Moin liebe Gemeinde,
was wurde aus dem GMC Vandura aus dem A-Team oder auch der Van, der mehr Charakter hatte als manche Hauptrolle.
Heute geht es um ein Auto, das eigentlich gar kein Auto sein wollte. Es wollte Einsatzfahrzeug sein. Fluchtwagen, Werkstatt, Waffenlager, Wohnzimmer und/oder Therapiezentrum für schlechte Ideen. Natürlich auch noch Bühne für einen Mann mit Goldketten, schlechter Laune und panischer Flugangst.
Heute geht es um den GMC Vandura aus „Das A-Team“.
Und ja, allein dieser Satz reicht bei vielen Menschen schon, damit irgendwo im Kopf sofort die Titelmelodie anspringt. Dieses markante Synthie-Gebrüll aus den 80ern, dazu Explosionen, ein paar erstaunlich schlecht zielende Bösewichte und vier Männer, die im Grunde jede Woche das machten, was Behörden selten schaffen: Sie halfen Menschen, die sonst niemanden mehr hatten.
„Wenn du ein Problem hast, wenn niemand sonst helfen kann, und wenn du sie findest, kannst du vielleicht das A-Team engagieren.“
Mehr 80er geht kaum. Außer vielleicht Schulterpolster, Föhnfrisur und ein Faxgerät mit eigener Sonnenbrille.
Das A-Team: Söldner, Helden und eine sehr mobile Kommandozentrale
Die Serie lief in den USA ab 1983 und wurde schnell zu einem dieser Formate, die man nicht mit nüchterner Logik anschauen darf. Vier ehemalige Soldaten einer Spezialeinheit sind auf der Flucht, weil sie für ein Verbrechen verurteilt wurden, das sie nicht begangen haben sollen. Offiziell gelten sie als Kriminelle. Praktisch helfen sie jede Woche den Unterdrückten, Betrogenen und Einschüchterten. Eine Art Robin-Hood-Einsatzgruppe mit Werkzeugkoffer, Sprengstoff und erstaunlich viel Improvisation.
Da war Colonel John „Hannibal“ Smith, der Stratege mit Zigarre und diesem Satz, der sich für immer ins Fernsehgedächtnis eingebrannt hat: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“
Templeton „Face“ Peck, der charmante Beschaffer, der vermutlich auch aus einer kaputten Parkuhr noch ein Flugzeug organisiert hätte.
Da war H. M. „Howling Mad“ Murdock, Pilot, Genie, Chaosfigur und sehr wahrscheinlich der einzige Mensch, der einen normalen Raum betreten und ihn innerhalb von drei Minuten in eine psychiatrisch betreute Flugshow verwandeln konnte.
Und natürlich war da Bosco Albert Baracus, besser bekannt als B. A. Baracus, gespielt von Mr. T. Muskelmann, Mechaniker, Fahrer, Goldketten-Ikone und der Mann, der den Van am glaubwürdigsten aussehen ließ, als hätte er gerade schlechte Laune mit Straßenzulassung.
Aber so sehr diese Figuren die Serie getragen haben, ein weiteres Teammitglied hatte keine Dialoge und trotzdem sofort Wiedererkennungswert: der Van.
Der eigentliche fünfte Mann im Team
Der A-Team-Van war kein gewöhnlicher Transporter. Er war eine fahrende Visitenkarte. Ein schwarzer und dunkelgrauer Kasten mit rotem Streifen, roten Felgen, Dachspoiler, Zusatzscheinwerfern und einer Präsenz, bei der jedes normale Behördenfahrzeug freiwillig auf den Standstreifen gewechselt hätte.
Meist wird er als 1983er GMC Vandura beschrieben, genauer aus der G-Serie. Optisch war er sofort zu erkennen: unten Schwarz, oben dunkles Grau oder Metallicgrau, dazwischen der rote Streifen, dazu rote Turbinenfelgen, Dachspoiler, Frontschutzbügel, Zusatzscheinwerfer und diese ganze Aura von: „Wir kommen nicht zum Kaffeetrinken, wir kommen zum Durchbrechen von Hindernissen.“
Innen war der Van dagegen deutlich funktionaler. Vier Sitze, ein CB-Funkgerät, teilweise Ausrüstung im Heck, in vielen Beschreibungen auch eine verschließbare Waffenbox. Komfort war nicht der Mittelpunkt. Das war kein Vanlife mit Kuschelecke und Espressokocher. Das war Einsatzraum auf Rädern.
Was steckte technisch darunter?
Beim Serien-GMC Vandura jener Zeit gab es verschiedene Motorisierungen, vom Reihensechszylinder bis zum V8. Für den A-Team-Mythos entscheidend ist vor allem die V8-Vorstellung. In Fan- und Fahrzeugbeschreibungen tauchen häufig der 5,0-Liter-V8 und der 5,7-Liter-V8 auf. Bei vielen A-Team-Nachbauten und Promotion-Fahrzeugen wird besonders der 350 cui V8, also rund 5,7 Liter Hubraum, genannt.
Die offiziellen und lizenzierten Promotion-Vans, die später bei Auktionen und Veranstaltungen auftauchten, werden teils als 1979er Chevrolet Vans beschrieben, die äußerlich im Stil des Serien-GMC aufgebaut wurden. Genau das ist wichtig, weil hier die erste große Verwirrung beginnt: Nicht jeder A-Team-Van ist automatisch ein echter Drehwagen. Und nicht jeder offiziell lizenzierte Van war im Bild zu sehen. Worldwide Auctioneers beschreibt einen dieser Vans ausdrücklich als eines von sechs offiziell von Universal lizenzierten Promotion-Fahrzeugen, die zur Bewerbung der Serie gebaut wurden.
Warum sah der Van nicht immer gleich aus?
Weil Fernsehen in den 80ern manchmal weniger Kontinuitätsbibel und mehr Werkzeugkiste war.
Der A-Team-Van taucht in der Serie nicht immer exakt gleich auf. Mal mit Schiebedach, mal ohne. Mal mit kleinen Detailunterschieden an Felgen, Spoiler, Innenraum oder Karosserie. Teilweise sollen sogar andere Van-Modelle oder Ersatzfahrzeuge genutzt worden sein, wenn für Stunts gerade etwas gebraucht wurde, das nur aus der Ferne wie der echte Van aussehen musste.
Und ganz ehrlich: Die Serie war nicht dafür bekannt, jeden Schraubenkopf historisch zu betreuen. Sie war dafür bekannt, dass irgendwo etwas explodiert, jemand aus einem Auto springt und am Ende überraschend wenige Menschen ernsthaft verletzt werden. Die Leute schauten nicht wegen der Spaltmaße. Sie schauten wegen Hannibal, B. A., Face, Murdock und diesem rollenden Kommandozentrum.
Wie viele Vans gab es wirklich?
Hier wird es knifflig.
Bei den Promotion-Fahrzeugen ist die Lage relativ gut greifbar: Es gab laut Auktionsangaben sechs offiziell von Universal Studios lizenzierte Vans, die von Hollywood Productions gebaut wurden, um die Serie in den USA und Kanada zu bewerben. Einer dieser sechs wurde 2021 von Worldwide Auctioneers angeboten und für 84.000 Dollar verkauft. Der Erlös ging zugunsten der J. Kruse Education Center Career Coaching Academy.
Diese Fahrzeuge sind spannend, weil sie offiziell lizenziert waren und mit der Serie vermarktet wurden. Sie sind also keine beliebigen Fanbauten. Aber sie sind auch nicht automatisch Drehfahrzeuge. MotorAuthority formulierte zu dem Auktionsfahrzeug ausdrücklich, dass es nicht auf dem Bildschirm zu sehen war, sondern eines der von Universal beauftragten Promotion-Fahrzeuge war.
Bei den echten Serienfahrzeugen, also den Vans, die tatsächlich für Dreharbeiten genutzt wurden, ist die Lage weniger sauber dokumentiert. In Fan- und Sammlerkreisen ist oft von etwa acht gebauten beziehungsweise verwendeten Vans die Rede, häufig aufgeteilt in Fahrzeuge für Nahaufnahmen und Stunt-Vans. Diese Zahl taucht unter anderem in Foren und Szeneberichten auf, ist aber deutlich schlechter offiziell belegbar als die sechs Promotion-Vans.
Deshalb muss man sauber trennen:
Promotion-Originale sind gut belegbar. Screen-used Originale sind schwerer zu verifizieren.
Und genau hier sitzt der kleine Ölfleck auf dem Garagenboden dieser Geschichte.
Gibt es heute noch einen echten A-Team-Van aus der Serie?
Die kurze Antwort: Wahrscheinlich ja, aber die Dokumentation ist nicht überall gleich belastbar.
Das frühere Cars of the Stars Motor Museum in England wurde immer wieder mit einem originalen A-Team-Van in Verbindung gebracht. Die Sammlung wurde nach der Schließung des Museums 2011 in die USA überführt. Die heutige Cars-of-the-Stars-Ausstellung im Orlando Auto Museum nennt in ihrer Fahrzeugliste einen A-Team Van, der als „screen used from the TV series“ beschrieben wird.
Das ist der beste öffentlich sichtbare Hinweis darauf, dass zumindest ein als seriengenutzt ausgewiesener Van noch existiert. Gleichzeitig bleibt bei solchen Filmautos immer etwas Vorsicht sinnvoll, weil über Jahrzehnte vieles umgebaut, restauriert, ergänzt, verkauft und neu dokumentiert wurde. Bei Fernsehfahrzeugen aus den 80ern ist Provenienz manchmal weniger ein sauberer Ordner als ein Karton mit Fotos, Erinnerungen, Lackschichten und ein paar sehr entschlossenen Fans.
Was sehr sicher ist: Es gibt mehrere offizielle Promotion-Fahrzeuge, darunter den 2021 versteigerten Van und offenbar auch den bei ChromeCars beziehungsweise in europäischen Eventzusammenhängen gezeigten Wagen. Der Red Bull Ring nennt ein von ChromeCars bereitgestelltes Fahrzeug als eines von sechs weltweit offiziell von Universal Studios lizenzierten A-Team-Vans.
Also: Es gibt echte A-Team-Vans. Aber man muss unterscheiden zwischen:
1. Drehfahrzeugen aus der Serie
Das sind die heiligen Grale. Schwer zu belegen, wenige erhalten, viel Sammler-Nebel.
2. Offiziell lizenzierte Promotion-Vans
Keine Serien-Drehwagen, aber offiziell von Universal beauftragt und historisch relevant.
3. Fan-Repliken
Oft liebevoll gebaut, manchmal extrem gut, aber ohne direkten Produktionsbezug.
Warum der Van bis heute funktioniert
Weil er einfach perfekt zur Serie passte.
Der A-Team-Van war nicht elegant. Er war nicht futuristisch, nicht sportlich im klassischen Sinne. Er war ein kantiger, düster lackierter, leicht martialischer Kasten mit rotem Streifen und einem Sound, der nach Werkzeug, Benzin und schlechter Entscheidung roch.
Genau deshalb war er ideal.
Der Van war die mobile Zentrale des Teams. In ihm wurde gefahren, geplant, gefunkt, geflüchtet und vermutlich auch gestritten. Er war Werkstatt, Tarnung, Transporter und Symbol. Jedes Teammitglied hatte seine Funktion und der Van hielt diese ganze absurde Einsatzfamilie zusammen.
B. A. ohne Van wäre möglich gewesen. Aber es hätte sich falsch angefühlt. Ungefähr so, als würde man KITT durch einen Mietwagen ersetzen oder den DeLorean aus Zurück in die Zukunft gegen einen Opel Combo tauschen. Kann man machen, aber dann möchte bitte niemand mehr über Magie sprechen.
Warum der A-Team-Van nicht altern will
Der Van lebt bis heute, weil er etwas kann, das viele moderne Filmfahrzeuge nicht schaffen: Er ist sofort emotional abrufbar.
Er steht für 80er-Fernsehen in Reinform. Für einfache Moral, große Explosionen, Teamgeist, Improvisation und diesen wunderbaren Unsinn, bei dem aus einem Garagenhof innerhalb von zehn Minuten ein gepanzertes Einsatzfahrzeug gebaut wurde.
Man muss diese Serie nicht realistisch nennen. Man muss sie nicht logisch nennen. Aber man muss anerkennen, dass sie eine sehr eigene Form von Fernsehvergnügen geschaffen hat. Und der Van war das rollende Wappen dieser Welt.
Er war kein perfektes Auto, kein makelloses Showcar. Er war ein Kasten mit Haltung und manchmal reicht genau das, um Legende zu werden.
Was am Ende bleibt
Wenn man heute fragt, was aus dem GMC Vandura aus dem A-Team geworden ist, bekommt man keine einzelne, einfache Antwort.
Es gab mehrere Vans. Einige wurden für die Serie genutzt, andere für Stunts, wieder andere offiziell zur Promotion gebaut. Die sechs Universal-lizenzierten Promotion-Fahrzeuge sind gut dokumentiert, und mindestens eines davon wurde 2021 versteigert. In Europa wird ebenfalls ein offiziell lizenzierter Van gezeigt. Bei den echten Drehfahrzeugen ist die Spur schwieriger, aber es gibt Hinweise auf erhaltene, als screen-used ausgewiesene Fahrzeuge in der ehemaligen Cars-of-the-Stars-Sammlung.
Kurz gesagt: Der A-Team-Van ist nicht verschwunden. Er hat sich nur aufgeteilt. In Originale, Promotionfahrzeuge, Sammlerstücke, Museumsautos, Eventstars und unzählige Repliken.
Und vielleicht passt genau das perfekt zu dieser Serie. Denn das A-Team war schließlich auch nie nur eine saubere Einheit aus Vorschrift und Dienstweg. Es war Improvisation mit Explosionen.
Der Van war dafür das perfekte Fahrzeug.
Schwarz, grau, rot, laut, kantig und bis heute völlig unvernünftig sympathisch.
Ich liebe es, wenn eine Autogeschichte funktioniert.
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