Moin ihr Entdecker, Teil vier rollt an. Heute dreht sich alles um den Land Rover Discovery 4, in einigen Märkten als LR4 bekannt. Euch erwartet ein Überblick über Design, Technik und Modellpflege sowie die kleinen Details, die den Discovery 4 vom Discovery 3 abheben. Wir gehen chronologisch vor, damit ihr die Entwicklung vom Start 2009 bis zum Abschied 2016 sauber nachvollziehen könnt.
Der Discovery 4
2009. Neustart mit bekanntem Kern
Im Sommer 2009 stellte Land Rover den Discovery 4 vor, der im September in Großbritannien auf den Markt kam. In Nordamerika und im Nahen Osten trug er aus Marketinggründen den Namen LR4. Technisch blieb die integrierte Karosseriestruktur erhalten, jedoch erhielt der Wagen eine überarbeitete Front mit neuem Kühlergrill, glatteren Stoßfängern sowie LED Lichtsignaturen vorn und hinten. Lackierte Radläufe ersetzten das frühere Schwarz, wodurch der Auftritt moderner und zugleich hochwertiger wirkte.

Form und Cockpit. Bekannte Architektur, fühlbar veredelt
Der D4 basierte weiterhin auf der kombinierten Monocoque Rahmen Architektur. Innen zog ein deutlich aufgeräumtes Layout ein. Ein zentraler TFT Bildschirm ersetzte die separaten Anzeigen für Temperatur und Tank. Tacho und Drehzahlmesser wurden neu gestaltet, die Mittelkonsole erhielt logischere Bedienelemente. Neue Sitzpolster sowie zusätzliche Materialoptionen brachten den Discovery näher an den Luxus und Executive Anspruch der größeren Brüder heran. Optional unterstützte ein Surround Kamera System das Rangieren, indem es Bilder aus Front, Spiegeln und Heckklappengriff in die Mittelkonsole einspeiste.
Antriebe. Mehr Drehmoment, weniger Verbrauch
Die großen Änderungen steckten unter der Haube. Der neue 3,0 Liter Gen III TDV6 Diesel nutzte sequenzielle Biturbo Technik. Ein Turbo mit variabler Geometrie schob bei niedrigen Drehzahlen an, ein zweiter Turbo übernahm bei höheren Drehzahlen. Das Ergebnis war spürbar mehr Leistung und Drehmoment bei reduzierten Emissionen. In ausgewählten Märkten kam zusätzlich ein 5,0 Liter V8 Benziner mit Direkteinspritzung zum Einsatz. Zunächst arbeitete eine überarbeitete ZF Sechsgang Automatik mit längeren Übersetzungen, später folgte die ZF Achtgang Automatik mit Wählrad und Schaltwippen.
Fahrdynamik und Offroad. Terrain Response feinjustiert
Die luftgefederte Einzelradaufhängung blieb, ebenso das zweistufige Verteilergetriebe. Land Rover verfeinerte jedoch die Regelstrategien. Im Programm Sand half eine angepasste Traktionskontrolle beim Anfahren in weichem Untergrund. Im Modus Rock Crawl legte das System bei Schrittgeschwindigkeit einen sanften Bremsdruck an, damit die Räder auf blankem Fels greifen konnten. Zusätzlich kamen stärkere Bremsen aus dem Range Rover Sport und dickere Stabilisatoren zum Einsatz. Die Stabilitätskontrolle erkannte nun beginnendes Untersteuern und griff ein. Für Gespannfahrer führte Land Rover die Anhänger Stabilitätskontrolle ein, die Motorleistung und Bremseingriffe koordiniert und so Schwingungen beruhigt.
Varianten und Märkte. Vom Nutzfahrzeug bis Luxury
Parallel zum klassischen Fünftürer bot Land Rover in Großbritannien und Irland Nutzfahrzeugvarianten an. In Irland gab es ab 2012 zudem Fünfsitzer und Zweisitzer, die als N1 eingestuft wurden und dadurch steuerliche Vorteile erhielten. Auf der Komfortseite legte die Ausstattungslinie HSE Luxury 2012 nach. Sie brachte eine erweiterte Serienausstattung sowie verfeinerte Interieur-Details nach Europa und Nordamerika. 2010 wurde außerdem ein gepanzerter D4 mit B6 Schutz angekündigt, äußerlich kaum vom Serienfahrzeug zu unterscheiden.
Modellpflege nach Jahren. Vom Feinschliff bis zur Jubiläumsausgabe
Ende 2010 kündigte Land Rover das Modelljahr 2011 an. Der 2,7 Liter Diesel verschwand, stattdessen kamen TDV6 und SDV6. Für 2012 erhielten europäische Dieselmodelle die Achtgang Automatik, die Effizienz stieg, die Bedienung wurde mit Schaltwippen intuitiver. 2013 folgten frische Embleme, effizientere Motorabstimmungen, verbesserte Audiosysteme sowie zusätzliche Assistenz und Komfortfunktionen. Zum 25 jährigen Discovery Jubiläum erschien 2014 die aufwendig ausgestattete XXV Edition mit Windsor Leder in Cirrus, einer geprägten XXV Signatur sowie umfangreichen Ausstattungspaketen.
Einordnung und Abschied. Aus der Baureihe wird eine Familie
Mit der Erneuerung der Range Rover Palette und dem Discovery Sport als Nachfolger des Freelander entwickelte Land Rover eine Discovery Familie. Die Richtung zeigte 2014 das Discovery Vision Concept. Türen im Showcar Stil und transparente Motorhaube blieben Konzeptideen, die weichere Grundlinie und die Ausrichtung auf neue Zielgruppen führten jedoch Ende 2016 zum Wechsel auf den komplett neuen Discovery. Der D4 verabschiedete sich damit als gereifter Allrounder, der Robustheit, Reisekomfort und Elektronik sehr ausgewogen kombinierte.
Gebrauchtkauf Discovery 4 – Pro & Contra im Überblick
Pro – Dafür spricht
- Könner im Gelände: Drehmomentstarke Motoren, permanenter Allrad, zweistufiges VTG, Luftfederung und Terrain Response (u. a. Sand/ Rock Crawl) – sehr souverän abseits der Straße.
- Geräumig & flexibel: Bis zu sieben vollwertige Sitze, gute Kopf-/Beinfreiheit in drei Reihen, variable Sitzkonfigurationen für Personen und Gepäck.
- Komfort auf Langstrecke: Stützende Sitze, wertige Materialien, Klima/Infotainment – dazu kultivierte Kraftentfaltung, geringe Vibrationen und angenehm leiser Innenraum.
- Vielseitig im Alltag: Hohe Anhängelast und entspannte Federung – vom Anhängerbetrieb über Familienreise bis Stadtverkehr gut einsetzbar.
- Zeitloses Design: Markante, robuste Silhouette; wirkt auch als Gebrauchter nicht „alt“. Die bewährte Antriebstechnik liefert weiterhin ein konkurrenzfähiges Fahrerlebnis.
Contra – Dagegen spricht
- Zuverlässigkeit mit Fragezeichen: Luftfederung und Elektrik gelten als anfällig – potenziell unerwartete Reparaturkosten. Gründliche Ankaufsprüfung/erweiterte Garantie erwägen.
- Hoher Verbrauch: Viel Gewicht + Leistungsfokus = spürbarer Durst. In die Gesamtkosten einkalkulieren; Unterschiede je nach Motor, aber grundsätzlich kein Sparmeister.
- Wartungsintensiv: Komplexe Technik → überdurchschnittliche Service- und Teilekosten (Motor, Fahrwerk, Elektronik). Spezialisierte Werkstatt empfehlenswert.
- Auf der Autobahn kein Sportler: Bei höherem Tempo weniger agil und direkt als manche Konkurrenten; Auslegung eher auf Drehmoment untenrum als auf High-Speed-Finesse.
- Wertminderung: Tendenziell stärkerer Preisverfall als bei einigen Wettbewerbern – relevant, wenn Restwert zentral ist.
Evi-Fazit
Wer Komfort + Offroad-Kompetenz + Vielseitigkeit sucht, liegt beim Disco 4 goldrichtig – solange Verbrauch, Wartungsbudget und mögliche Elektrik/Luftfahrwerks-Themen bewusst einkalkuliert werden. Mit guter Historie, sorgfältiger Prüfung und realistischen Erwartungen wird daraus ein sehr stimmiger Gebrauchtkauf.
Wie alles begann: Land Rover Discovery I
Eine Geschichte voller Entdeckungen, Teil 2: Der Land Rover Discovery II
Eine Geschichte voller Entdeckungen, Teil 3: Der Land Rover Discovery 3

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