SSK sind keine Fahrzeuge, die man einfach irgendwo dazustellt, weil noch Platz zwischen dem Rasenmäher und den Winterreifen ist. Das sind rollende Skulpturen, bei denen schon der Gedanke an einen Parkrempler körperliche Schmerzen verursacht.
Scheich Hamad bin Hamdan Al Nahyan, der sogenannte Regenbogenscheich, führt dann wieder in eine ganz andere Richtung. Hier treffen automobile Sammlung, Maßlosigkeit und Show aufeinander. Regenbogenfarbene Mercedes-Modelle, gigantische Sonderfahrzeuge und ein Hummer H1 in absurd vergrößerter Dimension zeigen sehr schön: Manche Menschen sammeln Autos, andere sammeln Ausrufezeichen auf Rädern.
Rodger Dudding in Großbritannien ist dagegen der Mann für die gepflegte britische Schrulligkeit. Seine Sammlung bei Studio 434 ist besonders bekannt für Aston Martin Lagonda. Ausgerechnet Lagonda, jenes keilförmige Zukunftsversprechen der 1970er und 1980er Jahre, das für die einen Designkunst und für die anderen eine sehr teure elektrische Drohung war. Laut aktuellen Berichten umfasst Duddings Sammlung mehr als 450 Fahrzeuge, darunter 24 Aston Martin Lagonda, inklusive erster und letzter Exemplare dieses Modells. Das ist entweder Konsequenz oder ein Hilferuf in Connolly Leder.
Jay Leno ist vermutlich der bekannteste lebende Autonerd der Welt.
Seine Sammlung ist deshalb so spannend, weil sie nicht nur teuer ist, sondern erstaunlich breit. Dampfautos, frühe Elektrofahrzeuge, Supersportwagen, Motorräder, Eigenbauten, Prototypen, amerikanische Klassiker und europäische Ikonen stehen dort nicht einfach herum, sondern werden bewegt, erklärt und technisch gepflegt. Genau das macht Lenos Garage so sympathisch: Sie wirkt weniger wie ein Tresor und mehr wie eine Werkstatt mit sehr guter finanzieller Ausstattung.
Ion Țiriac zeigt in Rumänien, wie eine private Sammlung öffentlich funktionieren kann. Die Țiriac Collection in Otopeni stellt nach eigener Angabe mehr als 300 Fahrzeuge aus einer Gesamtsammlung von rund 400 Einheiten aus. Damit gehört sie zu den interessantesten privaten Sammlungen Europas, zumal hier nicht nur Sportwagen, sondern auch Luxusfahrzeuge, Klassiker, Motorräder und Fahrzeuge mit besonderen Vorbesitzern gezeigt werden.
Deutschland: Das Autoland hat natürlich nicht nur eins, sondern gleich viele Museen
Wer in Deutschland Automuseen sucht, muss nicht lange fahren. Das ist auch logisch. In einem Land, das Carl Benz, Gottlieb Daimler, Ferdinand Porsche, August Horch, Rudolf Diesel und eine sehr emotionale Beziehung zur Autobahn hervorgebracht hat, wäre alles andere auch peinlich.
Das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart ist dabei Pflichtprogramm. Es zeigt mehr als 1.500 Exponate, darunter 160 Fahrzeuge, und erzählt die Geschichte des Automobils von den Anfängen bis zur Gegenwart. Das Spannende ist hier nicht nur die Marke, sondern der große Bogen: Patent-Motorwagen, Nutzfahrzeuge, Motorsport, Luxus, Alltag, Technikgeschichte und gesellschaftlicher Wandel. Wer verstehen will, warum das Auto nicht einfach nur ein Fortbewegungsmittel war, sondern ein kultureller Beschleuniger, landet hier ziemlich schnell bei der richtigen Adresse.
Nur wenige Kilometer entfernt steht das Porsche Museum in Zuffenhausen. Dort geht es konzentrierter, sportlicher und natürlich deutlich 911-lastiger zu. Mehr als 80 Fahrzeuge und zahlreiche Kleinexponate zeigen die Entwicklung der Marke, vom 356 über Rennsportlegenden wie 550, 917, 956 und 962 bis zu modernen Sportwagen. Porsche macht hier das, was Porsche meistens gut kann: Geschichte erzählen, ohne sie nach Staub riechen zu lassen.
München liefert mit dem BMW Museum den nächsten Pflichtstopp
Der Campus aus BMW Welt, BMW Museum und BMW Group Classic führt durch mehr als 100 Jahre Unternehmensgeschichte, mit Automobilen, Motorrädern, Rennsport, Design und Technik. Besonders reizvoll ist, dass BMW nicht nur Autos zeigt, sondern auch die Herkunft aus Flugmotoren und Motorrädern mitnimmt. Dadurch entsteht ein runderes Bild als bei reinen Modellschauen.
In Ingolstadt erzählt das Audi museum mobile die Geschichte der vier Ringe, also Audi, Horch, DKW und Wanderer. Das ist besonders interessant, weil Audi seine Geschichte nicht nur als moderne Premiummarke erzählt, sondern als Zusammenspiel mehrerer Marken, technischer Brüche, Motorsportideen und Designlinien. Wer verstehen will, warum ein Audi mehr Geschichte hat als nur Quattro, LED Licht und Außendienst auf der linken Spur, sollte dort vorbeischauen.
Wolfsburg bietet mit dem Zeithaus in der Autostadt einen breiten Blick über die Markenwelt hinaus. Dort stehen nicht nur Volkswagen, sondern automobile Meilensteine verschiedener Hersteller. Genau das macht den Reiz aus. Es geht weniger um Markentreue und mehr um die Frage, welche Fahrzeuge wirklich etwas verändert haben.
Hamburg hat mit dem Automuseum Prototyp eine kleinere, aber besonders feine Adresse
Der Fokus liegt auf seltenen Sportwagen, Prototypen, Rennsport und den Menschen hinter den Maschinen. Für Hamburg ist das natürlich sehr praktisch. Man kann erst HafenCity machen, danach alte Rennwagen anschauen und anschließend so tun, als sei das alles ein kulturell ausgewogener Tagesausflug.
Einbeck ist mit dem PS.SPEICHER eine der wichtigsten Adressen in Deutschland. Das Museum bezeichnet sich als Europas größtes Oldtimer und Erlebnismuseum und zeigt laut offizieller Angabe mehr als 2.500 historische Fahrzeuge sowie 8.000 Modellfahrzeuge an fünf Standorten. Das ist kein kurzer Spaziergang zwischen drei Oldtimern und einem Kaffeeautomaten, sondern eine komplette Mobilitätslandschaft.
Dazu kommen kleinere, aber spannende Orte wie das Automuseum Melle, das mit fahrbereiten Exponaten arbeitet, das EFA Museum in Amerang mit deutscher Automobilgeschichte, das Mazda Classic Automobil Museum Frey in Augsburg, die Toyota Collection in Köln, das August Horch Museum in Zwickau und das Nationale Automuseum The Loh Collection in Dietzhölztal. Gerade die Loh Collection ist inzwischen ein echter Brocken: Die permanente Ausstellung zeigt nach aktueller offizieller Darstellung mehr als 150 Exponate, dazu kommen Sonderausstellungen und zahlreiche große Namen der Automobilgeschichte.
Europa: Von Bugatti Tempeln, italienischem Drama und niederländischer Eleganz
Wenn man Deutschland verlässt, wird es nicht weniger interessant. Eher im Gegenteil. Europa ist voll mit Automuseen, die jeweils ganz unterschiedliche Seiten der Autokultur zeigen.
Die Cité de l’Automobile in Mulhouse ist vermutlich einer der wichtigsten Orte überhaupt. Das Musée National de l’Automobile beherbergt laut offizieller Darstellung mehr als 450 außergewöhnliche Fahrzeuge und ist eng mit der legendären Schlumpf Collection verbunden. Besonders berühmt ist die Bugatti Sammlung, darunter der Bugatti Royale, also ein Auto, das schon damals ungefähr so vernünftig war wie ein Schloss mit Vergaser. Aber genau deshalb lieben wir diese Geschichten ja.
In Den Haag steht das Louwman Museum, eines der schönsten europäischen Automuseen. Mehr als 275 seltene und ikonische Automobile zeigen dort über 150 Jahre Innovation, Design und Mobilitätsgeschichte. Das Louwman Museum wirkt dabei weniger wie eine reine Technikhalle, sondern eher wie ein sorgfältig kuratiertes Geschichtsbuch mit Rädern.
Italien ist natürlich ein eigenes Kapitel.
Maranello und Modena bilden zusammen den Ferrari Kosmos. Das Museo Ferrari in Maranello konzentriert sich stark auf Marke, Motorsport, Formel 1 und Straßenmodelle, während das Enzo Ferrari Museum in Modena den Menschen, die Herkunft und die frühe Geschichte stärker in den Mittelpunkt stellt. Zusammen ergibt das mehr als nur rote Autos hinter Glas. Es geht um Mythos, Industrie, Rennsport, Ego, Schönheit und die große italienische Kunst, Technik wie Oper wirken zu lassen.
Nicht weit davon entfernt liegt das Lamborghini Museum in Sant’Agata Bolognese. Dort geht es um 60 Jahre Innovation, ikonische Modelle und auf Wunsch auch um Einblicke in die Produktion. Lamborghini ist dabei das perfekte Gegengewicht zu Ferrari. Weniger feine Oper, mehr dramatischer Auftritt mit offener Auspuffklappe. Miura, Countach, Diablo, Aventador und moderne Hybridideen zeigen sehr schön, dass Lamborghini immer dann am besten war, wenn jemand in einem Meeting vermutlich sagte: „Das ist zu viel“, und ein anderer antwortete: „Genau.“
Alfa Romeo in Arese ist dann wieder die emotionale Abteilung. Das Museo Alfa Romeo erzählt über mehr als ein Jahrhundert Markengeschichte, mit Schönheit, Geschwindigkeit und dieser besonderen Mischung aus Genie und italienischer Laune. Alfa ist eben nicht nur eine Automarke, sondern ein Beziehungstest mit Kühlergrill. Das Museum macht daraus eine ziemlich elegante Zeitreise.
Auch Turin gehört auf die Liste, denn das Museo Nazionale dell’Automobile zeigt die italienische und internationale Automobilgeschichte in einer Stadt, die für Fiat, Lancia, Karosseriebauer und italienische Industriegeschichte zentral ist. Dazu kommen Autoworld in Brüssel, das Saab Museum in Trollhättan, das National Motor Museum in Beaulieu und die Ferdinand Porsche Erlebniswelt am Mattsee. Diese Orte zeigen, dass Autokultur eben nicht nur aus Supersportwagen besteht, sondern auch aus Alltagsmobilität, Designschulen, nationalen Eigenheiten und manchmal aus sehr mutigen technischen Sackgassen.
USA: Hollywood, Muscle Cars und Mobilität als Show
In den USA wird Autogeschichte oft größer erzählt. Wen wundert es. Dort ist selbst der Parkplatz manchmal so groß wie bei uns ein Gewerbegebiet.
Das Petersen Automotive Museum in Los Angeles ist dafür das beste Beispiel. Es liegt an der Museum Row und verbindet Design, Popkultur, Hollywood, Rennsport und Technik. Besonders spannend ist der sogenannte Vault, in dem laut Petersen mehr als 300 Fahrzeuge stehen, darunter Prototypen, Konzepte, Einzelstücke, Hot Rods, Motorräder und Fahrzeuge mit Promi oder Filmgeschichte. Das ist weniger ehrfürchtige Museumsruhe und mehr automobil gewordene Popkultur.
Das Henry Ford Museum in Dearborn erzählt dagegen nicht nur Autogeschichte, sondern amerikanische Innovationsgeschichte. Dort geht es um Ford Model T, industrielle Fertigung, Mobilität, Luftfahrt, Landwirtschaft und technische Meilensteine. Wer verstehen will, wie sehr das Auto die amerikanische Gesellschaft verändert hat, bekommt dort mehr als nur glänzende Kühlergrills.
Das Lane Motor Museum in Nashville ist wiederum ideal für alle, die schräge Technik lieben. Kleinstwagen, europäische Sonderlinge, Prototypen und Fahrzeuge aus vielen Ländern zeigen, dass automobile Kreativität nicht immer schön sein muss. Manchmal reicht es, wenn sie fährt. Oder zumindest einmal gefahren ist.
Das National Corvette Museum in Bowling Green ist dann die amerikanische Sportwagenkirche. Corvette Geschichte, Prototypen, Serienmodelle, Rennsport und die Nähe zur Produktion machen den Ort besonders. Wer Corvette nur für eine laute Kunststoffflunder hält, kann dort lernen, warum diese Baureihe in den USA fast religiösen Status hat.
Welche Museen wirklich auf die To-do-Liste gehören
Wenn ihr nur mit Europa anfangen wollt, würde ich die Liste so sortieren: Mercedes-Benz Museum, Porsche Museum, Cité de l’Automobile, Louwman Museum, Ferrari Maranello und Modena, Lamborghini Museum, Alfa Romeo Museum, PS.SPEICHER, Nationales Automuseum The Loh Collection und BMW Museum. Damit habt ihr Geschichte, Rennsport, Design, Größenwahn, Technik und genug glänzendes Blech, um danach mehrere Wochen lang keine normale Tiefgarage mehr ernst nehmen zu können.
Wenn ihr Deutschland kompakt abarbeiten wollt, ist Stuttgart fast unfair gut. Mercedes und Porsche an einem Wochenende, dazu vielleicht noch ein kleiner Abstecher Richtung Technik Museum Sinsheim oder Speyer, und schon ist der Familienausflug offiziell „Kultur“. München mit BMW, Ingolstadt mit Audi, Wolfsburg mit der Autostadt, Hamburg mit Prototyp, Einbeck mit PS.SPEICHER und Dietzhölztal mit der Loh Collection ergeben daraus eine ziemlich ordentliche Deutschlandrunde.
Und wenn ihr irgendwann weltweit denkt, dann gehören Petersen in Los Angeles, Henry Ford in Dearborn, Lane in Nashville, Corvette in Bowling Green, Louwman in Den Haag, Mulhouse in Frankreich und die italienische Motor Valley Runde auf die große Liste.
Fazit: Autos sind eben mehr als Fortbewegung
Natürlich kann man sagen: Es sind nur Autos. Blech, Glas, Gummi, Leder, Öl, Benzin, Strom und ein bisschen Lack. Man kann aber auch sagen: Autos erzählen ziemlich viel über ihre Zeit. Über Technikglauben, Status, Freiheit, Design, Industrie, Politik, Größenwahn und darüber, wie Menschen sich Zukunft vorgestellt haben.
Genau deshalb sind gute Automuseen mehr als Hallen voller Fahrzeuge. Sie sind Archive auf Rädern. Und private Sammlungen sind manchmal sogar noch spannender, weil sie zeigen, was passiert, wenn Leidenschaft nicht durch Vernunft begrenzt wird. Das ist nicht immer rational. Aber ganz ehrlich: Wenn alles rational wäre, gäbe es keinen Lamborghini Countach, keinen Bugatti Royale, keinen Ferrari F40 und vermutlich auch keine Menschen, die freiwillig mehrere Stunden durch ein Museum laufen, nur um vor einem alten Stück Blech leise „wow“ zu sagen.
Und damit ist die To-do-Liste offiziell eröffnet.
Kompakte Übersicht: Die wichtigsten Automuseen und Sammlungen auf einen Blick
Wer nach dem Lesen nicht nur nicken, sondern auch losfahren möchte, bekommt hier die praktische Kurzfassung. Ohne große Romantik, ohne unnötiges Geschwafel, dafür mit klarer Einordnung.
Private Autosammlungen
| Sammlung / Person | Ort | Schwerpunkt | Öffentlich zugänglich? | Warum spannend? |
|---|---|---|---|---|
| Sultan von Brunei | Brunei | Rolls-Royce, Ferrari, Bentley, Einzelstücke | Nein | Eine der sagenumwobensten Autosammlungen der Welt |
| Mark Pieloch / American Muscle Car Museum | Melbourne, Florida, USA | Muscle Cars, Corvette, Mustang, Camaro, Shelby | Nur bei Events | Gewaltige Sammlung amerikanischer V8-Kultur |
| Ralph Lauren Collection | USA | Bugatti, Ferrari, McLaren, Mercedes Klassiker | Nur selten in Ausstellungen | Kleine, aber extrem wertvolle Designsammlung |
| Scheich Hamad bin Hamdan Al Nahyan | Abu Dhabi / Marokko | Sonderfahrzeuge, XXL-Umbauten, Mercedes | Teilweise | Automobiler Größenwahn mit Unterhaltungswert |
| Rodger Dudding / Studio 434 | Großbritannien | Britische Klassiker, Aston Martin Lagonda | Nach Verfügbarkeit / Events | Europas berühmte Privatsammlung mit Filmfahrzeug-Bezug |
| Jay Leno’s Garage | USA | Technikmix, Dampfwagen, Supersportwagen, Klassiker | Nicht klassisch als Museum | Lebendige Sammlung mit Werkstattcharakter |
| Nick Mason Collection | Großbritannien | Ferrari, Rennsport, Klassiker | Privat | Pink-Floyd-Schlagzeuger mit extrem feinem Motorsportgeschmack |
| Ion Țiriac Collection | Otopeni, Rumänien | Klassiker, Luxus, Sportwagen | Ja | Eine der zugänglichsten großen Privatsammlungen Europas |
Automuseen in Deutschland
| Museum | Ort | Schwerpunkt | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Mercedes-Benz Museum | Stuttgart | Automobilgeschichte von 1886 bis heute | Alle, die Geschichte, Technik und Marke verstehen wollen |
| Porsche Museum | Stuttgart-Zuffenhausen | Sportwagen, Motorsport, Porsche DNA | Porsche-Fans und Rennsportfreunde |
| BMW Museum | München | BMW, Motorräder, Design, Technikgeschichte | Markenfans und Technikinteressierte |
| Audi museum mobile | Ingolstadt | Audi, Horch, DKW, Wanderer, Auto Union | Fans der vier Ringe und deutscher Industriegeschichte |
| Zeithaus Autostadt | Wolfsburg | Markenübergreifende Autoikonen | Familien, Einsteiger und Klassikerfans |
| Automuseum Prototyp | Hamburg | Prototypen, Rennsport, Menschen hinter den Autos | Alle, die kleine, feine Museen mögen |
| PS.SPEICHER | Einbeck | Oldtimer, Motorräder, Nutzfahrzeuge, Mobilität | Tagesausflug mit viel Zeit |
| Mazda Classic Automobil Museum Frey | Augsburg | Mazda, Wankel, japanische Modelle | Japan-Fans und Wankel-Nerds |
| Nationales Automuseum The Loh Collection | Dietzhölztal | Sportwagen, Rennwagen, Klassiker | Anspruchsvolle Autofans |
| Toyota Collection | Köln | Toyota Geschichte, Land Cruiser, 2000 GT, Prius | Toyota-Fans und Japan-Liebhaber |
| August Horch Museum | Zwickau | Horch, DKW, Auto Union, ostdeutsche Autogeschichte | Geschichtsinteressierte |
| Automuseum Melle | Melle | Fahrbereite Oldtimer | Menschen, die lebendige Technik mögen |
| EFA Museum | Amerang | Deutsche Automobilgeschichte | Oldtimerfreunde mit Süddeutschland-Route |
Europa
| Museum | Ort | Schwerpunkt | Warum auf die Liste? |
|---|---|---|---|
| Cité de l’Automobile | Mulhouse, Frankreich | Schlumpf Collection, Bugatti, Klassiker | Eine der bedeutendsten Autosammlungen der Welt |
| Louwman Museum | Den Haag, Niederlande | 150 Jahre Automobilgeschichte | Wunderschön kuratiert und sehr vielseitig |
| Museo Ferrari | Maranello, Italien | Ferrari, Formel 1, Supersportwagen | Pflichtprogramm für Ferrari-Fans |
| Enzo Ferrari Museum | Modena, Italien | Enzo Ferrari, Herkunft, Marke, Motoren | Ergänzt Maranello perfekt |
| Lamborghini Museum | Sant’Agata Bolognese, Italien | Miura, Countach, Diablo, moderne Supersportwagen | Drama, Design und V12-Geschichte |
| Alfa Romeo Museum | Arese, Italien | Alfa Romeo, Design, Motorsport | Emotionale italienische Automobilgeschichte |
| Museo Nazionale dell’Automobile | Turin, Italien | Italienische und internationale Autogeschichte | Sehr gute Ergänzung zur Motor Valley Route |
| Autoworld | Brüssel, Belgien | Europäische Klassiker, belgische Marken | Zentral gelegen und architektonisch reizvoll |
| Saab Museum | Trollhättan, Schweden | Saab, skandinavische Ingenieurskunst | Für Freunde eigenwilliger Technik |
| National Motor Museum | Beaulieu, Großbritannien | Britische Automobilgeschichte | Klassiker, Kuriositäten und Familienausflug |
| Ferdinand Porsche Erlebniswelt | Mattsee, Österreich | Porsche Geschichte, fahrbereite Klassiker | Kleiner, feiner Geheimtipp |
Automuseen in den USA
| Museum | Ort | Schwerpunkt | Besonders geeignet für |
|---|---|---|---|
| Petersen Automotive Museum | Los Angeles, Kalifornien | Hollywood, Design, Prototypen, Supersportwagen | Popkultur und Autodesign |
| Henry Ford Museum | Dearborn, Michigan | Innovation, Ford, Industriegeschichte | Wer Autos im großen Gesellschaftskontext sehen will |
| Lane Motor Museum | Nashville, Tennessee | Kleinstwagen, Exoten, Prototypen | Fans schräger Technik |
| National Corvette Museum | Bowling Green, Kentucky | Corvette Geschichte | US-Sportwagenfans |
| America’s Car Museum | Tacoma, Washington | Amerikanische Autokultur | Große US-Autoübersicht |
| National Automobile Museum | Reno, Nevada | Historische Fahrzeuge, Promi-Autos | Klassikerfans mit USA-Reiseplan |
Die beste Route für Autofans
Wochenendtrip Deutschland
Stuttgart kompakt:
Mercedes-Benz Museum und Porsche Museum an einem Wochenende. Mehr automobile Geschichte pro Kilometer wird schwierig.
Norddeutsche Runde:
Automuseum Prototyp in Hamburg, PS.SPEICHER in Einbeck und Autostadt Wolfsburg. Das ist eine sehr ordentliche Mischung aus Rennsport, Mobilitätsgeschichte und Markenwelt.
Süddeutsche Runde:
BMW Museum München, Audi museum mobile Ingolstadt, EFA Museum Amerang und Mazda Museum Augsburg. Besonders gut, wenn man Technik, Markenhistorie und Japan-Bezug kombinieren möchte.
Europäische Traumroute
Motor Valley Italien:
Modena, Maranello, Sant’Agata Bolognese und Arese. Also Ferrari, Lamborghini und Alfa Romeo. Danach braucht man wahrscheinlich keinen Espresso mehr, weil der Puls ohnehin bei 130 liegt.
Frankreich und Benelux:
Cité de l’Automobile in Mulhouse, Louwman Museum in Den Haag und Autoworld in Brüssel. Perfekt für alle, die automobile Geschichte nicht nur laut, sondern auch elegant mögen.
Meine persönliche Top 10 für die To-do-Liste
- Cité de l’Automobile, Mulhouse
- Mercedes-Benz Museum, Stuttgart
- Porsche Museum, Stuttgart
- Louwman Museum, Den Haag
- Museo Ferrari, Maranello
- Enzo Ferrari Museum, Modena
- Lamborghini Museum, Sant’Agata Bolognese
- Nationales Automuseum The Loh Collection, Dietzhölztal
- PS.SPEICHER, Einbeck
- Petersen Automotive Museum, Los Angeles
Kurzfazit für Ungeduldige
Wer …
nur ein Museum in Deutschland schafft, sollte mit Mercedes-Benz oder Porsche in Stuttgart anfangen.
Europa ernsthaft abarbeiten möchte, kommt an Mulhouse, Den Haag und der italienischen Motor Valley Route nicht vorbei.
private Sammlungen spannend findet, sollte sich vor allem Ion Țiriac, Mark Pieloch, Jay Leno und Rodger Dudding merken.
Und wer glaubt, Autos seien nur Fortbewegungsmittel, sollte dringend in eines dieser Museen gehen. Danach ist diese Meinung zumindest schwerer zu verteidigen.
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