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Elektromobilität & Batterien

Alles scheiße, ich baue mir ein eigenes Auto. Echt jetzt!

Evi hat sich gefragt, was ein eigenes Auto auf Basis eines gebrauchten Tesla Model 3 wirklich kosten würde. Die Idee klingt einfach: Technik behalten, Karosserie neu gestalten. Die Rechnung ist weniger romantisch. Ein hochwertiger Umbau liegt schnell bei 80.000 bis 150.000 Euro, ein echtes Rebody-Einzelstück eher bei 300.000 bis 600.000 Euro, und wer die Struktur neu denkt, landet schnell jenseits der Million.

Alles scheiße, ich bau mir ein eigenes Auto
Alles scheiße, ich bau mir ein eigenes Auto

Ich baue mir ein eigenes Auto:
Warum ein gebrauchter Tesla Model 3 als Spender billig wirkt, ein MG Cyberster aber vielleicht das bessere Opfer wäre

Kleiner Hinweis, bevor ihr einsteigt: Dieser Artikel ist über mehrere Wochen hinweg entstanden und nicht als glattgebügelter Fachtext vom Himmel gefallen. Am Anfang stand nur dieser Gedanke, den vermutlich viele Autoverrückte irgendwann haben: Alles scheiße, ich bau mir ein Auto.
Danach kamen die erste Rechnung, das eigene Traumdesign, die Rückfrage an den Karosseriebauer, der Tesla als vermeintlich günstige Basis, der Zweifel daran und schließlich die Suche nach einem besseren Spenderfahrzeug. Aus einer spontanen Idee wurde dadurch Stück für Stück eine kleine Reise durch Design, Elektroplattformen, Karosseriebau, TÜV, Kosten und sehr viel erwachsene Ernüchterung.
Ich habe den Text bewusst nicht komplett neu sortiert, weil ich die Chronologie erhalten wollte. Vielleicht liest er sich deshalb an manchen Stellen nicht wie ein klassischer Artikel, sondern eher wie ein Denkprozess mit Kurven, Umwegen und kleinen Trotzanfällen.
Aber genau so war es eben auch.
Ich wollte euch nicht nur das Ergebnis zeigen, sondern die ganze Reise mitnehmen: von „Das müsste doch gehen“ über „Oh, das wird teuer“ bis zu „Wenn ich das Geld hätte, würde ich trotzdem anfangen zu telefonieren.“

Es gibt Tage, da sieht man sich die aktuelle Autowelt an und denkt: Leute, ernsthaft?

Alles wird größer, schwerer, digitaler, teurer und manchmal leider auch belangloser. Vorne tragen Autos Kühlergrills, obwohl gar nicht mehr so viel gekühlt werden muss. Innen wohnt das große Display-Theater, außen flackert irgendeine Lichtsignatur und irgendwo im Menü versteckt sich die Funktion, die früher ein einfacher Knopf war.

Irgendwann kommt dann dieser vollkommen unvernünftige Gedanke: Wenn mir keiner mehr ein schönes Auto baut, baue ich mir eben selbst eins.

Natürlich als ernsthaftes Konzept. Also jemand, in dem Fall ich, nimmt ein bestehendes Fahrzeug, übernimmt Antrieb, Batterie, Fahrwerk, Sitze, Innenraum und Elektronik, wirft die langweilige Außenhaut gedanklich über Bord und setzt eine eigene Karosserie drauf.

Die Idee klingt großartig.

Großserientechnik unten, eigener Charakter oben. Ein bisschen Retro-GT, ein bisschen Zukunft, schön flach, zwei Türen, anthrazit, lange Haube, elegante Hüfte, italienisches Heck, deutsche Präzision, keine albernen Logos, kein Markenzirkus, einfach ein Auto, bei dem man davorsteht und denkt: Ja, genau den.

Also habe ich einen Karosseriebauer gefragt, wie realistisch so etwas wäre.

Die erste Antwort klang noch halbwegs verführerisch: Ein Chassis-plus-individuelle-Kunststoffhaut-Modell könnte als Premiumprodukt mit 30.000 bis 70.000 Euro Aufpreis gegenüber dem Basismodell funktionieren, wenn Werkzeuge und Prozesse für Kleinserien optimiert werden. Daraus ergäbe sich je nach Basisfahrzeug ein Gesamtpreis von etwa 60.000 bis 120.000 Euro.

Das ist der Moment, in dem das Herz kurz anfängt, sehr unvernünftig zu rechnen.

Alles Scheisse ich bau mir ein Auto - FR
Ich baue mir ein eigenes Auto

Der erste Denkfehler: Einzelstück ist nicht Kleinserie

Die Karosseriebauer-Idee funktioniert vor allem dann, wenn man sie industriell denkt. Also nicht als völlig freies Einzelstück, sondern als System: standardisierte Befestigungspunkte, definierte Designgrenzen, ein digitales Tool für parametrisierte Flächen, Lufteinlässe, Türschnitte, Lichtkanten und Zierleisten, danach Kleinserienfertigung der Paneele und Montage auf einem bekannten Chassis.

Genau dadurch entstehen bezahlbare Strukturen.

Werkzeuge, Formen, CAD-Vorlagen, Prüfprozesse, Montageabläufe und Materialfreigaben verteilen sich dann auf mehrere Fahrzeuge. Die ursprüngliche Einschätzung nennt für komplexe Karosseriepaneele schnell 50.000 bis 150.000 Euro Werkzeugkosten für ein komplettes Set, dazu Stückkosten pro Paneel, Montage, Anpassung und Lackierung.

Bei 100 oder 500 Fahrzeugen kann man solche Kosten verteilen. Bei einem einzigen Auto steht der ganze Spaß leider auf nur einer Rechnung.

Und diese Rechnung hat keine romantische Ader.

Deshalb ist der Unterschied so wichtig: Ein optimiertes Kleinserienmodell kann tatsächlich in einer Preisspanne funktionieren, die zwar teuer, aber noch erklärbar ist. Ein echtes Einzelstück dagegen ist keine Sonderausstattung mehr, sondern bezahlte Fahrzeugentwicklung. Mist!

Der Tesla Model 3 als erste Versuchung

Als erste Basis lag bei mir ein gebrauchter Tesla Model 3 für rund 20.000 Euro auf dem Tisch. Das ist auf den ersten Blick ziemlich logisch. Man bekommt eine moderne Elektroplattform, brauchbare Batterietechnik, fertigen Antrieb, Großserienqualität, Ladefähigkeit, Innenraum, Software, Fahrwerk und Ersatzteilrealität.

Für den Preis klingt das fast zu gut.

Genau dort liegt aber das Problem. Der Tesla ist nicht zum schlecht zum Umschlachten, er ist nur für diese Idee falsch. Das Model 3 ist eine viertürige Limousine mit 4.720 Millimetern Länge, 1.440 Millimetern Höhe und 2.875 Millimetern Radstand. Damit bringt es eine lange Limousinenbasis, feste B-Säulen, große Glasflächen, vier Türen und eine Karosseriestruktur mit, die nicht freiwillig zu meinem flachen Retro-Coupé mutiert.

Wer aus so einer Basis ein tiefes, zweitüriges, klassisches Grand-Tourer-Coupé machen will, kämpft gegen das Auto. Die Dachlinie ist zu hoch, die Seitenstruktur zu festgelegt, die Türgeometrie falsch, der Radstand lang, und jede Änderung an Glas, Säulen, Türen oder Crashstruktur öffnet eine technische Büchse, in der sehr viele teure Würmer wohnen.

Moderne Autos sind keine Lego-Plattformen

Ein Tesla Model 3 hat kein separates Leiterrahmen-Chassis, auf das man einfach eine hübsche Hütte schraubt. Das Fahrzeug ist eine integrierte Struktur aus Aluminium- und Stahlkomponenten, Hochvolt-Batterie, Crashzonen, Sensorik, Airbags, Steuergeräten, Kabeln, Kameras, Türen, Dichtungen und Softwarelogik.

Tesla beschreibt im eigenen Reparaturmaterial, dass die Karosseriestruktur aus verschiedenen Stahl- und Aluminiumqualitäten besteht und Reparaturen nur an definierten Stellen und nach bestimmten Verfahren zulässig sind. Beim Hochvoltsystem wird es noch deutlicher: In der Tesla-Servicedokumentation stehen Warnungen, nicht in das Hochvolt-Batteriegehäuse zu schneiden und nicht in der Nähe von Hochvolt-Batterien zu bohren, zu schneiden oder zu schweißen.

Damit wird die Idee nicht unmöglich, aber sie wird sehr erwachsen.

Eine neue Front ist nicht nur ein Gesicht. Sie beeinflusst Luftführung, Fußgängerschutz, Scheinwerfer, Sensorfelder, Kameras, Haubenverriegelung und Crashverhalten. Ein neues Heck betrifft Leuchten, Kamera, Dichtungen, Wasserablauf, Crashträger und Kennzeichenposition. Andere Türen wären sofort Seitenaufprall, Airbags, Dichtungen, Fensterheber, Verriegelung und Rettungszugang.

Das ist nicht mehr Styling, das ist Systemeingriff. Egal, lass‘ mal kalkulieren….

Die erste ehrliche Rechnung

Mit einem gebrauchten Tesla Model 3 für 20.000 Euro als Basis ergeben sich drei völlig unterschiedliche Preiswelten.

VarianteWas passiert wirklich?StraßenzulassungRealistische Gesamtkosten inkl. Tesla
Optisches BodykitDie Serienkarosse bleibt, außen kommen neue Anbauteile, Schürzen, Schweller, Hauben, Kotflügel oder Details dazu.vergleichsweise realistischca. 80.000–150.000 €
Echtes Rebody-EinzelstückDie Sicherheitszelle bleibt möglichst unangetastet, Außenhaut, Licht, Glasdetails, Paneele und Anmutung werden stark verändert.möglich, aber teuer und prüfungsintensivca. 300.000–600.000 €
Eigene Karosse mit StrukturänderungTesla dient im Kern nur noch als Technikspender, Dach, Türen, Glas, Struktur und Proportionen werden neu gedacht.extrem schwierigeher ab 1.000.000 €

Die 60.000 bis 120.000 Euro aus der ersten Einschätzung sind damit nicht falsch. Sie passen nur eher zu einem kontrollierten Kleinserienmodell, bei dem der Hersteller die Individualisierung als hochpreisiges Paket verkauft und Werkzeuge sowie Prozesse auf mehrere Fahrzeuge verteilt.

Für ein freies Einzelstück auf einem einzelnen gebrauchten Tesla ist diese Summe zu freundlich.

Mein Arbeitswert für ein ernsthaftes, hochwertiges, legal angestrebtes Einzelstück auf Model-3-Basis bleibt deshalb bei etwa 450.000 Euro.
Nicht, weil Kunststoff oder Carbon allein so teuer wären, sondern weil Design, Engineering, Lichtintegration, Sensorik, Wasserführung, Spaltmaße, Lack, Montage, Nacharbeit, Gutachten und Risiko bezahlt werden müssen.

Ein Serienhersteller verteilt Fehler auf viele Fahrzeuge. Ein Einzelstück verteilt Fehler auf deinen Kontostand.

Der rechtliche Elefant steht direkt neben der Hebebühne

In Deutschland reicht es nicht, dass ein Auto schön ist und fährt. Es muss legal sein.

Ein individuelles Bodykit ist nur dann zulassungsfähig, wenn es eine gültige Teilegenehmigung oder eine erfolgreiche Einzelabnahme gibt. Ohne entsprechende Unterlagen kann die Betriebserlaubnis erlöschen, und das Fahrzeug darf dann nicht mehr regulär im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden.

Die StVZO macht diesen Punkt ebenfalls deutlich. Nach § 19 kann die Betriebserlaubnis bei Änderungen erlöschen, wenn die Fahrzeugart geändert wird, eine Gefährdung zu erwarten ist oder Abgas- beziehungsweise Geräuschverhalten verschlechtert werden. Für Fahrzeuge, die nicht mehr zu einem genehmigten Typ passen, wird § 21 wichtig: Dann braucht es ein Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen oder Technischen Dienstes, damit eine Betriebserlaubnis für das Einzelfahrzeug beantragt werden kann.

Der Prüfer ist bei so einem Projekt also nicht der Mensch, den man am Ende mit einem fertigen Auto überrascht.

Er ist einer der ersten Menschen, mit denen man sprechen muss.

So schnell gebe ich aber nicht auf

Jetzt kommt der Teil, an dem Vernunft normalerweise aufgibt.

Ich aber nicht.

Nach der ersten Kalkulation hätte man sagen können: Gut, dann lassen wir das. 450.000 Euro für ein Auto auf Tesla-Basis sind völlig bescheuert, und wer keine eigene Fahrzeugentwicklung bezahlen möchte, landet eben wieder im Konfigurator.

Leider hatte ich aber bereits ein klares Bild im Kopf.

Ein eigenständiges anthrazitfarbenes Coupé. Flüssige Form, flache Silhouette, vorne ein Hauch alter Silberpfeil, hinten ein bisschen italienischer Gran-Turismo-Traum, zwei Türen, tiefer Stand, Retrotouch ohne Nostalgie-Kostüm, modernes Elektrofundament und genug Messeglanz, um jede Kostenkalkulation für mindestens drei Sekunden zum Schweigen zu bringen.

Dieses Design ging trotz der niederschmetternden Zahlen wieder an den Fahrzeugbauer, mit der ziemlich erwachsenen Bitte: Rechne mal aus, was das kostet. Mir egal, ich will genau den.

Und genau daraus entstand der zweite, eigentlich noch spannendere Teil der Geschichte.

Denn plötzlich ging es nicht mehr nur um die Frage, was ein Einzelstück kostet. Es ging um die bessere Frage: Welches E-Auto wäre als Spender überhaupt sinnvoll?

Der Tesla ist nicht wirklich scheiße, er passt nur scheiße

Der Tesla Model 3 ist als Spender nicht schlecht, weil das Auto technisch schlecht wäre. Im Gegenteil: Für 20.000 Euro ist so ein gebrauchter Tesla als Technikpaket ziemlich stark. Batterie, Antrieb, Software, Ladefähigkeit, Fahrwerk und Großserienbasis sind für das Geld irgendwie super.

Für mein Karosseriedesign ist er trotzdem die falsche Ausgangslage.

Aus einer viertürigen Limousine ein flaches, zweitüriges Retro-GT-Coupé zu machen, heißt nicht, ein paar Paneele anders zu formen. Es bedeutet, eine ganze Fahrzeugproportion umzuerziehen. Die Silhouette, die Glasflächen, die B-Säule, der Dachbogen, die Türen und der Seitenaufbau schreien weiterhin Limousine, während das Wunschauto Coupé, Roadster und klassischer Grand Tourer sein möchte.

Man kann das sicherlich kaschieren oder sehr viel Geld reinballern. Ersatzweise Oberflächen, Front, Heck und Details verändern.

Aber ein Projekt wird nicht dadurch günstiger, dass man mit der falschen Basis anfängt.

Manchmal ist das billigere Spenderauto am Ende teurer, weil es von Anfang an gegen die Idee arbeitet.

Wonach man wirklich suchen müsste

Für mein Traumauto braucht man keine günstige Limousine, sondern ein Fahrzeug, das die richtige Grundhaltung schon mitbringt. Zwei Türen wären wichtig, eine niedrige Dachlinie ebenfalls. Breite Spur, kurzer bis mittlerer Radstand, sportliche Sitzposition, elektrische Plattform, vorhandene Zulassung, möglichst wenig Eingriff in tragende Struktur und genug technische Substanz gehören ebenfalls dazu.

Das ideale Spenderauto wäre also kein praktisches Alltagsmodell, sondern ein emotionales E-Fahrzeug mit Sportwagenproportionen.

KriteriumWarum es wichtig ist
Zwei TürenJede Tür weniger reduziert Struktur-, Dichtungs-, Airbag- und Glasprobleme.
Niedrige HöheEin flaches Coupé lässt sich nicht glaubwürdig aus einem hohen Limousinendach schnitzen.
Sportliche GrundproportionLange Haube, breite Spur und kompakter Aufbau helfen dem Design enorm.
Vorhandene EV-TechnikBatterie, Kühlung, Antrieb, Ladesystem und Steuerung sollten Serienstand haben.
Möglichst unveränderte SicherheitszelleJe weniger Crashstruktur angefasst wird, desto realistischer wird die Abnahme.
Gute TeileversorgungExoten sind schön, aber bei Umbau, Reparatur und Dokumentation oft nervig.
Bezahlbare BasisDas Spenderauto darf nicht schon so teuer sein, dass der Umbau endgültig absurd wird.

Genau aus diesen Kriterien entsteht ein anderes Ranking als beim normalen Autokauf. Das beste Auto ist nicht automatisch der beste Spender. Entscheidend ist, welches Fahrzeug die wenigsten teuren Konflikte erzeugt.

Der realistischste Kandidat: MG Cyberster

Nicht, weil der Wagen perfekt ist, sondern weil er die wichtigsten Voraussetzungen schon mitbringt: Er ist ein rein elektrischer Roadster, hat zwei Türen, zwei Sitze, eine niedrige Linie, breite Proportionen, eine emotionale Grundidee und eine Serienplattform, die nicht erst von einer Familienlimousine in ein Coupé umgebogen werden muss. MG Deutschland nennt den Cyberster ab 65.490 Euro, mit 77-kWh-Batterie, 250 kW beziehungsweise 340 PS in der Basis und 375 kW beziehungsweise 510 PS beim XPOWER.

Auch die Proportionen passen deutlich besser. Der Cyberster ist rund 4,53 Meter lang und 1,91 Meter breit, dazu flach, zweisitzig und von Haus aus als emotionales Elektroauto gedacht.

Der wichtigste Unterschied zum Tesla liegt nicht im Preis, sondern im Karosserie-Konflikt. Beim Model 3 müsste man aus einer Limousine ein Coupé machen. Beim Cyberster müsste man aus einem Roadster einen Retro-Speedster, ein Fastback oder ein geschlossen wirkendes Show-Coupé entwickeln.

Das ist immer noch aufwendig.

Aber es ist nicht mehr gegen die Grundform gebaut.

Die beste Cyberster-Idee: nicht komplett neu, sondern klug drüber

Beim MG Cyberster wäre der vernünftige Weg nicht, das Auto komplett zu zerlegen. Die bessere Lösung wäre ein neues Außenkleid, das die bestehende Struktur respektiert.

Also keine wilde Änderung der tragenden Zelle, keine komplett erfundenen Türöffnungen und keine Experimente an der Hochvoltarchitektur. Stattdessen: neue Front, neues Heck, neue Seitenteile, ein hochwertiges Hardtop oder Fastback-Element, andere Lichtgrafik im legalen Rahmen, neue Oberflächen, andere Räder, Innenraumdetails und ein Finish, das aus dem Roadster einen retrofuturistischen Elektro-GT macht.

Damit bleibt das Projekt näher am genehmigten Fahrzeug. Windschutzscheibenrahmen, Schweller, Grundstruktur, Fahrwerk, Batterie, Innenraum und Sicherheitssysteme könnten weitgehend erhalten bleiben.

Genau dort liegt das Geld.

Nicht jeder eingesparte Schnitt spart nur Arbeitszeit. Jeder nicht angefasste Strukturpunkt spart Gutachten, Risiko, Nacharbeit und schlaflose Nächte.

Variante auf MG-Cyberster-BasisWas passiertGrobe Gesamtkosten inkl. Spenderfahrzeug
Design-Bodykitneue Front, neues Heck, Schweller, Räder, Lack, Details, Serienstruktur fast komplett erhaltenca. 140.000–220.000 €
Retro-Speedster / Fastbackgroße Teile der Außenhaut, hochwertiges Hardtop, neue Leuchten, Innenraumdetails, Einzelabnahmeca. 220.000–380.000 €
Echtes Coupétiefere Eingriffe in Dach, Glas, Dichtungen, Türen und Crash-/Sicherheitslogikca. 400.000–750.000 €
Vollständig eigene KarosseCyberster dient nur noch als Technikspendereher 800.000 € plus

Damit wäre der Cyberster nicht billig, aber realistischer. Der Spender kostet zwar deutlich mehr als ein gebrauchtes Model 3, doch die Umbauprobleme sind kleiner. Unter dem Strich kann das Projekt deshalb günstiger, sauberer und optisch überzeugender werden.

Der Porsche 718 EV wäre wahrscheinlich der Traumspender, sobald es ihn gibt

Wenn es nicht sofort sein muss, wäre der kommende elektrische Porsche 718 vermutlich die beste Basis.

Ein elektrischer Cayman oder Boxster bringt genau das mit, was dieses Design braucht: kompakte Sportwagenarchitektur, zwei Türen, niedrige Linie, breite Spur, gute Fahrdynamik, hochwertige Technik und eine Plattform, die von vornherein für ein emotionales Auto gedacht ist. Aktuelle Berichte zeigen nahezu ungetarnte Prototypen des elektrischen 718; technische Details sind noch nicht final, erwartet werden unter anderem 800-Volt-Architektur und Varianten mit Hinterrad- sowie Allradantrieb. Ein Marktstart könnte frühestens 2027 erfolgen.

Das Problem ist offensichtlich: Man kann heute noch keinen gebrauchten elektrischen 718 als Spender kaufen.

Für ein echtes Projekt müsste man warten, bis die Fahrzeuge verfügbar sind, die Reparaturinformationen klarer werden und irgendwann beschädigte oder gebrauchte Exemplare auf dem Markt landen.

Der Satz dazu ist einfach: Der Tesla ist der günstige Spender, der MG Cyberster der realistische Spender, und der elektrische Porsche 718 wäre wahrscheinlich der Traumspender, sobald er wirklich verfügbar ist.

Maserati Folgore: perfekt, aber als Spender völlig unvernünftig

Der Maserati GranTurismo Folgore wäre formal fast zu passend. Zweitüriges Elektro-Coupé, lang, flach, breit, edel und mit einer Technik, die zu einem elektrischen Grand Tourer gehört. Maserati nennt für den Folgore eine 800-Volt-Architektur, ein 92,5-kWh-Batteriepaket mit 83 kWh netto und 270-kW-DC-Laden an 800-Volt-Schnellladern.

Damit wäre die technische Basis hervorragend.

Leider ist sie wirtschaftlich absurd.

Ein Folgore ist als Spender viel zu teuer und eigentlich schon selbst das, was man bauen möchte: ein exklusives elektrisches GT-Coupé. Wer daraus ein anderes Einzelstück macht, bewegt sich nicht mehr im Bereich einer cleveren Umbauidee, sondern im Luxus-Coachbuilding.

Bei dieser Basis wäre ein fertiges Projekt schnell bei 600.000 Euro bis weit über eine Million. Dazu käme die berechtigte Frage, warum man ein bereits seltenes, teures und schönes Elektro-Coupé zerlegen sollte, nur damit es danach ein anderes schönes Elektro-Coupé ist.

Das kann man machen.

Man kann auch Champagner in den Scheibenwaschbehälter kippen, es bleibt trotzdem erklärungsbedürftig.

BMW i8: eigentlich spannend, aber thematisch nicht sauber

Der BMW i8 ist der freche Geheimtipp, wenn man nicht streng bei „rein elektrisch“ bleibt. Er ist flach, zweitürig, futuristisch und besitzt mit seiner LifeDrive-Architektur eine spannende Grundidee: Die Fahrgastzelle besteht aus carbonfaserverstärktem Kunststoff, während das Aluminium-Drive-Modul Antrieb, Hochvoltbatterie, Fahrwerk, Crashsystem und Strukturaufgaben bündelt.

Für Karosseriebauer klingt das erst einmal reizvoll.

Auch die Proportionen passen: Der i8 ist niedrig, breit, sportlich und anders genug, um ein Designprojekt zu tragen. Allerdings ist er kein reines Elektroauto, sondern ein Plug-in-Hybrid. Damit trägt er wieder Verbrennungstechnik, Abgas, Tank, Kühlung und mechanische Zusatzkomplexität in das Projekt.

Für einen Artikel über ein vollelektrisches Traumauto ist der i8 deshalb nicht sauber genug.

Als Gedankenspiel bleibt er interessant. Als Evi-Projekt würde ich ihn aber nur dann nehmen, wenn die Rein-Elektro-Vorgabe aufgegeben wird.

Taycan und e-tron GT: technisch stark, aber zu groß

Porsche Taycan und Audi e-tron GT wären technische Premiumspender. Viel Leistung, gute Plattform, 800-Volt-Welt, starke Fahrdynamik und erwachsene Großserienqualität.

Für dieses konkrete Design sind sie aber nicht ideal.

Beide sind groß, lang, viertürig und teuer. Man kann daraus ein sehr elegantes Luxus-Einzelstück bauen, aber nicht ohne wieder gegen Türen, Dachlinie, Radstand, Seitenstruktur und Karosserielogik zu arbeiten.

Das Problem wäre ähnlich wie beim Tesla, nur teurer.

Wer ein viertüriges Elektro-GT-Fahrzeug in ein flaches zweitüriges Retro-Coupé verwandeln will, bezahlt am Ende viel Geld dafür, dass die Basis nicht von Anfang an passt.

Die Spenderfahrzeuge im Vergleich

BasisfahrzeugEignung für Evis TraumkarosseWarum es passtWarum es schwierig bleibt
MG Cyberster8,5/10zweisitzig, zweitürig, niedrig, elektrisch, sportlich, verfügbarRoadster-Basis; echtes Coupé nur mit vorsichtigem Hardtop-/Fastback-Konzept sinnvoll
Porsche 718 EV9/10, aber Zukunftvermutlich perfekte Sportwagenproportion, kompakt, niedrig, elektrischnoch nicht regulär verfügbar, technische Details und Preise offen
Maserati GranTurismo Folgore7,5/10 technisch, 2/10 wirtschaftlichechtes Elektro-GT-Coupé, starke Technik, passende Grundhaltungals Spender viel zu teuer und eigentlich schon zu schade
BMW i88/10 formal, aber nicht rein elektrischflach, leicht, Carbon-Fahrgastzelle, SportwagenproportionenPlug-in-Hybrid, damit thematisch und technisch nicht sauber vollelektrisch
Tesla Model 34/10günstig, verfügbar, technisch solide, viel Großserieviertürige Limousine, hoher Strukturkonflikt, falsche Proportion
Porsche Taycan / Audi e-tron GT5/10starke EV-Technik, hochwertig, dynamischzu groß, viertürig, teuer und für ein kleines Retro-Coupé ungünstig

Diese Tabelle sagt eigentlich alles. Der Tesla gewinnt beim Einstiegspreis, verliert aber bei der Form. Der Cyberster kostet mehr, spart aber Ärger. Der Porsche 718 EV könnte irgendwann die sauberste Basis werden, während Maserati und BMW eher Gedankenfutter für Menschen sind, die entweder sehr viel Geld oder eine sehr flexible Definition von Vernunft haben.

Neue Gesamtrechnung: Was würde „genau der“ kosten?

Wenn ich mein gezeichnetes Traumauto ernst nehme, würde ich die Kalkulation heute nicht mehr auf dem Tesla Model 3 aufbauen. Der Tesla bleibt als Gedankenexperiment nützlich, aber für die konkrete Karosserie würde ich den MG Cyberster als realistischsten Spender setzen.

ProjektstufeTesla Model 3 als BasisMG Cyberster als BasisEinordnung
Gutes Design-Bodykit80.000–150.000 €140.000–220.000 €Tesla günstiger, Cyberster optisch stimmiger
Sehr hochwertiger Rebody300.000–600.000 €220.000–380.000 €Cyberster wird trotz teurer Basis realistischer
Echtes Coupé mit stärkerer Dach-/Glasänderung600.000–1.000.000 €400.000–750.000 €beide teuer, Cyberster bleibt näher am Ziel
Vollständiger Coachbuildab 1.000.000 €ab 800.000 €nur noch für Sammler, Manufaktur oder Wahnsinn mit Kapital

Die wichtigste Erkenntnis ist also nicht, dass der MG Cyberster billig wäre. Das ist er nicht. Entscheidend ist, dass er weniger falsch ist.

Ein billiger Spender mit falscher Geometrie erzeugt teure Korrekturen. Ein teurerer Spender mit passender Grundform kann am Ende günstiger sein, weil man weniger gegen Struktur, Proportion und Zulassung kämpft.

Das ist eine schöne Lektion, nicht nur für Autos.

Wie ich das Auto bauen würde

Mein vernünftiger Evi-Plan sähe so aus:

Ich würde einen MG Cyberster nehmen, die tragende Struktur so weit wie möglich unangetastet lassen und das Projekt als Retro-Elektro-Speedster beziehungsweise Fastback-Roadster denken. Kein komplett neues Dach mit neuen Säulen, keine Experimente an Airbags, Crashzonen und Hochvolt. Stattdessen ein hochwertiges Hardtop oder Fastback-Element, eine völlig neue Front, ein elegantes Heck, andere Leuchten im zulässigen Rahmen, eigene Kotflügel, neue Schweller, neue Räder, Innenraumdetails und eine Lackierung, die aussieht, als hätte jemand endlich wieder Lust auf Schönheit gehabt.

Die Karosse dürfte nicht schreien: Ich bin ein umgebauter MG.

Sie müsste flüstern: Ich bin das Auto, das irgendein Hersteller hätte bauen sollen.

Gleichzeitig müsste der Sachverständige von Anfang an eingebunden sein. Jede Kante, jedes Licht, jedes Befestigungsteil, jede Radabdeckung, jede Sichtlinie und jede sicherheitsrelevante Änderung müsste vorab durchdacht werden.

Nicht romantisch, aber notwendig.

Was aus der ersten Idee übrig bleibt

Die ursprüngliche Idee war: Tesla kaufen, Technik behalten, Außenhaut neu, fertig ist mein eigenes Auto.

Nach der zweiten Runde ist die Idee erwachsener geworden.

Heute würde ich sagen: Der Traum bleibt, aber der Spender ändert sich. Das Prinzip ist weiterhin richtig. Großserientechnik als Basis, eigene Karosserie als Charakter, kontrollierter Umbau statt kompletter Neuentwicklung. Nur das Model 3 ist für genau dieses Auto nicht die beste Grundlage.

Aus „Alles scheiße, ich bau mir ein Auto“ wird also:

Alles scheiße, ich baue mir ein Auto, aber diesmal nehme ich nicht das billigste Spenderfahrzeug, sondern das passende.

Das klingt weniger trotzig.

Aber es spart vermutlich sechsstellige Dummheiten.

Was wäre wirklich bezahlbar?

Die schönste Version bleibt teuer. Ein Cyberster-basierter Retro-GT mit richtigem Messefinish, sauberer Einzelabnahme, hochwertiger Lackierung, neuen Außenpaneelen, Hardtop/Fastback, Leuchtenintegration und Innenraumdetails läge aus meiner Sicht realistisch bei 250.000 bis 350.000 Euro.

Das ist immer noch völlig irre.

Aber es ist eine andere Art von irre als 600.000 Euro aufwärts für einen Tesla, den man erst aus seiner Limousinenhaut befreien muss.

WunschSinnvolle BasisRealistische Zielkosten
„Ich will einfach etwas Eigenes, aber legal und fahrbar.“Tesla Model 3 oder MG Cyberster mit Bodykit100.000–220.000 €
„Ich will genau dieses schöne Retro-Elektro-Coupé.“MG Cyberster250.000–380.000 €
„Ich will ein echtes geschlossenes Coupé mit neuer Dachlinie.“Porsche 718 EV, sobald verfügbar, oder Cyberster mit hohem Aufwand400.000–750.000 €
„Ich will ein perfektes Manufaktur-Einzelstück.“Maserati Folgore, Porsche 718 EV oder eigene Plattformab 800.000 €

Damit landet der Traum nicht im Bereich „normaler Autokauf“, sondern im Bereich „Manufaktur-Einzelstück“. Trotzdem ist der Unterschied wichtig: Mit der richtigen Basis wird aus einer absurden Idee wenigstens eine technisch nachvollziehbare.

Die kleine rechtliche Evi-Warnung

Dieser Artikel ist keine Bauanleitung, kein technisches Gutachten und keine Empfehlung, ein Hochvoltfahrzeug selbst umzubauen. Wer an einem Elektrofahrzeug strukturell, karosserieseitig oder hochvolttechnisch arbeitet, braucht Fachbetrieb, Qualifikation, Herstellerinformationen, Sachverständige und eine Abstimmung vor dem Umbau.

Gerade bei Hochvolt, Airbags, Crashstruktur, Beleuchtung, Lenkung, Bremsen, Sensorik und Assistenzsystemen hört der Spaß auf. Dort geht es nicht um Geschmack, sondern um Sicherheit.

Auch versicherungsseitig wäre so ein Fahrzeug kein normaler Gebrauchtwagen mehr. Umbau, Wert, Gutachten, Sonderteile und Nutzung müssten sauber dokumentiert und gemeldet werden. Ein Auto, das in den Papieren noch wie ein Serienfahrzeug wirkt, aber faktisch ein Einzelstück ist, möchte man im Schadenfall nicht erklären müssen.

Wer so etwas ernsthaft plant, spricht zuerst mit Karosseriebauer, Sachverständigem und Versicherung.

In genau dieser Reihenfolge.

Fazit: Der Traum bleibt, aber der Tesla fliegt raus

Ich gebe zu: Das Traumauto hat mich erwischt.

Anthrazit, flach, zwei Türen, Retro-Touch, moderne Elektroplattform, wunderschöne Front, elegantes Heck und diese Mischung aus klassischem Grand Tourer und Zukunftsmesse. Genau so ein Auto fehlt mir in der echten Welt.

Aber nach der Rechnung ist klar: Der gebrauchte Tesla Model 3 war der naheliegende Spender, nicht der beste. Er ist günstig, verfügbar und technisch stark, aber seine Limousinenstruktur arbeitet gegen das Design.

Der MG Cyberster wäre aktuell die realistischere Basis. Teurer im Einkauf, aber besser in der Form. Der kommende Porsche 718 EV könnte irgendwann der Traumspender werden, sobald er wirklich verfügbar ist. Der Maserati Folgore wäre technisch brillant, aber als Spender wirtschaftlich albern. Der BMW i8 sieht verführerisch passend aus, ist aber kein reines Elektroauto.

Damit bleibt die Antwort auf die große Frage erstaunlich einfach:

Ja, man könnte sich dieses Auto bauen, nein, es wäre nicht vernünftig.

Mit Tesla wäre es vermutlich zu teuer, weil die Basis falsch ist. Mit Cyberster wäre es immer noch teuer, aber wenigstens nicht komplett gegen die Physik, Geometrie und Zulassung gedacht.

Vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis aus dieser ganzen Autospinnerei: Manchmal scheitert ein Traum nicht daran, dass er technisch unmöglich ist. Er scheitert nur daran, dass man beim ersten Versuch das falsche Auto opfern wollte.

Und ganz ehrlich: Wenn ich das Geld hätte, würde ich trotzdem anfangen zu telefonieren.

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