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Autoindustrie & Markt

89 Jahre Mercedes, sind Autos wirklich immer schwerer geworden?

Sind moderne Autos wirklich immer schwerer geworden? Der Vergleich eines Mercedes 320 W 142 von 1937 mit aktuellem C 200 und E 200 liefert ein überraschendes Ergebnis: Beide heutigen Autos sind leichter, obwohl sie mehr als doppelt so viel leisten, fast doppelt so schnell fahren und rund zwei Drittel weniger Kraftstoff brauchen. Wir haben Gewicht, Verbrauch, Leistung, Geschwindigkeit, Preis und sogar die Frage durchgerechnet, was der Oldtimer mit einem modernen Motor verbrauchen würde.

89 Jahre Mercedes, sind Autos wirklich immer schwerer geworden?
89 Jahre Mercedes, sind Autos wirklich immer schwerer geworden?

Heute: Sind Autos schwerer geworden?
Der Mercedes 320 von 1937 gegen C 200 und E 200 von heute

Moin ihr Lieben, manchmal braucht es gar keinen komplizierten Labortest, um eine ziemlich fest sitzende Überzeugung ins Wanken zu bringen. Diesmal reichen drei Mercedes-Limousinen und ein Blick in ihre technischen Daten.

Auf der einen Seite steht der Mercedes-Benz Typ 320 der Baureihe W 142 aus dem Jahr 1937. Auf der anderen Seite stehen zwei aktuelle Fahrzeuge: der C 200 und der E 200.

Warum gleich zwei moderne Mercedes? Weil genau darin schon die erste Überraschung dieses Vergleichs steckt. Wer einfach nur „Mittelklasse damals gegen Mittelklasse heute“ sagt, landet ziemlich schnell bei der C-Klasse. Wer dagegen Größe, Anspruch und gesellschaftliche Stellung betrachtet, muss eher zur E-Klasse greifen.

Der W 142 war über fünf Meter lang, hatte 3,30 Meter Radstand und war alles andere als ein kleines Alltagsauto. Deshalb ist die C-Klasse der interessante Vergleich nach heutiger Klasseneinteilung, während die E-Klasse der bessere Vergleich nach Format und Anspruch ist.

Und dann wird es spannend, denn der alte Mercedes ist nicht leichter.

Im Gegenteil.


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Drei Mercedes, fast 90 Jahre Entwicklung

KennzahlMercedes 320 W 142 IIMercedes C 200 aktuellMercedes E 200 aktuell
Bauzeit / Stand1937–193920262026
MotorR6, VergaserR4 Turbo, MildhybridR4 Turbo, Mildhybrid
Hubraum3.208 cm³1.999 cm³1.999 cm³
Leistung78 PS177 PS + bis zu 23 PS Boost204 PS + bis zu 23 PS Boost
Drehmomentca. 218 Nm250 Nm320 Nm
Getriebe4-Gang manuell9G-TRONIC9G-TRONIC
AntriebHinterradHinterradHinterrad
0–100 km/hkeine belastbare Werksangabe8,5 s7,5 s
Höchstgeschwindigkeit126 km/h232 km/h240 km/h
Verbrauchca. 18 l/100 km6,2–6,8 l/100 km6,4–7,3 l/100 km
Leergewichtca. 1.850–1.950 kg1.705 kg EU1.815 kg EU
Längeca. 5,10–5,25 m4,766 m4,949 m
Breiteca. 1,77–1,85 m1,820 m1,904 m
Radstand3,30 m2,865 m2,961 m
Tankinhaltca. 72 l66 l66 l
Preis8.950 RMaktuell ab 42.982,32 € im Mercedes-Angebotrund 61.500 €

Die historischen Eckdaten des W 142 stammen aus der vorliegenden Recherche und dem Mercedes-Archiv. Mercedes nennt für den aktuellen C 200 177 PS plus bis zu 23 PS Mildhybrid-Boost, 250 Nm, 232 km/h, 6,2 bis 6,8 Liter Verbrauch und 1.705 Kilogramm EU-Leergewicht. Beim E 200 stehen 204 PS plus 23 PS Boost, 320 Nm, 240 km/h, 6,4 bis 7,3 Liter und 1.815 Kilogramm gegenüber.

Schon diese Tabelle macht klar, warum ich diesen Vergleich mag. Der alte Mercedes hat rund 60 Prozent mehr Hubraum als die modernen Autos, aber weniger als die Hälfte der Leistung des C 200 und deutlich weniger als 40 Prozent der Leistung des E 200. Gleichzeitig braucht er fast dreimal so viel Kraftstoff.

Überraschung Nummer eins: Der alte Mercedes ist der Schwerste

Wir reden ständig darüber, wie schwer moderne Autos geworden sind. Das stimmt in vielen Modellreihen natürlich auch. Fahrzeuge wachsen, bekommen mehr Komfort, mehr Elektronik, größere Räder, mehr Dämmung und immer umfangreichere Sicherheitstechnik. Dazu kommen bei elektrifizierten Varianten Batterien und zusätzliche Leistungselektronik.

Nur funktioniert dieser Satz nicht automatisch, sobald man weit genug in die Geschichte zurückgeht.

Der lange W 142 Typ 320 bringt je nach Ausführung ungefähr 1.850 bis 1.950 Kilogramm auf die Waage. Rechnen wir mit einem Mittelwert von rund 1.900 Kilogramm. Der aktuelle C 200 liegt bei 1.705 Kilogramm. Das sind rund 195 Kilogramm weniger, also gut zehn Prozent.

Selbst die deutlich größere E-Klasse bleibt mit 1.815 Kilogramm noch ungefähr 85 Kilogramm unter unserem historischen Vergleichswert.

Das finde ich deshalb so bemerkenswert, weil der moderne Mercedes gleichzeitig Dinge mit sich herumträgt, die 1937 schlicht nicht existierten: Airbags, Gurtstraffer, ABS, ESP, Crashstrukturen, Klimaanlage, Katalysator, Ottopartikelfilter, Kameras, Radar, Infotainment, eine Vielzahl von Steuergeräten, 48-Volt-Technik, elektrische Komfortsysteme und ein Neungang-Automatikgetriebe.

Der W 142 dagegen besitzt einen massiven Rahmen, eine große Karosserie, schwere Stahlstrukturen und sehr großzügige Außenabmessungen. Er ist über fünf Meter lang und kommt auf einen Radstand von 3,30 Metern.

Mit anderen Worten: Nicht jede Gewichtszunahme im modernen Auto bedeutet, dass das Gesamtauto am Ende zwangsläufig schwerer als seine Vorgänger sein muss. Werkstoffe, Konstruktion und Bauraumoptimierung haben ebenfalls enorme Fortschritte gemacht.

Das Ergebnis widerlegt also nicht die Tatsache, dass viele heutige Autos gegenüber ihren direkten Vorgängern schwerer geworden sind. Es zeigt vielmehr, wie vorsichtig wir mit pauschalen Aussagen sein sollten. Gegen einen großen Vorkriegs-Mercedes ist selbst eine moderne E-Klasse erstaunlich leicht.


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78 PS gegen 177 und 204 PS: Das Leistungsgewicht erzählt die Geschichte noch deutlicher

Beim Gewicht allein bleibt der Unterschied beinahe unspektakulär. Beim Verhältnis von Leistung zu Gewicht passiert dagegen richtig etwas.

Der W 142 kommt bei rund 1.900 Kilogramm und 78 PS auf ungefähr 41 PS je Tonne.

Der C 200 erreicht mit 177 PS Verbrennerleistung bereits rund 104 PS je Tonne, ohne den kurzfristigen elektrischen Boost einzurechnen. Der E 200 liegt mit seinen 204 PS bei rund 112 PS je Tonne.

Damit hat sich das Leistungsgewicht gegenüber dem W 142 ungefähr verzweieinhalbfacht.

Und das bei geringerem Verbrauch.

Noch deutlicher wird es bei der Höchstgeschwindigkeit. Der 320 schafft rund 126 km/h. Der C 200 läuft 232 km/h, der E 200 240 km/h. Die E-Klasse ist damit fast doppelt so schnell, obwohl ihr Motor nur 1.999 statt 3.208 Kubikzentimeter Hubraum besitzt.

Das ist Downsizing in seiner eigentlich sinnvollen Bedeutung: nicht einfach ein kleinerer Motor, sondern mehr nutzbare Leistung aus weniger Hubraum, kombiniert mit Aufladung, präziser Einspritzung, elektronischem Motormanagement und einem Getriebe, das den Motor viel häufiger im günstigen Betriebsbereich halten kann.

Der größte Sprung liegt beim Verbrauch

Beim W 142 stehen rund 18 Liter Benzin je 100 Kilometer im Raum. Der aktuelle C 200 wird mit 6,2 bis 6,8 Litern angegeben, der E 200 mit 6,4 bis 7,3 Litern.

Natürlich dürfen wir historische Verbrauchsangaben und heutige WLTP-Werte nicht so behandeln, als wären sie mit identischer Messmethodik entstanden. Trotzdem ist die Größenordnung eindeutig.

Nehmen wir beim C 200 den Mittelwert von 6,5 Litern, dann liegt der Kraftstoffverbrauch rund 64 Prozent unter dem des W 142. Beim E 200 mit einem Mittelwert von 6,85 Litern sind es etwa 62 Prozent weniger.

Das Erstaunliche daran ist nicht nur, dass die heutigen Autos weniger verbrauchen. Sie leisten gleichzeitig mehr als doppelt so viel, beschleunigen wesentlich schneller und erreichen fast die doppelte Höchstgeschwindigkeit.

Genau an dieser Stelle sollte man allerdings nicht Leistung durch Liter Verbrauch teilen und das Ergebnis „Wirkungsgrad“ nennen. Thermodynamischer Motorwirkungsgrad und Verbrauch des gesamten Fahrzeugs sind zwei verschiedene Dinge.

Was wir hier sicher sehen können, ist die Effizienz des Gesamtsystems: Für dieselbe Strecke braucht das moderne Auto nur ungefähr ein Drittel der Kraftstoffmenge und stellt trotzdem ein Vielfaches der Fahrleistung bereit.

Was würde der W 142 mit einem modernen Motor verbrauchen?

Jetzt kommt der Teil, den man nicht messen, aber sinnvoll modellieren kann.

Wir lassen den alten Mercedes äußerlich so, wie er ist. Seine hohe Front bleibt, seine großen Kotflügel bleiben, seine Stirnfläche bleibt, und auch das grundsätzlich ungünstigere aerodynamische Konzept bleibt.

Dann nehmen wir den alten 3,2-Liter-Sechszylinder heraus und bauen gedanklich einen heutigen Zweiliter-Turbobenziner mit Direkteinspritzung, moderner Motorsteuerung, 48-Volt-System und lang übersetztem Mehrganggetriebe ein.

Der Verbrauch würde drastisch fallen.

Ein plausibler Praxisbereich liegt nach unserer Modellrechnung ungefähr zwischen 8,5 und 11 Litern je 100 Kilometer. Das wären rund 39 bis 53 Prozent weniger als beim Original. Genau in diesem Bereich landet auch die zugelieferte Vergleichsrechnung.

Aber er würde vermutlich trotzdem nicht auf die 6 bis 7 Liter eines heutigen C 200 oder E 200 kommen.

Dafür ist der Motor nur ein Teil der Geschichte.

Bei niedrigen Geschwindigkeiten spielen Masse, Rollwiderstand, Getriebeverluste und Nebenaggregate eine große Rolle. Mit steigender Geschwindigkeit übernimmt jedoch die Aerodynamik immer stärker die Rechnung. Der Luftwiderstand wächst ungefähr mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, der Leistungsbedarf zur Überwindung dieses Widerstands sogar ungefähr mit der dritten Potenz.

Deshalb wird eine große, aufrechte Karosserie bei Autobahntempo energetisch teuer.

Der moderne Motor würde den W 142 also verwandeln, aber er könnte die Karosserie von 1937 nicht in einen modernen Effizienzwagen verwandeln. Genau deshalb ist der Fortschritt der vergangenen neun Jahrzehnte kein Motorenfortschritt allein.

Es ist Systementwicklung.

Gleicher Tank, völlig andere Reichweite

Auch das lässt sich schön zeigen. Der W 142 kommt mit etwa 72 Litern Tankinhalt und 18 Litern Verbrauch rechnerisch auf rund 400 Kilometer Reichweite.

C 200 und E 200 besitzen serienmäßig 66-Liter-Tanks.

Mit 6,5 Litern gerechnet schafft der C 200 theoretisch gut 1.000 Kilometer. Der E 200 kommt bei 6,85 Litern auf ungefähr 960 Kilometer.

Natürlich sind solche Reichweiten nur mathematische Vergleichswerte und keine Garantie für den Alltag. Trotzdem zeigen sie, was technische Effizienz praktisch bedeutet: Der moderne Mercedes trägt weniger Kraftstoff mit sich herum und kommt damit mehr als doppelt so weit.

Beim Preis wird es historisch besonders interessant

Die viertürige W-142-Limousine kostete 1937 rund 8.950 Reichsmark.

Nach dem Kaufkraftansatz der Deutschen Bundesbank entspricht eine Reichsmark von 1937 grob 5,30 Euro heutiger Warenkaufkraft. Damit landen wir bei ungefähr 47.400 Euro. Die Bundesbank weist ausdrücklich darauf hin, dass solche Kaufkraftäquivalente Näherungen sind und keine exakten historischen Wechselkurse darstellen.

Auf den ersten Blick wirkt das erstaunlich modern.

Der aktuelle C 200 wird auf der Mercedes-Seite derzeit mit einem Fahrzeugpreis ab 42.982,32 Euro gezeigt. Der zugrunde liegende Listenpreis liegt bei rund 48.843,55 Euro.

Beim E 200 liegen aktuelle Preisübersichten bei gut 61.500 Euro.

Wer jetzt daraus folgert, der Mercedes 320 sei damals ungefähr so erschwinglich gewesen wie eine C-Klasse heute, liegt allerdings daneben.

Kaufkraft ist nicht dasselbe wie Einkommensrelation.

Das durchschnittliche Jahresentgelt lag 1937 bei rund 1.856 Reichsmark. Ein W 142 zu 8.950 Reichsmark entsprach damit etwa 4,8 durchschnittlichen Jahresverdiensten.

Das ist eine völlig andere gesellschaftliche Position als die heutige C- oder E-Klasse.

Der 320 war ein ausgesprochen exklusives Repräsentationsauto.

Deshalb liefern beide Betrachtungen gemeinsam die ehrlichere Antwort: Gemessen an allgemeiner Warenkaufkraft wirkt sein Preis überraschend modern. Gemessen am Einkommen war der Wagen extrem teuer.

C-Klasse oder E-Klasse: Welcher Vergleich ist eigentlich fairer?

Genau hier lohnt es sich, nicht vorschnell einen Sieger zu bestimmen.

Die C-Klasse passt zum Begriff „Mittelklasse“, den wir heute verwenden. Außerdem zeigt sie besonders eindrucksvoll, wie sehr moderne Konstruktion Gewicht sparen kann. Sie ist mehr als 30 Zentimeter kürzer als der W 142 und fast 200 Kilogramm leichter.

Die E-Klasse passt dagegen besser zum historischen Format. Mit knapp 4,95 Metern Länge kommt sie dem alten Mercedes deutlich näher, obwohl selbst sie noch kürzer ist. Auch Anspruch, Reisekomfort und Positionierung liegen näher an dem, wofür ein Mercedes 320 in den späten Dreißigerjahren stand.

Deshalb ergibt erst die Kombination aus beiden Vergleichen ein vollständiges Bild.

Der C 200 beantwortet die Frage: Was kann heutige Mittelklasse?

Der E 200 beantwortet eher die Frage: Wie viel moderner Mercedes steckt heute in einem ähnlich repräsentativen Fahrzeugformat?

Was ist wirklich besser geworden?

Bei Leistung, Verbrauch, Fahrleistungen, Reichweite, Sicherheit, Bremsen, Abgasreinigung, Komfort und Alltagstauglichkeit ist der Fortschritt kaum diskutabel.

Ein heutiger C 200 oder E 200 kann bei deutlich geringerem Kraftstoffverbrauch Geschwindigkeiten halten, für die der W 142 weder Leistung noch Fahrwerk, Reifen oder Bremsen besitzt.

Außerdem ist die Effizienzsteigerung nicht durch ein höheres Gewicht erkauft worden.

Genau das ist für mich das stärkste Ergebnis dieses Vergleichs.

Die moderne E-Klasse trägt ein Vielfaches an Technik, ist aber in unserem Vergleich immer noch leichter als der große Mercedes von 1937. Die C-Klasse unterbietet ihn sogar um rund zehn Prozent.

Dazu kommt die passive Sicherheit. Ein Vorkriegswagen kann massiv wirken, aber Masse und dickes Blech sind keine moderne Crashsicherheit. Definierte Knautschzonen, Fahrgastzelle, Rückhaltesysteme, Airbags und elektronische Stabilitätsprogramme verfolgen ein völlig anderes Konzept: nicht das Auto möglichst unversehrt zu lassen, sondern die Insassen.

Und was ist schlechter geworden?

Fortschritt hat einen Preis, und der lautet vor allem Komplexität.

Beim W 142 kann man die Funktionsweise fast des gesamten Fahrzeugs mechanisch nachvollziehen. Kraftstoffversorgung, Zündung, Getriebe und Fahrwerk sind mit klassischem Handwerk diagnostizierbar.

Beim modernen Mercedes hängen Motor, Getriebe, Abgasreinigung, Assistenzsysteme, Komfortfunktionen und teilweise sogar gewöhnliche Servicearbeiten an Sensoren, Software, Steuergeräten und Diagnosezugängen.

Das macht den neuen Mercedes nicht automatisch unzuverlässiger. Es verändert aber die Art, wie ein Auto altert und repariert wird. Ein defekter mechanischer Schalter und ein nicht mehr unterstütztes elektronisches Steuergerät sind zwei völlig verschiedene Probleme.

Auch die emotionale Materialität hat sich verändert. Der W 142 stammt aus einer Zeit, in der Rahmenbauweise, Karosserievarianten und handwerkliche Fertigung einen größeren Anteil am Charakter eines Autos hatten.

Ein heutiger Mercedes ist präziser, sicherer und objektiv leistungsfähiger, aber zugleich ein hochintegriertes Industrieprodukt, dessen einzelne Systeme viel weniger unabhängig voneinander existieren.

Fazit: Das moderne Auto ist nicht einfach fetter geworden. Es kann nur viel mehr

Ich bin ehrlich: Vor diesem Vergleich hätte ich erwartet, dass die moderne E-Klasse beim Gewicht klar über dem W 142 liegt. Schließlich schleppen wir heute gefühlt einen halben Serverraum, ein kleines Sicherheitssystem und ein Wohnzimmer mit Klimaanlage durch die Gegend.

Genau deshalb finde ich das Ergebnis so spannend.

Der W 142 wiegt um 1,9 Tonnen, hat 78 PS, fährt 126 km/h und braucht ungefähr 18 Liter. Ein heutiger C 200 ist rund 195 Kilogramm leichter, mehr als doppelt so stark und kommt mit ungefähr einem Drittel des Kraftstoffs aus. Selbst der größere E 200 bleibt leichter, leistet 204 PS und fährt 240 km/h.

Das bedeutet nicht, dass jedes moderne Auto leicht geworden ist. Ganz im Gegenteil. SUVs, Elektroautos, Komfortausstattung und immer größere Fahrzeugklassen haben den Gewichtstrend in vielen Segmenten kräftig nach oben geschoben.

Aber die Technik selbst hat nicht nur Gewicht produziert. Sie hat an vielen Stellen auch Gewicht eingespart, Leistung vervielfacht und den Energiebedarf drastisch reduziert.

Und vielleicht ist das die schönste Erkenntnis dieses kleinen Experiments: Wir vergleichen hier nicht einfach 78 mit 204 PS oder 18 mit 6,5 Litern.

Wir vergleichen zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein Auto leisten soll.

1937 sollte ein Mercedes 320 komfortabel, repräsentativ und schnell genug sein. 2026 soll ein Mercedes zusätzlich sauberer, sicherer, leiser, digital vernetzt, klimatisiert, automatisiert, crashoptimiert und trotzdem sparsamer sein.

Dass er all das kann und dabei nicht einmal schwerer sein muss, ist wahrscheinlich der eindrucksvollste Fortschritt von allen.

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