… oder wenn der Sommer nicht nur euch grillt, sondern auch euren Motor.
Moin liebe Freunde der gepflegten Fortbewegung,
heute geht es um ein Thema, das in der Theorie irgendwie langweilig klingt aber in der Praxis sehr schnell sehr teuer werden kann: Auto fahren bei Hitze.
Also nicht dieses romantische Sommerbild mit Sonnenbrille, Landstraße, offenem Fenster und Musik aus einer Zeit, in der Menschen noch dachten, ein CD-Wechsler im Kofferraum sei der Gipfel der Zivilisation. Es geht um die andere Seite. Stau, Asphalt, 34 Grad und Klimaanlage auf Anschlag. Temperaturanzeige im Wutbereich und ihr sitzt im Auto und fragt euch, ob das jetzt noch normal ist oder ob der ADAC euer nächster Kontakt sein wird.
Auch ich hatte dieses Thema mal wieder sehr lebendig vor Augen, als unser Agentur–Land-Rover auf dem Weg von Hamburg nach Schüttorf daran erinnerte, dass alte Autos nicht einfach Fahrzeuge sind. Sie sind Persönlichkeiten mit Metallkörper, Kühlkreislauf und gelegentlich dramatischem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit.
Und genau deshalb schauen wir uns heute bei „Auto fahren bei Hitze“ an, wie ihr euch bei Hitze richtig verhaltet, was eurem Motor wirklich hilft, welche Fehler ihr unbedingt vermeiden solltet und warum ein modernes Auto bei 35 Grad meistens deutlich entspannter bleibt als ein Oldtimer, der schon beleidigt guckt, wenn die Sonne nur etwas zu direkt auf die Motorhaube scheint.
Warum Hitze für Autos mehr ist als ein Komfortproblem
Ein Verbrennungsmotor macht aus Kraftstoff, Luft und kontrollierter Explosion Bewegung. Das klingt nach Ingenieurskunst, ist aber nebenbei auch eine erstaunlich effiziente Methode, sehr viel Wärme zu erzeugen. Ein Teil dieser Energie wird in Vortrieb verwandelt, der Rest muss irgendwohin. Am besten kontrolliert durch Kühlmittel, Kühler, Lüfter, Wasserpumpe, Thermostat, Motoröl und Fahrtwind.
Solange alles funktioniert, ist das kein großes Drama. Das Kühlsystem hält den Motor in einem Temperaturbereich, in dem er ordentlich arbeiten kann. Die Klimaanlage kühlt euch, der Lüfter unterstützt im Stand, der Kühler gibt Wärme ab und das Motoröl hilft zusätzlich Bauteile zu schmieren und thermisch zu stabilisieren.
Problematisch wird es, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen. Hohe Außentemperatur allein bringt ein gesundes modernes Auto normalerweise nicht sofort aus der Fassung. Wenn aber wenig Fahrtwind dazukommt, der Verkehr stockt, das Kühlsystem nicht mehr hundertprozentig arbeitet, der Kühlmittelstand zu niedrig ist oder ein alter Schlauch kurz vor dem Rentenantrag steht, dann wird aus Sommer plötzlich Stillstand und Werkstatt.
Die Hitze ist dabei nicht immer die eigentliche Ursache, sie ist oft der Belastungstest, der zeigt, was vorher schon nicht mehr gut war. Ein Kühlsystem, das bei 18 Grad noch freundlich mitgespielt hat, kann bei 34 Grad, Stau und Klimaanlage plötzlich seine Kündigung einreichen.
Auto fahren bei Hitze: Moderne Autos gegen alte Autos: gleiche Sonne, andere Nervenlage
Bei modernen Autos ist viel Überwachung im Spiel. Sensoren messen Temperaturen, Steuergeräte regeln Lüfter, Klimaanlage und Motorleistung, Warnlampen melden sich frühzeitig, und viele Fahrzeuge sind auf extreme Bedingungen getestet. Ein aktuelles Auto sollte also auch bei großer Hitze nicht einfach überkochen, nur weil der Sommer kurz seine Mallorca-Abteilung geöffnet hat.
Trotzdem heißt das nicht, dass moderne Autos unverwundbar sind. Batterien leiden unter Hitze, Reifen werden stärker belastet, Klimaanlagen müssen mehr arbeiten, elektronische Systeme können sich bei extremer Temperatur schützen und zeitweise Funktionen einschränken. Wer schon einmal erlebt hat, dass Display, Navigation oder Assistenzsysteme bei großer Hitze herumzicken, weiß, dass moderne Technik zwar viel kann, aber ebenfalls keine Lust hat, im Armaturenbrett gegart zu werden.
Oldtimer spielen in einer anderen Liga. Nicht unbedingt schlechter, aber ehrlicher. Viele klassische Fahrzeuge haben kleinere oder weniger leistungsfähige Kühlsysteme, alte Kühler, mechanische Lüfter, weniger Reserven und manchmal jahrzehntealte Bauteile, die zwar schön aussehen, aber innerlich so frisch sind wie ein Vereinsheim-Teppich von 1978.
Dazu kommt: Ein alter Motor redet oft mit euch. Nicht über ein Display, sondern über Geruch, Geräusch, Temperaturanzeige, Leistung und dieses diffuse Gefühl, dass da vorn gerade jemand nicht mehr richtig mitmachen möchte. Wer Oldtimer fährt, sollte deshalb nicht nur fahren, sondern beobachten. Nicht panisch, aber aufmerksam. Das Auto meint es nicht böse, ws ist nur aus einer Zeit, in der „Thermomanagement“ vermutlich noch nach Raumfahrt klang.
Was bei Hitze im Motor passiert
Damit ein Motor nicht überhitzt, muss Wärme abgeführt werden. Das Kühlmittel nimmt Hitze im Motor auf, transportiert sie zum Kühler und gibt sie dort über Luftstrom wieder ab. Bei Fahrt funktioniert das oft wunderbar, weil genügend Luft durch den Kühler strömt. Im Stau fehlt dieser natürliche Fahrtwind. Dann muss der Lüfter ran.
Wenn der Lüfter schwächelt, der Kühler zugesetzt ist, das Thermostat nicht richtig öffnet, die Wasserpumpe nicht sauber arbeitet oder zu wenig Kühlmittel im System ist, steigt die Temperatur. Dazu kommt die Klimaanlage, die zwar den Innenraum kühlt, aber unter der Motorhaube zusätzliche Arbeit verursacht. Das ist kein Weltuntergang, aber eben zusätzliche Last.
Auch Motoröl spielt eine Rolle. Es schmiert nicht nur, sondern hilft ebenfalls bei der Wärmeabfuhr. Zu wenig Öl oder altes, stark belastetes Öl kann dazu beitragen, dass der Motor thermisch schlechter klarkommt. Besonders bei älteren Motoren, hohen Laufleistungen, Anhängerbetrieb oder langen Autobahnfahrten ist das kein Detail, sondern Teil der Überlebensstrategie.
Die schlechte Nachricht lautet: Wenn ein Motor wirklich überhitzt, kann es sehr schnell teuer werden. Zylinderkopfdichtung, Zylinderkopf, Schläuche, Kühler, Wasserpumpe, Thermostat und im schlimmsten Fall der gesamte Motor können Schaden nehmen. Die gute Nachricht lautet: Viele dieser Probleme kündigen sich an, wenn ihr nicht gerade versucht, jede Warnung mit Optimismus wegzublinzeln.
Die wichtigsten Anzeichen: Wenn euer Auto zu warm wird
Das offensichtlichste Warnzeichen ist die Temperaturanzeige. Bei vielen Autos steht die Nadel im Normalbetrieb ungefähr mittig. Wenn sie deutlich steigt, in Richtung roter Bereich wandert oder eine Warnleuchte erscheint, ist das keine Empfehlung zur inneren Einkehr, sondern ein klarer Hinweis.
Dampf aus dem Motorraum ist noch eindeutiger. Dann kocht irgendwo Flüssigkeit, meistens Kühlmittel oder Wasseranteil im Kühlsystem. Das sieht dramatisch aus, und das ist es auch. In diesem Moment geht es nicht mehr darum, „noch eben bis zur nächsten Ausfahrt“ zu schaffen, falls die nächste Ausfahrt gefühlt in einem anderen Bundesland liegt.
Ein weiteres Zeichen kann nachlassende Leistung sein. Der Motor wirkt träge, nimmt Gas schlechter an oder fühlt sich an, als müsste er erst noch kurz darüber nachdenken, ob er eure Beschleunigungswünsche wirklich teilen möchte. Auch ungewöhnliche Gerüche sind wichtig. Süßlicher Geruch kann auf Kühlmittel hindeuten, heißer Kunststoff auf überlastete Bauteile, verbrannter Geruch auf Öl, Elektrik oder andere Probleme.
Bei alten Autos kommt oft noch ein Bauchgefühl dazu. Die Temperaturanzeige steigt ungewöhnlich schnell, der Lüfter klingt anders, es riecht komisch, oder das Auto läuft nicht mehr so sauber wie sonst. Genau dann lohnt sich frühes Handeln, bevor aus einem kleinen Problem eine Rechnung wird, bei der ihr plötzlich sehr religiös werdet.
Auto fahren bei Hitze: Was ihr sofort tun solltet, wenn der Motor überhitzt
Wenn die Temperatur steigt oder Dampf aus dem Motorraum kommt, solltet ihr nicht weiterfahren, als wäre das Auto nur etwas launisch. Sucht den nächsten sicheren Ort, fahrt aus dem Verkehr, schaltet die Warnblinkanlage ein und stellt das Fahrzeug sicher ab. Auf der Autobahn bedeutet das möglichst Rastplatz oder Ausfahrt. Wenn es nicht anders geht, bleibt nur der Seitenstreifen, aber dann bitte mit maximaler Vorsicht.
Falls ihr nicht sofort anhalten könnt, gibt es einen alten Trick, der unangenehm, aber sinnvoll sein kann: Klimaanlage aus, Heizung voll auf warm, Gebläse hoch. Ja, das ist im Hochsommer ungefähr so charmant wie Sauna in Daunenjacke. Aber die Heizung nutzt Abwärme aus dem Motor und leitet sie in den Innenraum. Dadurch kann der Motor kurzfristig etwas entlastet werden. Das ist keine Reparatur, sondern eine Notmaßnahme, um einen sicheren Haltepunkt zu erreichen.
Sobald ihr sicher steht, sollte der Motor abgestellt werden. Danach braucht das Auto Zeit. Nicht zwei Minuten, nicht „ich guck mal eben“, sondern mindestens 20 bis 30 Minuten, eher länger. Ein heißer Kühlkreislauf steht unter Druck, und wer den Deckel vom Kühler oder Ausgleichsbehälter zu früh öffnet, riskiert schwere Verbrennungen. Kochendes Kühlmittel im Gesicht ist kein DIY-Erlebnis, das man in seinem Lebenslauf braucht.
Die Motorhaube könnt ihr vorsichtig öffnen, wenn es gefahrlos möglich ist. Achtet dabei auf Dampf, Hitze und heiße Bauteile. Wenn ihr unsicher seid, lasst sie zu und wartet auf Hilfe. Niemand bekommt einen Orden dafür, sich am Kühler zu verbrennen.
Was ihr auf keinen Fall machen solltet
Bitte kippt niemals kaltes Wasser auf einen heißen Motor. Das klingt nach schneller Abkühlung, ist aber technisch eher die Kategorie „Wie mache ich aus einem Problem mehrere“. Starke Temperaturunterschiede können Bauteile zusätzlich belasten, und im schlimmsten Fall richtet ihr mehr Schaden an, als die Hitze allein verursacht hätte.
Auch der Kühlmittelbehälter bleibt zu, solange das System heiß ist. Selbst wenn ihr glaubt, nur mal kurz nachsehen zu müssen, ist das keine gute Idee. Wartet, bis der Motor wirklich abgekühlt ist. Wenn ihr dann Kühlmittel nachfüllt, nehmt möglichst das passende Kühlmittel. Reines Wasser kann im Notfall helfen, sollte aber keine Dauerlösung sein. Kühlmittel schützt nicht nur vor Frost, sondern auch vor Korrosion, Ablagerungen und Problemen an der Wasserpumpe.
Ebenso wenig sinnvoll ist es, nach einer Überhitzung einfach weiterzufahren, sobald die Temperaturanzeige kurz wieder normal aussieht. Wenn der Auslöser ein Leck, ein defekter Lüfter, ein klemmendes Thermostat oder eine schwache Wasserpumpe ist, kommt das Problem zurück. Ganz sicher nicht dann, wenn es euch passt.
Warum der Pannendienst manchmal günstiger ist als Mut
Viele Menschen haben beim Autofahren eine erstaunliche Fähigkeit zur Selbstberuhigung. „Wird schon gehen“ ist wahrscheinlich einer der teuersten Sätze der Automobilgeschichte. Bei einem überhitzten Motor ist genau dieser Satz gefährlich.
Ein Abschleppdienst ist nervig, keine Frage. Er kostet Zeit, Geduld und manchmal Geld. Aber ein zerstörter Motor kostet mehr. Deutlich mehr. Wenn die Temperatur in den roten Bereich steigt, Dampf sichtbar ist oder ihr nicht sicher sagen könnt, was los ist, dann ist professionelle Hilfe meistens die vernünftige Entscheidung.
Bei modernen Autos ist ein überhitzender Motor besonders verdächtig. Eine Hitzewelle allein sollte normalerweise nicht reichen, um das Kühlsystem kapitulieren zu lassen. Wenn es trotzdem passiert, liegt sehr wahrscheinlich ein technisches Problem vor. Genau das sollte eine Werkstatt prüfen, bevor ihr aus einem Sommerproblem einen Motorschaden mit Erinnerungswert macht.
Auto fahren bei Hitze: Vorbereitung vor langen Sommerfahrten
Wer bei Hitze längere Strecken fährt, sollte nicht erst auf dem Standstreifen herausfinden, dass Kühlmittel, Wasser und ein geladenes Handy nützlich gewesen wären. Vorbereitung ist nicht spießig. Vorbereitung ist der Unterschied zwischen „kurzer Stopp an der Raststätte“ und „ich sitze jetzt neben der Leitplanke und überdenke meine Lebensentscheidungen“.
Vor der Fahrt lohnt sich ein Blick auf Kühlmittelstand, Motoröl, Bremsflüssigkeit und Scheibenwaschflüssigkeit. Der Reifendruck sollte kalt geprüft werden, denn Hitze und heißer Asphalt erhöhen die Belastung der Reifen. Abgenutzte oder falsch befüllte Reifen haben bei hohen Temperaturen weniger Humor als man denkt.
Auch die Batterie verdient Aufmerksamkeit. Viele verbinden Batterieprobleme mit Winter, aber Hitze setzt Batterien ebenfalls zu. Hohe Temperaturen können die Alterung beschleunigen, und eine ohnehin schwache Batterie wird im Sommer nicht plötzlich zum Leistungssportler.
Die Klimaanlage sollte funktionieren, aber sie sollte nicht euer einziges Sicherheitskonzept sein. Wasser im Auto, eine Powerbank, Warnweste, Warndreieck, Erste-Hilfe-Set, ein kleiner Snack und ein wenig Werkzeug sind auf langen Sommerfahrten sinnvoll. Wer mit Kindern oder Haustieren unterwegs ist, plant besser noch großzügiger.
Hitze trifft nicht nur den Motor
Sommerhitze wirkt auf das ganze Auto. Reifen werden stärker belastet, der Innenraum heizt sich auf, Elektronik altert schneller, Kunststoffe leiden, und die Sicht kann durch Blendung deutlich schlechter werden. Eine schmutzige Windschutzscheibe verschlimmert Blendung, weil Licht stärker streut. Klingt banal, ist aber im Sonnenuntergang auf der Autobahn plötzlich sehr relevant.
Auch Müdigkeit ist ein Thema. Lange Fahrten, Hitze, Stau und schlechte Luft im Auto senken die Konzentration. Dehydrierung macht es nicht besser. Wer bei hohen Temperaturen fährt, sollte regelmäßig trinken, Pausen einplanen und nicht versuchen, 700 Kilometer am Stück mit dem mentalen Betriebssystem eines Backofens zu absolvieren.
Heuschnupfen und Allergien können ebenfalls eine Rolle spielen. Niesanfälle, tränende Augen oder müde machende Medikamente sind beim Fahren keine Nebensache. Saubere Innenraumfilter, geschlossene Fenster bei hoher Pollenbelastung und passende Medikamente, die nicht schläfrig machen, können helfen.
Kinder, Hunde und geparkte Autos: Kein Spielraum
Ein Auto in der Sonne wird extrem schnell heiß. Das gilt auch bei geöffnetem Fensterspalt. Kinder, Hunde und andere Haustiere dürfen im Sommer nicht im geparkten Auto zurückgelassen werden. Nicht kurz, nicht „nur fünf Minuten“, nicht „ich sehe das Auto doch vom Eingang aus“.
Der Innenraum kann in wenigen Minuten lebensgefährlich werden. Das ist kein Punkt für Diskussionen, sondern eine klare Grenze. Wer bei Hitze unterwegs ist, plant Stopps so, dass alle mit aussteigen können oder eine sichere Betreuung möglich ist.
Auto fahren bei Hitze und Oldtimer im Sommer: Liebe ist Kontrolle
Bei Oldtimern ist Sommerfahren eine Mischung aus Genuss und Wachsamkeit. Ihr könnt natürlich bei 32 Grad mit einem Klassiker unterwegs sein. Viele alte Autos können das auch. Aber sie brauchen ein intaktes Kühlsystem, saubere Kühlkanäle, passende Kühlflüssigkeit, funktionierende Lüfter, dichte Schläuche und einen Kühler, der nicht nur historisch wertvoll, sondern auch technisch wirksam ist.
Ein neuer Kühler bringt wenig, wenn der Motorblock innen zugesetzt ist. Ein stärkerer Lüfter hilft nur, wenn die Luft auch sauber durch den Kühler geführt wird. Eine Lüfterzarge ist bei vielen Fahrzeugen kein Dekoteil, sondern wichtig, damit Luft dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Manche Oldtimer profitieren von einem leistungsfähigeren Kühler, einem zusätzlichen elektrischen Lüfter, einem Ausgleichsbehälter oder einem Ölkühler. Bei Fahrzeugen, die ursprünglich mit Klimaanlage angeboten wurden, kann ein Kühler aus der Klimaanlagen-Version eine elegante Lösung sein, weil diese Fahrzeuge oft ab Werk mehr Kühlreserve hatten.
Aber bitte nicht blind aufrüsten. Der Druck im Kühlsystem, der richtige Kühlerdeckel, das passende Kühlmittel und die Belastbarkeit alter Schläuche müssen zusammenpassen. Wer einfach eine stärkere Verschlusskappe montiert, obwohl das alte System dafür nicht ausgelegt ist, verschiebt das Problem nur an die schwächste Stelle. Und die meldet sich dann meist mit Dampf, Kühlmittelverlust und schlechter Laune.
Wundermittel helfen selten gegen echte Probleme
Der Zubehörmarkt liebt kleine Flaschen mit großen Versprechen. Kühlmittelzusätze, Leckstopper und angebliche Temperaturwunder können in bestimmten Situationen eine Notlösung sein, aber sie ersetzen keine Diagnose. Wenn ein Auto überhitzt, weil der Kühler dicht, die Wasserpumpe schwach, der Lüfter defekt oder der Kühlkreislauf verschlammt ist, dann löst kein Zaubertrank dauerhaft das Problem.
Gerade bei Oldtimern lohnt sich saubere Ursachenforschung. Ist der Kühler frei? Öffnet das Thermostat richtig? Läuft der Lüfter? Stimmt der Zündzeitpunkt? Ist das Gemisch zu mager? Gibt es Luft im System? Sind die Kühlkanäle sauber? Passt der Kühlerdeckel? Genau dort liegen oft die Antworten.
Wer nur nachkippt, kaschiert. Wer prüft, versteht. Das klingt weniger aufregend, spart aber meistens Geld.
Auto fahren bei Hitze: Elektroautos und Hitze
Elektroautos haben keinen klassischen Verbrennungsmotor, der im Stau überkocht. Trotzdem bedeutet Hitze auch hier Belastung. Batterie, Leistungselektronik, Klimatisierung und Ladesysteme arbeiten bei hohen Temperaturen stärker. Moderne Elektroautos sind dafür ausgelegt, aber Reichweite und Ladeleistung können je nach Fahrzeug und Temperatur beeinflusst werden.
Vorklimatisierung ist bei E-Autos besonders sinnvoll, wenn das Fahrzeug noch am Strom hängt. Dann wird der Innenraum gekühlt, ohne dass ihr direkt Reichweite aus der Batterie zieht. Außerdem steigt ihr nicht in ein Auto, das innen die Atmosphäre einer schlecht gelüfteten Dönerbude im Hochsommer simuliert.
Auch beim E-Auto bleiben die Klassiker wichtig: Reifen, Flüssigkeiten je nach Fahrzeug, Bremsen, Sicht, Batterie- und Thermomanagement, Pausen und genug Wasser für die Insassen. Nur weil kein Verbrenner unter der Haube arbeitet, seid ihr selbst noch lange nicht hitzefest.
Richtig fahren bei Hitze
Bei sehr hohen Temperaturen fährt man am besten vorausschauend. Hektisches Beschleunigen, hartes Bremsen und dichtes Auffahren machen weder euch noch dem Auto Freude. Mehr Abstand hilft, weil Hitze Bremsen, Reifen und Fahrer gleichermaßen belastet. Außerdem sind im Sommer mehr Urlauber, Radfahrer, Fußgänger und Menschen unterwegs, die gedanklich schon am Badesee sind, aber körperlich leider noch im Straßenverkehr stattfinden.
Wenn ihr eine lange Fahrt plant, startet möglichst früh oder später am Abend. Vermeidet die heißesten Stunden, wenn es sich einrichten lässt. Plant Pausen nicht erst dann, wenn alle im Auto so aussehen, als hätte man sie aus einem Backofen gezogen. Und unterschätzt nicht, wie stark Stau das Auto belastet. Fahrtwind ist für viele Kühlsysteme ein Freund. Stop-and-Go ist eher der unangenehme Schwager, der immer dann auftaucht, wenn man ihn am wenigsten braucht.
Schatten, Lüften und Innenraum
Ein Auto in der Sonne aufzuheizen und sich dann über die Hitze zu wundern, ist ungefähr so sinnvoll wie einen Kuchen in den Ofen zu stellen und überrascht zu sein, dass er warm wird. Schattenplätze helfen. Sonnenblenden helfen ebenfalls. Eine saubere Windschutzscheibe, funktionierende Lüftung und ein kurzer Luftaustausch vor Fahrtbeginn machen mehr aus, als man denkt.
Öffnet vor dem Einsteigen kurz Türen oder Fenster, damit die aufgeheizte Luft entweichen kann. Richtet die Lüftungsdüsen so aus, dass die Luft im Innenraum zirkuliert. Die Klimaanlage muss nicht sofort auf arktische Rache gestellt werden. Besser ist es, das Auto erst durchzulüften und dann sinnvoll herunterzukühlen.
Bei älteren Autos ohne Klimaanlage hilft nur Strategie. Früh fahren, Schatten suchen, Pausen machen, Wasser mitnehmen und nicht so tun, als wäre Hitzestress eine Charakterfrage. Menschen überhitzen ebenfalls. Nur meistens ohne Warnlampe im Armaturenbrett.
Auto fahren bei Hitze: Die kurze Sommer-Checkliste
Vor einer längeren Fahrt bei Hitze sollten Kühlmittelstand, Motoröl, Bremsflüssigkeit und Scheibenwaschflüssigkeit geprüft werden. Der Reifendruck gehört ebenfalls dazu, am besten bei kalten Reifen und nach Herstellervorgabe. Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf Reifenprofil, sichtbare Risse, Batteriealter, Keilriemen, Schläuche, Kühler und Lüfterfunktion.
Für unterwegs gehören Wasser, Powerbank, Warnweste, Warndreieck, Erste-Hilfe-Set und bei passenden Fahrzeugen etwas geeignetes Kühlmittel ins Auto. Wer mit älteren Fahrzeugen fährt, ergänzt sinnvollerweise Werkzeug, Handschuhe, Lappen und die Telefonnummer eines Menschen, der beim Wort „Thermostat“ nicht zuerst an die Wohnzimmerheizung denkt.
Außerdem sollten Route, Wetter und mögliche Staupunkte vorab geprüft werden. Eine gute Planung verhindert nicht jede Panne, aber sie reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass ihr ausgerechnet in der prallen Sonne herausfindet, wie wenig Schatten eine Leitplanke spendet.
Auto fahren bei Hitze, Fazit: Hitze verzeiht keine Nachlässigkeit
Sommerhitze ist für Autos kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund für Aufmerksamkeit. Ein modernes Fahrzeug sollte hohe Temperaturen grundsätzlich wegstecken, solange Wartung und Technik stimmen. Ein altes Auto kann das ebenfalls, aber es möchte vorher bitte ernst genommen werden.
Die wichtigsten Regeln bleiben angenehm klar: Kühlmittelstand prüfen, Temperaturanzeige beobachten, bei Warnzeichen nicht weiterfahren, niemals heiße Kühlkreisläufe öffnen, keine Experimente mit kaltem Wasser auf heißen Bauteilen machen und im Zweifel lieber Hilfe rufen, bevor ein kleiner Defekt zum großen Motorschaden wird.
Für euch gilt dasselbe wie für den Motor: Flüssigkeit, Pausen und ein kühler Kopf helfen. Wer bei 35 Grad ohne Wasser, mit leerem Handy und überfälligem Kühlsystem in den Stau fährt, macht aus Mobilität eine Mutprobe. Und Mutproben sind im Straßenverkehr selten eine gute Idee.
Also: Fahrt gern in den Sommer. Fahrt gern mit alten Autos, neuen Autos, lauten Autos, leisen Autos und allem dazwischen. Aber fahrt vorbereitet.
Denn niemand möchte seine Zeit klimatisiert im Stau beginnen und sie dann unklimatisiert in der prallen Sonne neben einem dampfenden Auto beenden.
Link zum Artikel: Auto fahren bei Hitze
Weitere Infos:
Überhitzter Motor oder wenn euer Motor heiß läuft: Vom Dampf zum Durchblick

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