Gebrauchtwagenkauf, die wichtigste Formel: Gesamtkosten statt Tachostand

Moin liebe Gemeinde, heute geht es um eine dieser Fragen, bei denen viele Menschen beim Gebrauchtwagenkauf reflexartig in den Kilometerstand starren, als würde dort die ganze Wahrheit des Universums stehen.

90.000 Kilometer? Klingt gut.
150.000 Kilometer? Klingt nach Risiko.
180.000 Kilometer? Da hören manche innerlich schon das Getriebe weinen.

Aber so einfach ist es nicht.

Denn ein Auto mit 90.000 Kilometern kann eine wunderbar glänzende Kostenfalle sein. Ein Auto mit 150.000 oder sogar 180.000 Kilometern kann die deutlich vernünftigere Wahl sein, wenn die großen Reparaturen bereits erledigt sind, die Historie sauber ist und das Fahrzeug nicht nur gepflegt aussieht, sondern auch gepflegt wurde.

Genau darum geht es heute: Wann ist ein Auto mit höherer Laufleistung vielleicht die bessere Wahl als das vermeintlich frischere Exemplar mit weniger Kilometern?

Und warum ist der Kilometerstand zwar wichtig, aber längst nicht der alleinige Richter über gut, schlecht, kaufen oder wegrennen?


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Gebrauchtwagenkauf die Kurzfassung. Für alle, die gerade in einem Meeting oder vor einem Inserat sitzen

Der niedrigere Kilometerstand ist nicht automatisch besser.

Ein Auto mit 90.000 Kilometern kann günstiger im Kopf wirken, aber teurer in der Realität werden, wenn die typischen Verschleißteile, großen Wartungen und altersbedingten Reparaturen noch vor euch liegen.

Ein Auto mit 150.000 oder 180.000 Kilometern kann wirtschaftlich sinnvoller sein, wenn es gut gewartet wurde, viele bekannte Schwachstellen bereits behoben sind und der Kaufpreis das Restrisiko realistisch abbildet.

Die entscheidende Frage lautet also nicht nur:

„Wie viele Kilometer hat der Wagen?“

Sondern:

„Wie wurden diese Kilometer gefahren, was wurde bereits gemacht und was kommt wahrscheinlich als Nächstes?“

Warum wir so stark auf Kilometer reagieren

Beim Gebrauchtwagenkauf ist der Kilometerstand die bequemste Zahl. Er steht groß im Inserat, er ist leicht vergleichbar und er fühlt sich objektiv an. 90.000 ist weniger als 150.000. Also muss 90.000 besser sein. Fertig.

Leider funktioniert Technik nicht wie eine Schulnote.

Ein Kilometer auf der Autobahn ist nicht dasselbe wie ein Kilometer im kalten Stadtverkehr. Ein regelmäßig gewarteter Langstreckenwagen mit 150.000 Kilometern kann innerlich entspannter sein als ein Auto mit 90.000 Kilometern, das jahrelang nur zum Bäcker, zur Kita, zum Supermarkt und zurück gequält wurde.

Denn Autos verschleißen nicht nur durch Strecke. Sie verschleißen durch Nutzung, Alter, Temperatur, Last, Wartung, Stillstand, Fahrprofil und manchmal auch durch Vorbesitzer, die „wartungsfrei“ offenbar mit „egal“ verwechselt haben.

150.000 Kilometer sind nicht automatisch das Ende

Viele moderne Autos erreichen problemlos hohe Laufleistungen, wenn Wartung, Nutzung und Konstruktion mitspielen. Natürlich gibt es Problemkandidaten. Natürlich gibt es Motoren, Getriebe, Steuerketten, Abgasreinigungssysteme oder Elektronikthemen, bei denen man sehr genau hinschauen muss.

Aber die reine Zahl 150.000 ist nicht automatisch ein Todesurteil.

In vielen realen Fahrzeugleben ist das eher ein Bereich, in dem schon einiges passiert ist. Bremsen wurden wahrscheinlich schon einmal gemacht. Batterie vielleicht auch. Dämpfer, Querlenker, Radlager, Wasserpumpe, Kupplung, Zündkerzen, Glühkerzen, Automatikservice, Partikelfilterthemen oder andere klassische Verschleißposten können je nach Modell schon erledigt sein.

Und genau da wird es spannend.

Denn wenn ihr ein Auto kauft, kauft ihr nicht nur die Vergangenheit. Ihr kauft vor allem die Zukunft.

Das 90.000 Kilometer Auto: frisch oder kurz vor der Kostenwelle?

Ein Auto mit 90.000 Kilometern wirkt auf den ersten Blick attraktiv. Weniger gelaufen, weniger abgenutzt, mehr Leben übrig. Das kann stimmen.

Aber es kann auch der Punkt sein, an dem viele Dinge langsam fällig werden.

Je nach Auto können in diesem Bereich größere Wartungen, Bremsen, Reifen, Fahrwerksteile, Batterie, Flüssigkeiten, Riemen, Zündkerzen, Automatikservice oder erste teurere Altersprobleme anstehen. Bei manchen Modellen kommen Steuerketten, Wasserpumpen, Turbolader, Injektoren, AGR, Partikelfilter oder Doppelkupplungsgetriebe als mögliche Kandidaten dazu.

Das heißt nicht, dass jedes 90.000 Kilometer Auto schlecht ist. Es heißt nur: Wenig Kilometer schützen nicht vor Rechnungen.

Besonders kritisch wird es, wenn diese 90.000 Kilometer überwiegend Kurzstrecke waren. Dann hatte der Motor viele Kaltstarts, wenig Temperatur, viel Kondenswasser, belastetes Öl, eine gestresste Batterie und bei Dieseln möglicherweise einen Partikelfilter, der nie richtig frei atmen durfte.

So ein Auto kann auf dem Papier jünger wirken, technisch aber deutlich mehr gelitten haben als ein Langstreckenfahrzeug mit 150.000 Kilometern.

Das 150.000 Kilometer Auto: Risiko oder durchreparierte Vernunft?

Ein Auto mit 150.000 Kilometern schreckt viele Käufer ab. Genau deshalb kann es manchmal interessant sein.

Der Preis ist oft niedriger, weil der Markt höhere Laufleistungen skeptischer bewertet. Wenn aber die Wartung stimmt und wichtige Reparaturen bereits erledigt sind, kann genau dieses Auto wirtschaftlich sinnvoller sein.

Stellt euch zwei ähnliche Fahrzeuge vor.

Auto A hat 90.000 Kilometer und kostet 18.000 Euro. Es sieht gepflegt aus, aber große Verschleißteile wurden noch nicht gemacht.

Auto B hat 150.000 Kilometer und kostet 15.000 Euro. Dafür sind Bremsen, Fahrwerk, Batterie, Wasserpumpe, Automatikservice und mehrere typische Schwachstellen bereits dokumentiert erledigt.

Welches Auto ist besser?

Nicht automatisch Auto A.

Wenn Auto B in den nächsten drei Jahren 1.500 Euro mehr Reparaturen braucht, aber 3.000 Euro günstiger war, kann es immer noch die bessere Rechnung sein. Wenn Auto A dagegen in den nächsten zwei Jahren Kupplung, Bremsen, Dämpfer und Steuerkettenthema nachliefert, ist der niedrigere Kilometerstand plötzlich nur noch ein hübscher Bluff mit Tachoanzeige.


Gebrauchtwagen gekauft? Neues Auto neues Öl, hier im Motoröl Shop
Gebrauchtwagen gekauft? Neues Auto neues Öl, hier im Motoröl Shop

Gebrauchtwagenkauf, die wichtigste Formel: Gesamtkosten statt Tachostand

Beim Gebrauchtwagenkauf geht es nicht nur um den Kaufpreis. Und auch nicht nur um die Laufleistung.

Sinnvoller ist diese Denke:

Gesamtkosten gleich Kaufpreis plus Wartung plus Reparaturen minus Restwert.

Oder in Alltagssprache:

Was …
zahle ich heute?
muss ich wahrscheinlich in den nächsten Jahren reinstecken?
bekomme ich später ungefähr wieder?
Und wie hoch ist das Risiko, dass mir das Auto zwischendurch den Geldbeutel mit einem Schraubenschlüssel öffnet?

Erst mit dieser Betrachtung wird ein Vergleich wirklich fair.

Ein billigeres Auto mit höherer Laufleistung ist nicht automatisch ein Schnäppchen. Aber ein teureres Auto mit niedrigerer Laufleistung ist auch nicht automatisch vernünftig.

Kilometer Verschleiß und Altersverschleiß: Zwei verschiedene Baustellen

Ein großer Denkfehler beim Autokauf ist die Annahme, dass alles am Auto nur nach Kilometern altert.

Das stimmt nicht.

Manche Teile verschleißen stark kilometerabhängig. Dazu gehören zum Beispiel:

Bremsen
Reifen
Radlager
Fahrwerksgelenke
Kupplung
Stoßdämpfer
Getriebeöl je nach Vorgabe
Lager und bewegliche Bauteile

Andere Teile altern auch dann, wenn das Auto wenig fährt. Dazu gehören:

Gummilager
Dichtungen
Schläuche
Batterien
Kühlmittel
Bremsflüssigkeit
Elektronik
Sensoren
Kunststoffteile
Klimaanlage
Reifen durch Alterung
Rost durch Standzeit und Feuchtigkeit

Deshalb kann ein wenig gefahrenes Auto trotzdem teuer werden. Standzeit ist nicht immer Schonzeit, manchmal ist sie einfach nur langsam verpackter Verschleiß.

Kurzstrecke: Der Kilometerstand mit eingebauter Falle

Kurzstrecken sind für viele Autos deutlich belastender, als sie aussehen.

Der Motor wird nicht richtig warm.
Das Öl erreicht nicht dauerhaft seine optimale Temperatur.
Kondenswasser kann sich sammeln.
Kraftstoffreste können ins Öl gelangen.
Die Batterie wird beim Starten stark belastet, aber auf kurzen Strecken oft nicht vollständig nachgeladen.
Der Auspuff bleibt feucht.
Beim Diesel kann der Partikelfilter Probleme bekommen, wenn die Temperaturen für eine saubere Regeneration zu selten erreicht werden.

Das klingt alles unspektakulär, ist aber technisch ziemlich gemein.

Ein Auto mit 90.000 Kilometern Stadtverkehr kann deshalb stärker gelitten haben als ein Auto mit 150.000 Kilometern Autobahn. Nicht immer, aber oft genug, dass man genau hinschauen sollte.

Kurzstrecke ist wie Fast Food fürs Auto, es funktioniert eine Weile, aber auf Dauer merkt man es.

Langstrecke: Nicht automatisch perfekt, aber oft freundlicher zur Technik

Langstrecke bedeutet nicht automatisch, dass ein Auto gut ist. Wer mit kaltem Motor Vollgas fährt, Wartung ignoriert oder das Auto als Dienstwagen-Kanonenrohr benutzt, kann auch auf der Autobahn Schaden anrichten.

Aber grundsätzlich ist Langstrecke oft technikfreundlicher.

Motor, Getriebe und Abgasanlage erreichen stabile Temperaturen, das Öl kann Feuchtigkeit besser loswerden, die Batterie wird besser geladen, der Partikelfilter bekommt eher die Bedingungen, die er braucht, und viele Bauteile arbeiten gleichmäßiger, statt ständig kalt gestartet und wieder abgestellt zu werden.

Deshalb kann ein Langstreckenauto mit 150.000 Kilometern eine vernünftige Wahl sein. Vor allem, wenn die Wartung dokumentiert ist und der Zustand zum Kilometerstand passt.

Gebrauchtwagenkauf, wartungshistorie schlägt Bauchgefühl

Das beste Inserat der Welt ersetzt keine Unterlagen.

Ein Gebrauchtwagen mit vielen Rechnungen, sauberer Wartungshistorie und nachvollziehbarer Reparaturgeschichte ist oft wertvoller als ein Auto mit niedrigem Kilometerstand und einem Verkäufer, der bei jeder Nachfrage plötzlich sehr stark auf den Horizont schaut.

Wichtig sind:

Scheckheft
digitale Servicehistorie
Rechnungen
HU Berichte
Reparaturnachweise
Ölwechselintervalle
Getriebeölservice
Bremsen und Fahrwerk
Zahnriemen oder Steuerkettenthemen
Batterie
Klimaservice
Reifenalter
Unfallschäden
Rostnachweise
Rückrufaktionen
modelltypische Schwachstellen

Ein Auto mit 150.000 Kilometern und dicker Aktenmappe kann deutlich vertrauenswürdiger sein als ein 90.000 Kilometer Wagen mit „hat immer ein Bekannter gemacht“.

Dieser Bekannte heißt im Zweifel später Rechnung.

Was heißt „durchrepariert“ überhaupt?

„Durchrepariert“ ist so ein schönes Wort. Es klingt nach Frieden, Ordnung und einem Besitzer, der nicht bei jedem Geräusch das Radio lauter gedreht hat.

Aber man sollte es prüfen.

Durchrepariert heißt nicht: „Der Verkäufer sagt, es fährt super.“

Durchrepariert heißt: Es gibt nachvollziehbare Belege für erledigte Arbeiten.

Zum Beispiel:

Bremsen vorne und hinten neu oder gut
Reifen nicht nur mit Profil, sondern auch vom Alter okay
Fahrwerksteile gemacht
Dämpfer in Ordnung
Batterie frisch oder geprüft
Wasserpumpe erledigt, wenn bekanntes Thema
Zahnriemen nach Vorgabe gemacht
Steuerkettenthemen abgeklärt
Automatiköl gewechselt, wenn relevant
Kupplung oder Zweimassenschwungrad nicht kurz vor dem Drama
DPF, AGR oder Injektoren beim Diesel plausibel
Klimaanlage funktionstüchtig
keine versteckten Warnlampen
Fehlerspeicher sauber oder nachvollziehbar
Roststellen bekannt und nicht frisch überduscht

Wenn das alles belegt ist, wird ein Auto mit höherer Laufleistung plötzlich deutlich interessanter.

Wann 90.000 Kilometer wirklich besser sind

Natürlich gibt es Fälle, in denen das Auto mit 90.000 Kilometern klar die bessere Wahl ist.

Zum Beispiel wenn:

die Wartung lückenlos ist
das Auto überwiegend Langstrecke lief
der Preis fair ist
keine großen Wartungen anstehen
keine typischen Modellprobleme bekannt sind
der Zustand hervorragend ist
Reifen, Bremsen und Fahrwerk gut sind
der Verkäufer seriös dokumentieren kann
das Auto nicht jahrelang gestanden hat
der Aufpreis gegenüber dem 150.000 Kilometer Wagen gering ist

Dann kann weniger Laufleistung sehr sinnvoll sein.

Aber nur dann, wenn die niedrigere Laufleistung nicht als Ausrede dient, die Prüfung einzustellen.

Wann 150.000 Kilometer die bessere Wahl sein können

Ein Auto mit 150.000 oder 180.000 Kilometern kann die vernünftigere Entscheidung sein, wenn:

es nachweislich gut gewartet wurde
viele typische Verschleißteile bereits erledigt sind
die Nutzung überwiegend Langstrecke war
der Motorlauf sauber ist
Getriebe und Kupplung unauffällig sind
Bremsen und Fahrwerk dokumentiert gemacht wurden
der Preis deutlich niedriger ist
der Innenraum zum Kilometerstand passt
die Technik trocken und plausibel wirkt
keine Warnlampen oder Fehlerspeicher Überraschungen auftauchen
das Modell grundsätzlich als haltbar gilt

Dann ist die höhere Laufleistung nicht automatisch ein Makel, sie kann sogar zeigen, dass das Auto offenbar funktioniert hat.

Ein schlechtes Auto schafft 150.000 Kilometer oft gar nicht ohne deutliche Spuren. Ein gutes, gepflegtes Auto kann dort gerade erst in seiner ehrlichen zweiten Lebenshälfte angekommen sein.

Der Innenraum lügt selten

Ein guter Trick beim Gebrauchtwagencheck: Schaut nicht nur auf den Tacho, Schaut auf das Auto.

Lenkrad, Pedale, Sitzwange, Schaltknauf, Gurte, Türgriffe, Kofferraum, Bedienknöpfe, Teppiche, Fahrersitz, und Armauflage.

Ein angeblich 90.000 Kilometer Auto mit blank poliertem Lenkrad, durchgesessener Wange und Pedalen wie im Taxi sollte euch hellhörig machen.

Umgekehrt darf ein 180.000 Kilometer Auto Gebrauchsspuren haben. Entscheidend ist, ob sie plausibel sind.

Der Zustand muss zur Laufleistung passen, wenn er es nicht tut, ist nicht automatisch der Tacho manipuliert. Aber es ist ein Grund, genauer zu fragen.

Gebrauchtwagenkauf, die Probefahrt: Der Wahrheitsmoment

Eine Probefahrt ist Pflicht. Nicht einmal um den Block mit warmem Motor und Verkäufer auf dem Beifahrersitz, der bei jedem Geräusch sagt: „Das ist normal bei denen.“

Sinnvoll ist:

Kaltstart erleben
Leerlauf beobachten
Motorlauf prüfen
Rauchentwicklung beachten
Schaltverhalten testen
Automatik in allen Situationen fahren
Bremsen prüfen
Lenkung prüfen
Geräusche von Fahrwerk und Radlagern hören
Klimaanlage testen
Assistenzsysteme prüfen
Warnlampen beobachten
Start Stopp Funktion prüfen
Autobahn oder Landstraße fahren
nach der Fahrt auf Geruch, Flüssigkeiten und Lüfterverhalten achten

Danach Fehlerspeicher auslesen lassen, wenn möglich. Gerade bei modernen Autos ist das kein Luxus, sondern Gebrauchtwagenhygiene.

Rechenbeispiel: 90.000 gegen 150.000 Kilometer

Nehmen wir zwei Fahrzeuge desselben Modells.

Auto A: 90.000 Kilometer, Kaufpreis 20.000 Euro
Auto B: 150.000 Kilometer, Kaufpreis 16.500 Euro

Auto A braucht in den nächsten drei Jahren vielleicht:

Bremsen: 800 Euro
Reifen: 600 Euro
Batterie: 250 Euro
Fahrwerksteile: 700 Euro
Getriebeölservice: 500 Euro

Macht 2.850 Euro.

Auto B hatte genau diese Dinge bereits belegt erledigt und braucht in den nächsten drei Jahren vielleicht nur kleinere Wartung plus etwas Zusatzrisiko:

Wartung und Kleinigkeiten: 1.200 Euro
Risikoaufschlag: 800 Euro

Macht 2.000 Euro.

Dann steht Auto B trotz höherer Laufleistung plötzlich deutlich besser da. Es war 3.500 Euro günstiger und hat keine höhere Reparaturlast verursacht.

Natürlich ist das nur ein Beispiel, aber genau so sollte man denken: nicht Kilometer gegen Kilometer, sondern Preis gegen Risiko und Historie gegen Hoffnung.

Gebrauchtwagenkauf, die große Entscheidungstabelle

Frage90.000 Kilometer eher besser150.000 Kilometer eher besser
Wartung dokumentiert?Ja, lückenlos und nach VorgabeJa, mit vielen erledigten Reparaturen
Nutzung?Langstrecke, gepflegte NutzungLangstrecke, regelmäßige Wartung
Reparaturen?Große Posten noch nicht fällig oder schon gemachtTypische Schwachstellen bereits erledigt
Preisunterschied?Geringer AufpreisDeutlicher Preisabschlag
Kurzstrecke?Problematisch trotz niedriger LaufleistungWeniger problematisch bei Langstrecke
Zustand?Sehr gut und plausibelGut, ehrlich und belegt
Risiko?Niedrig, wenn Wartung stimmtNiedrig bis mittel, wenn durchrepariert
KaufentscheidungGut, wenn Aufpreis fair istGut, wenn Historie stark ist

Die wichtigsten Fragen an den Verkäufer

Bevor ihr euch von einem glänzenden Lack und niedriger Laufleistung einlullen lasst, stellt lieber ein paar unbequeme Fragen.

Wie lange besitzen Sie das Fahrzeug?
Warum verkaufen Sie es?
Wie wurde es hauptsächlich genutzt?
Kurzstrecke, Stadt, Autobahn oder gemischt?
Gibt es eine lückenlose Wartungshistorie?
Welche Reparaturen wurden in den letzten drei Jahren gemacht?
Was steht demnächst an?
Wurde der Zahnriemen gewechselt oder die Steuerkette geprüft?
Gab es Getriebeprobleme?
Wurde Automatiköl gewechselt?
Gibt es Ölverbrauch?
Gab es Unfallschäden?
Gibt es HU Berichte und Rechnungen?
Sind Rückrufe erledigt?
Sind Fehlermeldungen bekannt?
Darf das Auto vor Kauf in eine Werkstatt zum Check?

Die letzte Frage ist besonders schön, wer da nervös wird, liefert oft mehr Antwort als mit jedem Satz.

Wann ihr lieber gehen solltet

Es gibt ein paar Warnzeichen, bei denen man nicht diskutieren muss.

Keine Unterlagen
widersprüchliche Angaben
Verkäufer kennt angeblich nichts
frisch gewaschener Motorraum ohne Erklärung
Warnlampen beim Start oder während der Fahrt
Fehlerspeicher kann nicht ausgelesen werden
Probefahrt nicht möglich
Kaltstart wird vermieden
starke Rauchentwicklung
Getrieberucken
ungeklärter Ölverbrauch
unplausibler Innenraumverschleiß
frischer Unterbodenschutz auf Rostverdacht
„Das ist bei denen normal“ bei jedem Geräusch
Druck beim Kaufabschluss

Dann ist nicht der Kilometerstand das Problem, dann ist das Gesamtbild das Problem.

Was gilt für Diesel, Benziner, Hybrid und Elektro?

Beim Benziner sind Kurzstrecke, Ölwechsel, Steuerkette oder Zahnriemen, Zündanlage, Kühlung und allgemeiner Wartungszustand wichtig.

Beim Diesel kommen Partikelfilter, AGR, Injektoren, Turbolader, AdBlue System und Kurzstreckenprofil stärker ins Spiel. Ein Diesel mit 150.000 Langstreckenkilometern kann besser sein als ein Diesel mit 90.000 Stadtverkehrskilometern.

Beim Hybrid sind zusätzlich Batterie, Hochvoltsystem, Bremsen, Software, Kühlung und Herstellerdiagnose relevant. Manche Hybride halten sehr lange, aber der Check sollte fachkundig erfolgen.

Beim Elektroauto ist der Kilometerstand ebenfalls nicht alles. Wichtiger sind Batteriezustand, Ladeverhalten, Schnellladeanteil, Softwarestand, Garantie, Fahrwerk, Bremsen und Reifen. Auch ein Elektroauto kann durch Gewicht und Drehmoment Verschleiß an Reifen und Fahrwerk zeigen.

Kurz gesagt: Jede Antriebsart hat eigene Risiken. Aber bei allen gilt: Historie schlägt Bauchgefühl.

Gebrauchtwagenkauf, die schönste Käuferregel: Keine Zahl ohne Geschichte

Ein Kilometerstand ohne Geschichte ist nur eine Zahl.

90.000 Kilometer können gut sein.
150.000 Kilometer können gut sein.
180.000 Kilometer können gut sein.

Oder alle drei können ein Fass ohne Boden sein.

Entscheidend ist die Geschichte dahinter.
Wer hat das Auto gefahren?
Welche Strecken hat wurden gefahren?
Wie wurde es gewartet?
Welche Reparaturen wurden gemacht?
Welche bekannten Schwachstellen sind erledigt und passt der Preis zum Risiko?

Ein Auto ist kein Joghurtdatum, es ist nicht ab einer bestimmten Zahl automatisch schlecht.

Es ist eher wie ein Mensch: Manche sind mit 40 fertig, andere laufen mit 70 noch erstaunlich rund. Beim Auto kommt nur dazu, dass man Rechnungen und Fehlerspeicher lesen kann. Das wäre bei Menschen manchmal auch hilfreich, aber das führt jetzt zu weit.

Gebrauchtwagenkauf Fazit: Kauft nicht den Kilometerstand, kauft den Zustand

Ein Auto mit 90.000 Kilometern ist nicht automatisch besser als eines mit 150.000 Kilometern. Es kann besser sein, wenn Wartung, Nutzung, Zustand und Preis stimmen. Es kann aber auch genau der Wagen sein, bei dem die großen Kosten erst vor euch liegen.

Ein Auto mit 150.000 oder 180.000 Kilometern ist nicht automatisch verbraucht. Es kann wirtschaftlich sogar die klügere Wahl sein, wenn es gut dokumentiert, technisch gepflegt und bereits durchrepariert ist.

Die sauberste Regel lautet deshalb:

Nicht der niedrigere Kilometerstand ist automatisch besser, sondern das besser dokumentierte, ehrlicher gepflegte und technisch entlastete Fahrzeug.

Oder noch kürzer:

Kauft nicht die schönere Zahl, kauft die bessere Geschichte.

Denn am Ende fährt euch nicht der Tachostand nach Hause, sondern der Zustand des Autos.

Link zum Artikel: 90.000 oder 150.000 Kilometer: Warum der niedrigere Kilometerstand beim Gebrauchtwagenkauf nicht automatisch die bessere Wahl ist

Weitere Infos:

Gebrauchtwagenkauf, euer Guide für ein sicheres Schnäppchen

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