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Autoindustrie & Markt

Mercedes Mythos, Klassiker „right from the start“

Mercedes-Benz will nicht mehr darauf warten, dass die Zeit aus besonderen Autos irgendwann Klassiker macht. Mit der Mythos-Serie entstehen streng limitierte Sammlerfahrzeuge, die schon bei ihrer Geburt außergewöhnlich sein sollen. Bislang gibt es zwei Modelle: den radikal offenen PureSpeed und den nur 30 Mal gebauten CLE 646 Spezialanfertigung. Zwei völlig unterschiedliche Autos, die zeigen, was Mercedes mit Mythos eigentlich vorhat.

Mercedes Mythos, Klassiker "right from the start"
Mercedes Mythos, Klassiker "right from the start"

Die Mercedes Mythos Serie soll nicht einfach besonders teure Mercedes hervorbringen. Sie soll Autos schaffen, die schon bei ihrer Geburt als Sammlerstücke gedacht sind. Extrem kleine Stückzahlen, ungewöhnliche Konzepte und viel technischer Aufwand gehören zum Programm. Bis heute gibt es gerade einmal zwei Modelle und die könnten unterschiedlicher kaum sein.

Normalerweise entscheidet erst die Zeit, ob ein Auto zum Mythos wird. Manche Modelle verschwinden nach zehn Jahren ziemlich geräuschlos vom Gebrauchtwagenmarkt, andere stehen irgendwann unter weißen Handschuhen bei Auktionen und plötzlich erinnert sich jeder daran, dass sie angeblich schon immer etwas Besonderes gewesen seien.

Mercedes möchte diesen Prozess offenbar ein wenig abkürzen.

2022 kündigte der Konzern eine neue Reihe besonders exklusiver Sammlerfahrzeuge an. Der Name dafür ist entsprechend selbstbewusst gewählt: Mythos-Serie.
Der Anspruch dahinter ist nicht kleiner, jedes Fahrzeug dieser Reihe soll einmal neben den großen historischen Mercedes-Ikonen bestehen können.

Mercedes versucht bereits heute, möglichst viele Voraussetzungen dafür zu schaffen und anders als bei einer klassischen „Final Edition“ mit Sonderlack, zusätzlichen Nähten und nummerierter Plakette geht es bei Mythos tatsächlich um erheblich mehr Aufwand.

Angefangen hat alles mit einer neuen Luxusstrategie

Der Ursprung der Mythos-Serie liegt im Mai 2022. Mercedes stellte damals unter dem Titel „The Economics of Desire“ eine Strategie vor, mit der sich die Marke stärker auf besonders hochwertige und profitable Fahrzeugsegmente konzentrieren wollte.

Das Portfolio wurde dabei stärker in drei Bereiche gegliedert: Entry Luxury, Core Luxury und Top-End Luxury. C- und E-Klasse sollten weiterhin das Kerngeschäft bilden, während S-Klasse, G-Klasse, Mercedes-Maybach, Mercedes-AMG und besonders exklusive Kleinserien das obere Ende besetzen sollten.

Genau dort wurde Mythos angesiedelt.

Schon bei der ersten Ankündigung war klar, dass es nicht um zusätzliche Stückzahlen gehen sollte. Mercedes sprach von extrem exklusiven Sammlerfahrzeugen für besonders engagierte Enthusiasten und Kunden der Marke. Die Autos sollten sich nicht nur durch Preis und Leistung unterscheiden, sondern durch Seltenheit, Gestaltung, technischen Aufwand und eine besondere Geschichte.

Mythos ist keine neue Automarke

Die Bezeichnung lässt sich leicht missverstehen. Mythos ist weder eine eigene Marke noch eine Ausstattungslinie. Es gibt also nicht den normalen Mercedes, darüber AMG und Maybach und anschließend noch eine Mythos-Marke.

Vielmehr handelt es sich um ein übergeordnetes Programm für besonders exklusive Kleinserien innerhalb des Mercedes-Portfolios.

Beide bislang vorgestellten Mythos-Fahrzeuge stammen von Mercedes-AMG. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass jedes zukünftige Fahrzeug ebenfalls zwingend ein AMG sein muss. Mercedes stellte Mythos ursprünglich als Mercedes-Benz-Programm vor und hat bislang keine öffentliche Regel formuliert, die zukünftige Modelle auf eine bestimmte Marke, Karosserieform oder Antriebsart beschränkt.

Auch der Begriff „Spezialanfertigung“ bezeichnet keine weitere Unterserie. Er gehört lediglich zum Namen des zweiten Mythos-Modells, dem Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung.

Was muss ein Mythos-Mercedes können?

Eine offizielle Checkliste gibt es nicht. Niemand hat festgelegt, dass ein Mythos mindestens 600 PS besitzen, höchstens 100 Mal gebaut oder eine bestimmte Menge Carbon enthalten muss.

Nach den ersten beiden Modellen lässt sich die Grundidee trotzdem recht gut erkennen. Ein Mythos-Fahrzeug muss streng limitiert sein, ein eigenständiges Konzept besitzen und technisch beziehungsweise handwerklich deutlich weiter gehen als eine gewöhnliche Sonderedition.

Dabei muss es nicht zwangsläufig der leistungsstärkste Mercedes seiner Zeit sein. Beim PureSpeed ist gerade das offensichtlich. Seine 585 PS sind für einen modernen AMG zwar üppig, aber keineswegs rekordverdächtig. Das Außergewöhnliche liegt vielmehr darin, einem straßenzugelassenen Hochleistungssportwagen Dach und Windschutzscheibe zu nehmen und über den Innenraum ein von der Formel 1 inspiriertes HALO zu setzen.

Mythos bedeutet deshalb weniger maximale Zahlen im Datenblatt als die Freiheit, etwas zu bauen, das in einem normalen Serienprogramm kaum eine Chance hätte.

Bis heute gibt es genau zwei

Stand Anfang November 2026 umfasst die Mythos-Serie zwei offiziell vorgestellte Fahrzeuge.

Mercedes-AMG PureSpeedMercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung
Mythos-ModellNr. 1Nr. 2
Vorstellung20242026
Stückzahl25030
Motor4,0-Liter-V8-Biturbo4,0-Liter-V8-Biturbo
Leistung585 PS646 PS
Drehmoment800 Nm850 Nm
AntriebAllradHinterrad
Höchstgeschwindigkeit315 km/h310 km/h
Grundideeradikal offener Zweisitzerkompromissloses Hochleistungscoupé
Besonderheitkein Dach, keine Scheibe, HALOHandaufbau, Breitbau, Leichtbau

Allein die Stückzahlen zeigen, dass Mercedes hier nicht versucht, eine zusätzliche Baureihe in großer Menge zu verkaufen. 250 Autos sind bereits wenig, 30 Exemplare beim CLE 646 liegen noch einmal in einer vollkommen anderen Liga.

Nummer eins: Mercedes-AMG PureSpeed

Der Anfang war entsprechend spektakulär. Im Mai 2024 zeigte Mercedes-AMG beim Formel-1-Wochenende in Monaco zunächst das Concept Mercedes-AMG PureSpeed. Bereits dieses Fahrzeug war deutlich mehr als eine lose Designidee und gab einen ziemlich konkreten Ausblick auf das erste Serienmodell der Mythos-Reihe.

Im Dezember desselben Jahres folgte die endgültige Version.

Das Grundprinzip ist schnell erklärt. Man nehme die technische Welt eines modernen AMG-Sportwagens und entferne zwei Dinge, die sich im Automobilbau eigentlich ganz gut bewährt haben: Dach und Windschutzscheibe.

Der PureSpeed ist ein vollständig offener Zweisitzer. Klassische A-Säulen gibt es ebenfalls nicht. Stattdessen spannt sich ein HALO-System über Fahrer und Beifahrer. Das erinnert nicht zufällig an die Formel 1, sondern übernimmt tatsächlich die Grundidee des dort eingesetzten Kopfschutzsystems.

HALO statt Windschutzscheibe

Das HALO des PureSpeed ist keine Dekoration. Die stabile Konstruktion ist fest mit der Fahrzeugstruktur verbunden und gehört zum Sicherheitskonzept. Zusätzlich befinden sich hinter den Sitzen feste Überrollbügel unter den Verkleidungen.

Weil eine Windschutzscheibe bekanntermaßen hilfreich dabei ist, Luft, Insekten und andere Dinge vom Gesicht fernzuhalten, musste AMG auch aerodynamisch nacharbeiten. Kleine Luftabweiser reduzieren die Verwirbelungen um den Innenraum.

Zum Fahrzeug gehören außerdem speziell entwickelte Helme mit integriertem Kommunikationssystem. Fahrer und Beifahrer können sich darüber während der Fahrt verständigen, ohne bei hohem Tempo gegeneinander anschreien zu müssen. Smartphones lassen sich ebenfalls verbinden.

Das alles wirkt gleichzeitig extravagant und erstaunlich konsequent. Ein normales Cabriolet wollte der PureSpeed schließlich ausdrücklich nicht sein.

585 PS fühlen sich ohne Scheibe vermutlich ausreichend an

Unter der Motorhaube arbeitet der bekannte 4,0-Liter-V8-Biturbo. Er leistet 585 PS und liefert 800 Nm Drehmoment. Von null auf 100 km/h geht es in 3,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 315 km/h.

In einem geschlossenen Hochleistungsauto wirken solche Zahlen inzwischen beinahe alltäglich. Ohne Windschutzscheibe dürfte sich die Wahrnehmung allerdings „geringfügig“ verändern.

Technisch bleibt es keineswegs bei Motorleistung und spektakulärer Optik. Der PureSpeed besitzt unter anderem aktive Aerodynamik, eine hydraulische Wankstabilisierung, eine Keramik-Verbundbremsanlage und ein Liftsystem für die Vorderachse.

Trotzdem ist er kein leergeräumtes Rennfahrzeug. AMG kombiniert das radikale offene Konzept mit beheizbaren Multikontursitzen, hochwertigem Leder und einer speziell gestalteten analogen IWC-Uhr auf dem Armaturenbrett.

Genau diese Mischung beschreibt ziemlich gut, was Mercedes unter Mythos versteht: außergewöhnlich, extrem selten, sehr schnell und trotzdem eindeutig Luxus.

Die Vergangenheit fährt immer mit

Beim PureSpeed greift Mercedes tief in das eigene Geschichtsbuch. Die Verkleidungen hinter den Sitzen erinnern an historische Rennsportwagen wie den 300 SLR. Die silberne Lackierung verweist auf die Silberpfeile, während ein optionales Motorsport-Styling mit Rot und Graphit die Targa Florio von 1924 zitiert.

Auch die Startnummer 10 nimmt Bezug auf den damaligen Siegerwagen von Christian Werner. Gleichzeitig orientieren sich Details der Frontgestaltung am modernen Mercedes-AMG ONE.

Der PureSpeed ist deshalb keine direkte Neuauflage eines bestimmten historischen Modells. Vielmehr kombiniert er mehrere Epochen und Rennsportmotive zu einem neuen Fahrzeug.

Das ist wahrscheinlich klüger, als irgendeinen 300 SL möglichst exakt nachzubauen und anschließend darüber zu diskutieren, ob das Original nicht doch schöner war.

Und dann kam der CLE 646

Wer nach dem PureSpeed angenommen hatte, Mythos werde eine Reihe besonders extravaganter Luxusautos, bekam 2026 eine ziemlich andere Antwort.

Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung.

Schon der Name wirkt erfreulich unromantisch. Statt irgendeiner poetischen Bezeichnung enthält er einfach die Leistung und den Hinweis, dass dieses Auto nicht unbedingt für die normale Bestellung beim Mercedes-Händler gedacht ist.

Der CLE 646 ist das zweite offizielle Mythos-Modell und wird lediglich 30 Mal gebaut. Nach den Berichten zur Vorstellung waren sämtliche Fahrzeuge bereits vor der eigentlichen Weltpremiere vergeben.

Damit bewegt man sich in einem Bereich, in dem zufällige Begegnungen im Straßenverkehr eher unwahrscheinlich werden.

Der CLE wurde nicht einfach stärker gemacht

Ausgangspunkt ist das aktuelle CLE Coupé. Danach endet die Nähe zum normalen Serienfahrzeug allerdings ziemlich schnell.

Nach Darstellung von AMG entstand das Projekt zunächst aus der Initiative eines Entwicklungsteams. Die Frage lautete offenbar nicht, wie man einem CLE einfach mehr Leistung gibt, sondern wie weit sich das gesamte Fahrzeug in Richtung maximale Fahrdynamik verändern lässt.

Das Ergebnis ist ein komplett von Hand aufgebautes Breitbau-Coupé. Gegenüber dem Ausgangsmodell wurden rund 170 Kilogramm eingespart. Die Spur verbreiterte sich vorne und hinten um jeweils 60 Millimeter, die Rohkarosserie erhielt zusätzliche Verstärkungen und zahlreiche Karosserieteile bestehen aus Carbon.

Hinzu kommen ein integrierter Überrollbügel, aufwendige aerodynamische Maßnahmen, ein spezielles Gewindefahrwerk und eine Keramik-Hochleistungsbremsanlage.

Der CLE 646 ist deshalb deutlich mehr als ein Serien-CLE mit besonders großem Performance-Paket.

646 PS und konsequent nur Hinterradantrieb

Unter der Haube arbeitet der weiterentwickelte 4,0-Liter-V8-Biturbo M177 EVO. Er leistet exakt 646 PS und entwickelt 850 Nm Drehmoment.

Eine Flat-Plane-Kurbelwelle reduziert die rotierenden Massen und soll Drehfreude sowie Ansprechverhalten verbessern. Die Titan-Abgasanlage besitzt einen gemeinsam mit Akrapovič entwickelten hinteren Bereich.

Besonders interessant ist allerdings eine andere Entscheidung: Der CLE 646 verzichtet vollständig auf 4MATIC+ und schickt seine gesamte Leistung ausschließlich an die Hinterräder.

Ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial kümmert sich darum, dass davon möglichst viel tatsächlich auf der Straße ankommt. Auch die Launch Control wurde speziell auf dieses Konzept abgestimmt.

Von null auf 200 km/h benötigt der Wagen 11,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 310 km/h.

Auch das Fahrwerk meint es ernst

Beim Fahrwerk geht AMG ebenfalls deutlich weiter als bei einem gewöhnlichen Sondermodell.

Die vierfach einstellbaren Dämpfer ermöglichen getrennte Anpassungen von Zug- und Druckstufe für langsame und schnelle Dämpferbewegungen. Der Frontdiffusor lässt sich manuell zwischen den Einstellungen Street und Race verändern.

In der Rennstreckenposition soll er über den Venturi-Effekt zusätzlichen Abtrieb an der Vorderachse erzeugen.

Das klingt fast angenehm mechanisch in einer Zeit, in der viele Fahrzeuge lieber selbst entscheiden möchten, was der Fahrer gerade brauchen könnte. Beim CLE 646 darf der Besitzer tatsächlich noch Teile des Fahrzeugs einstellen, bevor es auf die Strecke geht.

Innen verschwindet alles, was nicht schnell ist oder macht

Auch beim Innenraum zeigt sich der Unterschied zum PureSpeed.

Während der offene Zweisitzer sein radikales Konzept mit luxuriösen Materialien kombiniert, wird beim CLE 646 konsequent reduziert. Rücksitze und Teile der Akustikdämmung verschwinden, Carbon-Türverkleidungen ersetzen schwerere Serienteile und leichte Rennschalensitze ziehen ein.

Infotainment und Soundsystem werden ebenfalls reduziert. Der integrierte Überrollbügel macht spätestens beim Einsteigen klar, dass dieser CLE weniger an die Fahrt zur Oper als an den nächsten Trackday denkt.

Gerade dadurch funktionieren PureSpeed und CLE 646 gemeinsam so gut als Erklärung der Mythos-Serie. Mercedes definiert die Reihe offenbar nicht über eine bestimmte Art von Luxus oder Sportlichkeit. Entscheidend ist vielmehr, wie weit man sich vom normalen Serienprodukt entfernt.

Was kostet diese Exklusivität?

Bei den Preisen bleibt Mercedes überraschend zurückhaltend.

Für den PureSpeed werden in der Fachpresse Beträge von mehr als 900.000 Euro genannt. Beim CLE 646 liegt die häufig genannte Größenordnung bei rund 800.000 Euro.

Diese Zahlen sollte man allerdings als berichtete Preise verstehen. Eine klassische öffentlich nachvollziehbare Preisliste für alle Märkte und Konfigurationen gibt es nicht.

Bei einem Fahrzeug mit nur 30 Exemplaren, das bereits vor seiner öffentlichen Vorstellung vergeben war, spielt der offizielle Listenpreis ohnehin eine etwas andere Rolle als bei einer E-Klasse.

Und wer darf überhaupt kaufen?

Schon bei der ursprünglichen Vorstellung 2022 erklärte Mercedes, Mythos-Fahrzeuge sollten besonders engagierten Enthusiasten und Sammlern der Marke angeboten werden.

Wie dieser Kreis genau ausgewählt wird, bleibt jedoch weitgehend im Verborgenen. Es gibt keine öffentlich bekannte Mindestzahl früherer Mercedes-Käufe, keine vorgeschriebene Sammlung und kein transparentes Punktesystem, über das man sich einen Mythos verdienen könnte.

Der CLE 646 zeigt allerdings ziemlich deutlich, dass die entsprechenden Kunden früher informiert werden als die Öffentlichkeit. Wenn ein Auto bereits vor seiner Weltpremiere vollständig verkauft ist, beginnt der Vertrieb offensichtlich nicht erst mit der Pressemitteilung.

Auch das gehört zum Luxusgeschäft: Knappheit funktioniert besonders gut, wenn nicht jeder überhaupt die Chance bekommt, etwas zu kaufen.

Warum macht Mercedes das?

Natürlich steckt hinter Mythos viel Emotion. Gleichzeitig bleibt Mercedes ein Unternehmen, und die Serie entstand nicht zufällig innerhalb einer Strategie, die ausdrücklich auf ein stärkeres Top-End-Geschäft und einen höherwertigen Produktmix setzte.

Extrem kleine Auflagen schaffen Knappheit. Hoher technischer und handwerklicher Aufwand ermöglicht außergewöhnliche Preise. Gleichzeitig entstehen Fahrzeuge mit enormer Außenwirkung, obwohl ihre Stückzahlen für den Gesamtumsatz des Konzerns praktisch keine Rolle spielen.

Dazu kommt ein weiterer Effekt: Kundenbindung.

Wer überhaupt die Möglichkeit bekommt, einen Mythos zu kaufen, erwirbt nicht nur ein Auto. Er bekommt gleichzeitig signalisiert, dass er zu einem sehr kleinen Kreis innerhalb der Mercedes-Kundschaft gehört.

Dieses Prinzip hat im Luxusgeschäft eine ziemlich lange Tradition und funktioniert offenbar noch immer erstaunlich gut.

Trotzdem sind es keine bloßen Marketingautos

Man könnte die ganze Sache natürlich auch einfacher erzählen: Ein vorhandenes Auto verändern, limitieren, eine nummerierte Plakette hineinschrauben und anschließend den Preis vervielfachen.

Bei den bisherigen Mythos-Modellen greift diese Erklärung allerdings zu kurz.

Der PureSpeed benötigt wegen des fehlenden Dachs und der fehlenden Windschutzscheibe eigene Struktur-, Sicherheits- und Aerodynamiklösungen. Beim CLE 646 wurden Rohkarosserie, Fahrwerk, Aerodynamik, Antrieb und Innenraum umfassend verändert, bevor die Fahrzeuge in Affalterbach von Hand aufgebaut werden.

Eine gewöhnliche Sonderedition ist also etwas anderes als das.

Mythos soll die Klassiker von morgen produzieren

Genau darin liegt der interessanteste Aspekt des ganzen Programms.

Normalerweise entsteht Sammlerwert ungeplant. Ein Mercedes 300 SL wurde nicht entwickelt, damit 70 Jahre später Menschen mehrere Millionen Euro dafür bezahlen. Auch ein 190 E 2.5-16 Evolution II entstand nicht mit der Garantie, irgendwann zum begehrten Auktionsobjekt zu werden.

Mythos dreht diesen Prozess um.

Mercedes sagt bereits bei der Geburt dieser Fahrzeuge: Dieses Auto soll selten bleiben, außergewöhnlich sein und langfristig begehrenswert werden.

Dazu kommen historische Bezüge, geringe Stückzahlen, viel Entwicklungsarbeit und eine Kundengruppe, bei der davon auszugehen ist, dass die Autos nicht unbedingt jeden Winter durch Streusalz bewegt werden.

Es ist damit der Ansatz, zukünftige Klassiker gewissermaßen vorzubereiten.

Und was kommt als Nächstes?

Bis Anfang November 2026 ist kein drittes Mythos-Modell offiziell vorgestellt worden.

Mercedes hat weder einen festen Veröffentlichungsrhythmus noch eine Gesamtzahl der geplanten Fahrzeuge genannt. Es gibt auch keine öffentlich bekannte Regel, wonach jedes zukünftige Mythos-Modell einen V8 besitzen, von AMG stammen oder eine bestimmte Stückzahl unterschreiten müsste.

Genau dadurch bleibt die Serie extrem interessant.

Ein nächstes Fahrzeug könnte theoretisch ein Maybach, ein extremer G, ein elektrischer Supersportwagen oder etwas völlig anderes sein. Der gemeinsame Nenner wäre nicht die Technik, sondern der Anspruch: selten, eigenständig und weit genug vom normalen Serienprogramm entfernt, um überhaupt eine eigene Geschichte zu rechtfertigen.

Mercedes, Klassiker „right from the start“, Fazit:

Als ich „Mythos-Serie“ zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich zunächst an eine weitere dieser automobilen Ideen, bei denen ein Serienmodell eine besondere Farbe, ein paar Plaketten und einen erstaunlichen Preis bekommt. Nach den ersten beiden Fahrzeugen funktioniert diese Erklärung nicht mehr besonders gut.

Ein Auto ohne Dach und Windschutzscheibe mit Formel-1-artigem HALO ist nicht gewöhnlich. Ein CLE, der rund 170 Kilogramm abspeckt, seine Rücksitze verliert, 646 PS ausschließlich an die Hinterräder schickt und anschließend nur 30 Mal von Hand gebaut wird, ebenfalls nicht.

Interessant finde ich vor allem, dass Mercedes offenbar noch gar nicht festgelegt hat, wie ein Mythos aussehen muss. Der PureSpeed ist ein luxuriöser Erlebnis-Sportwagen, während der CLE 646 deutlich näher an einem kompromisslosen Rennstreckenwerkzeug liegt. Beide verfolgen völlig unterschiedliche Ideen und gehören trotzdem in dieselbe Serie.

Vielleicht ist genau das, die Besonderheit dieses Programms.
Wenn Mythos nur bedeutet hätte, dass ein ohnehin teurer Mercedes in kleiner Stückzahl noch teurer wird, wäre die Geschichte schnell erzählt.
Wenn Mercedes dagegen jedes Mal etwas baut, bei dem selbst die eigenen Ingenieure kurz überlegen müssen, ob man das wirklich ernst meint, wird daraus tatsächlich eine ziemlich spannende Sammlung entstehen.

Ob diese Autos irgendwann echte Mythen werden, wissen wir heute natürlich nicht. Aber zwei Versuche sind gemacht und beide sind ungewöhnlich genug, um zumindest dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben.

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