Heizöl statt Diesel, wenn der Spartrick plötzlich richtig teuer wird und warum der alte Diesel es vielleicht schluckt, der Zoll aber garantiert nicht
Ich mag Oldtimertreffen wirklich gerne. Schöne Autos, interessante Geschichten, Menschen, die einem erklären können, warum eine bestimmte Unterlegscheibe bei einem Modell von 1973 nur zwischen März und Juni verzinkt ausgeliefert wurde und immer wieder Fahrzeuge, bei denen man minutenlang einfach nur davorstehen und sich freuen kann.
Und dann gibt es diese Gespräche, bei denen man irgendwann nicht mehr genau weiß, ob man weiterhin über das Auto sprechen oder seinem Gegenüber vorsichtig empfehlen sollte, den Theorieteil der Führerscheinprüfung nach einigen Jahrzehnten vielleicht noch einmal aus rein nostalgischen Gründen durchzublättern.
Am vergangenen Wochenende ging es irgendwann um die aktuellen Kraftstoffpreise. Ein Thema, bei dem vermutlich jeder, der regelmäßig tankt, zumindest kurz mit den Augen rollt. Und dann kam er wieder, dieser Satz, den offenbar mindestens einer auf jedem größeren Treffen irgendwann sagen muss:
„Interessiert mich überhaupt nicht. Ich fahre sowieso mit Heizöl.“
Das wurde nicht verschämt geflüstert. Nein, das kam mit diesem kleinen triumphierenden Lächeln, das normalerweise Menschen tragen, die glauben, gerade eine Schwachstelle im System entdeckt zu haben, von der der Rest der Menschheit noch nichts weiß.
Ungefähr nach dem Motto: Ihr bezahlt alle euren teuren Diesel, während ich längst das geheime Level freigeschaltet habe.
Nun ja, an diesem Punkt musste ich leider die Rolle der Person übernehmen, die auf einer schönen Party erzählt, dass der Champagner korkt.
Denn Heizöl in einen Diesel zu kippen, ist weder der große technische Geheimtipp noch eine besonders raffinierte Form des Sparens. Bei einem alten Dieselmotor kann es durchaus sein, dass der Wagen damit zunächst vollkommen unbeeindruckt fährt. Das bedeutet allerdings ungefähr so viel wie die Feststellung, dass man auch mit Turnschuhen durch einen Schneesturm laufen kann. Es funktioniert möglicherweise. Daraus folgt nur nicht automatisch, dass es eine gute Idee ist.
Und rechtlich wird die ganze Geschichte ohnehin bemerkenswert eindeutig.
Diesel und Heizöl sind Verwandte, aber keine Zwillinge
Der Mythos hält sich wahrscheinlich deshalb so hartnäckig, weil er einen wahren Kern besitzt. Dieselkraftstoff und leichtes Heizöl stammen aus ähnlichen Mitteldestillat-Fraktionen der Mineralölverarbeitung. Rein optisch und chemisch liegen sie also erheblich näher beieinander als Diesel und beispielsweise Superbenzin.
Damit endet die Gemeinsamkeit allerdings nicht ganz, aber die Gleichheit schon.
Straßendiesel wird heute nach DIN EN 590 hergestellt. Die seit September 2025 aktuelle Ausgabe DIN EN 590:2025 definiert Anforderungen und Prüfverfahren speziell für Kraftstoff, der in dafür ausgelegten Dieselfahrzeugen eingesetzt wird. Heizöl EL wiederum unterliegt der DIN 51603-1 und ist ausdrücklich für Ölfeuerungsanlagen und entsprechende Heizgeräte vorgesehen. Zwei Produkte aus einer ähnlichen Familie, aber mit unterschiedlichen Stellenbeschreibungen.
Ein besonders schönes Beispiel dafür ist die Cetanzahl. Sie beschreibt vereinfacht gesagt die Zündwilligkeit eines Dieselkraftstoffes. Für Dieselkraftstoff fordert die EN 590 mindestens 51. Bei Heizöl EL ist eine entsprechende Cetanzahl für den Motorbetrieb dagegen überhaupt nicht Bestandteil der normalen Heizölspezifikation. Untersuchungen zeigen sogar, dass manche Heizölchargen zufällig Dieselniveau erreichen können, andere jedoch deutlich darunter liegen. Genau deshalb ist die pauschale Aussage „Heizöl hat Cetanzahl 40“ genauso falsch wie „Heizöl ist sowieso identisch mit Diesel“.
Wenn die Zündwilligkeit geringer ist, kann sich der Zündverzug verlängern. Ein Motor kann dann insbesondere kalt härter laufen, schlechter anspringen oder akustisch deutlich weniger begeistert klingen. Ob man das bei einem vierzig Jahre alten Dieselmotor sofort bemerkt, ist eine andere Frage. Die technische Spezifikation verschwindet jedenfalls nicht dadurch, dass das Auto trotzdem anspringt.
Und dann kommen die Additive
Moderner Dieselkraftstoff ist längst nicht mehr einfach nur eine Flüssigkeit, die brennt. Die Kraftstoffqualität muss unter anderem Anforderungen an Schmierfähigkeit, Alterungsstabilität, Kälteverhalten und Sauberkeit erfüllen.
Gerade die Schmierfähigkeit ist bei modernen Hochdruckeinspritzsystemen kein akademisches Thema. Common-Rail-Systeme arbeiten mit extrem hohen Drücken und sehr präzisen Bauteilen. DEUTZ weist beispielsweise ausdrücklich darauf hin, dass unzureichende Schmierfähigkeit insbesondere bei Common-Rail-Systemen gravierenden Verschleiß verursachen kann. Bei Dieselkraftstoff nach EN 590 wird die erforderliche Schmierfähigkeit durch die Kraftstoffqualität beziehungsweise entsprechende Additivierung sichergestellt.
Heizöl wird dagegen für einen Ölbrenner formuliert. Dort bestehen andere Anforderungen. Aral nennt unter anderem Unterschiede bei Cetanzahl, Schwefelgehalt, Kälteverhalten und der Additivierung. Handelsüblicher Diesel erhält Additivpakete für den motorischen Betrieb, etwa für Reinigungswirkung, Korrosions- und Verschleißschutz; solche auf den Fahrzeugbetrieb ausgelegten Additivsysteme gehören nicht automatisch zu Heizöl EL.
Der Satz „Mein alter Diesel fährt damit seit Jahren“ widerlegt das übrigens nicht. Er beweist lediglich, dass genau dieser Motor es bislang toleriert hat.
Bei einem alten Diesel sieht die Welt tatsächlich anders aus
Und hier möchte ich ausdrücklich nicht in dieselbe Richtung übertreiben wie einige der Stammtischgeschichten, über die ich mich gerade lustig mache.
Ein alter Diesel mit mechanischer Reiheneinspritzpumpe, großen Toleranzen und ohne Partikelfilter, SCR-Katalysator und hochpräzises Common-Rail-System ist technisch wesentlich weniger empfindlich als ein moderner Euro-6-Diesel.
Es wäre deshalb falsch zu behaupten, ein alter Mercedes-Diesel oder ein historischer Landmaschinenmotor würde nach einer Tankfüllung Heizöl zwangsläufig sofort sterben. Viele dieser Motoren werden damit wahrscheinlich tatsächlich laufen. Manche möglicherweise jahrelang.
Nur ist „der Motor läuft“ eine ziemlich niedrige Messlatte für die Frage, ob ein Kraftstoff dafür geeignet ist.
Selbst Hersteller von stationären Dieselmotoren, die unter bestimmten Bedingungen Heizöl zulassen, knüpfen das an konkrete Qualitätsanforderungen. MTU nennt beispielsweise ausdrücklich Eigenschaften wie Cetanzahl, Schwefelgehalt, Oxidationsstabilität, Korrosionswirkung, Schmierfähigkeit und Kälteverhalten als Unterschiede, die vor einer Verwendung berücksichtigt werden müssen. Das ist weit entfernt von „ist doch sowieso dasselbe Zeug“.
Beim Oldtimer lautet die technisch ehrliche Aussage deshalb: Er verkraftet Heizöl möglicherweise erheblich besser als ein moderner Diesel. Dadurch wird Heizöl aber weder zu normgerechtem Dieselkraftstoff noch seine Verwendung auf öffentlichen Straßen legal.
Das Alter des Autos ist schließlich keine Steuerbefreiung.
Beim modernen Diesel wird aus Geiz schnell Glücksspiel
Interessanter wird die Sache, sobald ein moderner Common-Rail-Diesel beteiligt ist.
Hochdruckpumpe, Injektoren, Motorsteuerung und Abgasnachbehandlung sind auf definierte Kraftstoffqualitäten abgestimmt. Gleichzeitig verlangt die heutige Dieselnorm einen Schwefelgehalt von maximal 10 mg/kg; bei schwefelarmem Heizöl EL können dagegen bis zu 50 mg/kg zulässig sein. Dazu kommen die bereits erwähnten Unterschiede bei Zündqualität, Kälteverhalten und Additivierung.
Für moderne Abgasnachbehandlung ist das relevant. MTU führt beispielsweise Heizöl EL schwefelarm für Motoren mit Dieselpartikelfilter sowie für kombinierte SCR-Partikelfiltersysteme ausdrücklich als nicht freigegeben. Bei Schäden aufgrund nicht zulässiger Kraftstoffqualität können außerdem Gewährleistungs- beziehungsweise Garantieansprüche entfallen.
Das bedeutet nicht, dass nach zehn Kilometern mit Heizöl automatisch der DPF auf dem Standstreifen liegt. So funktioniert Technik nicht. Es bedeutet aber, dass man absichtlich einen nicht für diese Anwendung spezifizierten Brennstoff in ein System gibt, dessen Hochdruckpumpe, Injektoren und Abgasnachbehandlung zusammen sehr schnell mehrere tausend Euro kosten können.
Und plötzlich wird aus dem vermeintlichen Sparmodell eine interessante betriebswirtschaftliche Entscheidung.
Man spart beim Kraftstoff und setzt dafür Bauteile aufs Spiel, deren Preis einem anschließend sehr eindrucksvoll erklärt, warum Hersteller Kraftstoffnormen erfinden.
Winter ist dann noch einmal eine eigene Veranstaltung
Ein weiterer Unterschied wird gerne übersehen, weil Heizöl traditionell in einem Tank im Gebäude wohnt, während ein Auto die unvernünftige Angewohnheit besitzt, im Winter draußen herumzufahren.
Dieselkraftstoff wird saisonal an niedrige Außentemperaturen angepasst. Heizöl EL besitzt andere Anforderungen an sein Kälteverhalten. Aral weist ausdrücklich darauf hin, dass Heizöl bei niedrigen Temperaturen schlechtere Fließeigenschaften haben kann als der jeweils saisonal angebotene Dieselkraftstoff.
Wer also glaubt, im Sommer den großen Spartrick entdeckt zu haben, kann bei kräftigem Frost zusätzlich erleben, wie spannend ein Kraftstofffilter wird, wenn der Brennstoff nicht mehr so fließt, wie der Motor es gerne hätte.
Das spart dann immerhin Fahrstrecke.
Jetzt kommt der Teil, bei dem die Technik fast nebensächlich wird
Bis hierhin könnte man theoretisch noch sagen: Mein Auto, mein Risiko. Wenn jemand seine Hochdruckpumpe ruinieren möchte, ist das zunächst eine recht persönliche Beziehung zwischen ihm, seinem Bankkonto und seiner Werkstatt.
Beim Heizöl kommt allerdings noch jemand hinzu.
Der Zoll.
Heizöl wird in Deutschland steuerlich deutlich günstiger behandelt, weil es zum Heizen vorgesehen ist. Aktuell beträgt die Energiesteuer für schwefelarmes Gasöl, das als regulärer Straßenkraftstoff versteuert wird, grundsätzlich 470,40 Euro je 1.000 Liter. Ordnungsgemäß gekennzeichnetes Gasöl mit höchstens 50 mg/kg Schwefel, das zum begünstigten Heizzweck verwendet wird, liegt dagegen bei 61,35 Euro je 1.000 Liter.
Genau deshalb wird Heizöl gekennzeichnet.
Die Vorstellung, der Gesetzgeber hätte diesen Preisunterschied geschaffen und anschließend vergessen, dass Dieselmotoren ebenfalls mit Gasöl betrieben werden, ist charmant, aber leider falsch.
Die Energiesteuer-Durchführungsverordnung verbietet grundsätzlich, entsprechend gekennzeichnete Energieerzeugnisse als normalen Kraftstoff bereitzuhalten, mitzuführen oder zu verwenden, soweit keine gesetzlich geregelte Ausnahme greift. Für den gewöhnlichen Oldtimer, Pkw oder Transporter auf der Straße gibt es keine allgemeine „aber meiner ist alt“-Ausnahme.
Und weil man schon vor Jahrzehnten auf die Idee gekommen ist, dass Menschen möglicherweise versuchen könnten, genau diese Steuerdifferenz auszunutzen, wird leichtes Heizöl nicht nur rot eingefärbt. Die aktuelle Kennzeichnung umfasst zusätzlich den Markierstoff ACCUTRACE Plus. Die Kennzeichnung ist also gerade dafür gedacht, steuerbegünstigtes Gasöl identifizieren zu können.
Der rote Sparfuchs trägt gewissermaßen sein Namensschild selbst mit sich herum.
Besonders hübsch wird die Rechnung bei einer Kontrolle
Hier steckt in meiner ursprünglichen Recherche sogar eine Besonderheit, die man noch etwas präziser formulieren muss.
Wird gekennzeichnetes Energieerzeugnis bei einer Fahrzeugkontrolle als Kraftstoff festgestellt, entsteht nach § 21 Energiesteuergesetz eine Energiesteuer. Dabei wird mindestens die Menge zugrunde gelegt, die dem Fassungsvermögen des Haupttanks entspricht. Das Gesetz knüpft also nicht einfach nur an die Menge an, von der der Fahrer gerade behauptet, sie eingefüllt zu haben.
Außerdem verweist § 21 auf den Kraftstoffsteuersatz für Gasöl mit mehr als 10 mg/kg Schwefel, der derzeit 485,70 Euro pro 1.000 Liter beträgt. Bereits entstandene Steuern bleiben davon unberührt.
Nehmen wir der Einfachheit halber einen 60-Liter-Tank. Allein die nach § 21 entstehende Energiesteuer entspricht bei diesem Tankvolumen rund 29 Euro. Das klingt zunächst immer noch nicht dramatisch. Nur ist das eben nicht das „Bußgeld für Heizölfahren“, sondern lediglich der steuerliche Anfang der Geschichte.
Denn derjenige, der diese entstandene Steuer schuldet, muss sie unverzüglich anmelden und bezahlen. Wer die Finanzbehörde pflichtwidrig darüber im Unklaren lässt und dadurch Steuer verkürzt, kann den Tatbestand der Steuerhinterziehung nach § 370 Abgabenordnung erfüllen. Darauf stehen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren; für gesetzlich definierte besonders schwere Fälle reicht der Strafrahmen bis zu zehn Jahren.
Damit möchte ich ausdrücklich nicht behaupten, dass jemand wegen einer Tankfüllung Heizöl automatisch fünf Jahre ins Gefängnis wandert. So werden Strafrahmen nicht angewendet. Die konkrete Sanktion hängt selbstverständlich von Umfang, Vorsatz, Wiederholung und den Umständen des Einzelfalls ab.
Aber aus dem angeblich schlauen „Ich tanke einfach Heizöl“ kann eben ein Steuerstrafverfahren werden.
Und spätestens dann bekommt der Begriff Sparen eine gewisse ironische Note.
Das Interessante ist die Größenordnung
Genau darüber habe ich auf dem Oldtimertreffen versucht, mit den selbsternannten Finanzstrategen zu sprechen.
Nehmen wir einmal nur die regulären Energiesteuersätze als Größenordnung. Zwischen schwefelarmem Straßen-Diesel mit 470,40 Euro je 1.000 Liter und steuerbegünstigtem Heizöl mit 61,35 Euro liegen rund 40,9 Cent je Liter Energiesteuer. Der tatsächliche Preisunterschied an Tankstelle beziehungsweise Heizöllieferung kann natürlich schwanken und hängt von Einkaufspreis, Liefermenge, Markt und weiteren Preisbestandteilen ab.
Bei 60 Litern sprechen wir bei dieser reinen Steuerdifferenz über knapp 24,50 Euro.
Dafür bekommt man heutzutage nicht wenig. Zwei vernünftige Mittagessen vielleicht. Einen kleineren Einkauf. Oder ungefähr dreieinhalb Dinge an einer Autobahnraststätte.
Was man dafür allerdings ebenfalls bekommen kann, ist bei regelmäßigem Heizölbetrieb ein juristisches Problem und bei einem modernen Dieselmotor zusätzlich ein technisches Risiko für Bauteile, bei denen bereits ein einzelner Injektor oder eine Hochdruckpumpe die vermeintliche Ersparnis vieler Tankfüllungen auffressen kann.
Das ist der Punkt, an dem ich persönlich Schwierigkeiten habe, den genialen Business Case zu erkennen.
„Aber meiner läuft damit wunderbar“
Diesen Satz höre ich dabei besonders gerne.
Natürlich kann er damit wunderbar laufen.
Ein Motor besitzt keinen eingebauten Kraftstoffanwalt, der beim Erkennen von Heizöl sofort die Arbeit niederlegt. Wenn Zündfähigkeit, Viskosität und andere Eigenschaften der jeweiligen Charge ausreichend nah am Dieselkraftstoff liegen, kann gerade ein älterer Motor damit zunächst vollkommen unauffällig funktionieren.
Eine Untersuchung zur Lagerfähigkeit von Brennstoffen für Notstromanlagen ist dafür sogar ausgesprochen interessant. Bei dort untersuchten Heizölproben erreichten manche eine Cetanzahl von mindestens 51 und erfüllten damit zufällig diesen einzelnen Dieselparameter; andere lagen zwischen 45 und 51, eine Probe sogar bei 42. Genau das illustriert das Problem hervorragend: Heizöl kann bei einzelnen Eigenschaften dem Diesel entsprechen, muss es nach seiner Norm aber nicht.
„Funktioniert bei mir“ und „ist dafür spezifiziert“ sind deshalb zwei vollkommen verschiedene Aussagen.
Mein Toaster funktioniert wahrscheinlich auch eine gewisse Zeit auf der Motorhaube eines fahrenden Land Rover. Trotzdem wird Land Rover das nicht als Zubehörposition in den Teilekatalog aufnehmen.
Oldtimerbesitzer haben dabei einen kleinen Denkfehler
Gerade in der Oldtimerszene entsteht zusätzlich ein merkwürdiger Kurzschluss. Weil alte Dieselmotoren mechanisch robust sind und auf unterschiedliche Kraftstoffqualitäten häufig toleranter reagieren als heutige Motoren, wird daraus gerne geschlossen, dass Heizöl für sie praktisch die gleiche Sache sei.
Technisch kann der erste Teil durchaus stimmen. Rechtlich folgt daraus überhaupt nichts.
Ob unter der Motorhaube ein moderner Common Rail von 2026 arbeitet oder ein gemütlicher Vorkammerdiesel, dessen Konstrukteur möglicherweise noch mit Rechenschieber gearbeitet hat, ändert nichts an der steuerlichen Zweckbindung des Heizöls.
Der moderne Motor liefert lediglich noch einen zusätzlichen Grund, es sein zu lassen.
Beim Oldtimer bleibt wenigstens nur das technische Fragezeichen und der Zoll.
Die wirklich clevere Lösung ist erschreckend langweilig
Am Ende meines Gesprächs hatten zumindest einige Teilnehmer dieses etwas nachdenkliche Gesicht, das entsteht, wenn eine vermeintlich brillante Idee plötzlich beginnt, Excel zu verlangen.
Und eigentlich ist das Fazit enttäuschend unspektakulär.
Wer seinen Diesel fahren möchte, tankt Kraftstoff, der für diesen Motor freigegeben und entsprechend versteuert ist. Bei älteren Fahrzeugen kann das ganz gewöhnlicher EN-590-Diesel sein. Je nach Herstellerfreigabe kommen gegebenenfalls andere normgerechte Kraftstoffe infrage, etwa bestimmte paraffinische Dieselkraftstoffe nach EN 15940. Was verwendet werden darf, steht letztlich in der Herstellerfreigabe beziehungsweise ergibt sich aus einer belastbaren technischen Prüfung.
Heizöl gehört in die Heizung.
Nicht, weil ein Dieselmotor beim Anblick der roten Flüssigkeit spontan beleidigt wäre, sondern weil Heizöl nach einer anderen Norm für einen anderen Einsatzzweck produziert und deutlich anders besteuert wird.
Wer trotzdem stolz erzählt, dass er damit seit Jahren fährt und noch nie etwas passiert sei, kann natürlich recht haben.
Bis zu diesem Satz.
Denn möglicherweise fährt der Motor tatsächlich problemlos. Möglicherweise kommt nie ein technischer Schaden. Und möglicherweise findet auch nie eine Kontrolle statt.
Das alles macht aus der Idee trotzdem keine kluge Entscheidung. Es bedeutet lediglich, dass man bislang Glück hatte.
Und Glück ist eine erstaunlich schlechte Basis.
Link zum Artikel: Heizöl statt Diesel: Technische Folgen und rechtliche Risiken
Weitere Artikel:
Hohe Spritpreise an der Zapfsäule. fahren wir jetzt wirklich weniger Auto?
Wie viel Sprit und Energie verbrauchen („verschwenden“) meine Reifen und Felgen?
Viskosität: Warum Wasser rennt, Honig träumt und Motoröl ein ziemlich harter Arbeiter ist
#DrumTisch #Heizöl #Diesel #Dieselmotor #Oldtimer #Oldtimertreffen #Kraftstoff #Autotechnik #CommonRail #DPF #Injektoren #Energiesteuer #Zoll #Schrauberwissen #Dieselwissen #Motorentechnik
Entdecke mehr von DRUMTISCH
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.